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Petition an Umweltminister : Robert Habeck steht zu den Seehundjägern

vom
Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Eine selbst ernannte Petition verlangt von Habeck, die Seehundjäger zurückzupfeifen. Doch der winkt ab.

shz.de von
erstellt am 17.Dez.2016 | 18:17 Uhr

Täglich werden es mehr. Allein in dieser Woche haben mehrere tausend Menschen die Online-Petition der Organisation ETHIA unterzeichnet, mit der die Vorsitzende Bettina Jung erreichen will, dass Seehundjäger nicht mehr ohne Begutachtung durch einen Tierarzt kranke Tiere töten dürfen. „Viel zu häufig werden verletzte, kranke oder mutterlose Seehunde durch den Seehundjäger umgebracht, obwohl mit diesen Tieren erfahrene Tierärzte gute Gesundungs-Prognosen stellten“, sagt Jung.

Seehunde und Robben unterstehen nach wie vor dem Jagdrecht, auch wenn die Jagd auf die Tiere in den 1970er Jahren verboten wurde, um ihre Bestände zu retten.

Ihre Online-Petition, mit der sie schon 45.000 Unterschriften gesammelt hat, ist keine Petition im juristischen Sinne, wendet sich also nicht an den Landtag. Jung will die Unterschriften an Umweltminister Robert Habeck (Grüne) übergeben und „mit ihm ein Gespräch führen. Ich möchte ihm klarmachen, dass wir Fachleute und keine Verrückten sind.“ Allerdings habe es von Habeck noch keine Reaktion gegeben.

Jung fühlt sich durch einen Prozess bestärkt, der gegen die Föhrer Tierärztin Janine Bahr vor einigen Wochen eingestellt wurde, obwohl sie kranke Tiere aufgenommen und nicht – wie es das Gesetz vorsieht – den Seehundjägern übergeben hat. „Das Gericht hat bestätigt, dass Tierärzte besser den Gesundheitszustand der Tiere einschätzen können als Jäger“, meint Jung.

Die Schulung der Seehundjäger per Vortrag und Seminar sei unzureichend. Jung fordert von Habeck, dass nicht mehr die Seehundjäger entscheiden, wann ein Tier in die Aufzuchtstation nach Friedrichskoog (Kreis Dithmarschen) gebracht wird, sondern dass es mehr Stationen gibt, in denen Tierärzte darüber befinden, ob ein Seehund aufgezogen oder eingeschläfert wird.

Allerdings steht sie mit dieser Meinung nicht nur gegen das Umweltministerium, sondern auch gegen den Bundesverband der praktizierenden Tierärzte. Thomas Meyer ist Landesvorsitzender und sagt: „Die Seehundjäger können sehr wohl einschätzen, ob ein Tier überlebensfähig ist oder nicht. Dafür sind sie ausgebildet – das lernt man bei der Jagdprüfung und in speziellen Fortbildungen.“

Meyer plädiert dafür, der Natur freien Lauf zu lassen. „Der Bestand an Seehunden ist seit Jahren stabil, wir können und müssen nicht alle Tiere retten. Wenn Jäger im Wald ein verletztes Rehkitz finden, wird es auch erlöst.“ Allerdings sei das nicht allen Menschen zu vermitteln, weil Seehunde wegen ihres niedlichen Aussehens das Kindchenschema erfüllten. „Es handelt sich aber um wilde Raubtiere.“

Das Ministerium lässt nichts auf die Seehundjäger gekommen. „Die sind gut ausgebildet. Die Tierärztekammer hat 2014 bestätigt, dass es keine Veranlassung gibt, die Heuler nur durch Tierärzte untersuchen zu lassen. Dass die Seehundjäger die richtige Entscheidung treffen, wird durch Untersuchungen der Tierärztlichen Hochschule Hannover überprüft“, sagt Habecks Sprecherin Nicola Kabel.

Dazu werde die Seehundstation Friedrichskoog vom Kreisveterinäramt Dithmarschen überwacht und auch nicht vom Landesjagdverband betrieben, wie Jung behauptet. Die Betreuung der Robben werde von einer externen tierärztlichen Praxis gewährleistet. „Diese externen Tierärzte entscheiden in der Station, ob eine Robbe zur Aufzucht aufgenommen wird, ob und wie sie behandelt oder eingeschläfert werden soll.“

Dazu habe es nie eine Absage für ein Gespräch gegeben, so Kabel. Statt dessen sei Habecks Postfach mit 4000 E-Mails der Initiative blockiert worden. „Als wir dann eine offizielle Anfrage haben, haben die Initiatoren natürlich einen Termin bekommen.“ Das Treffen soll am 16. Januar stattfinden.

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