zur Navigation springen

Neue Behandlungsmöglichkeiten : Risiko-Gene entdeckt: Forscher entschlüsseln den Migräne-Code

vom
Aus der Onlineredaktion

Migräne-Patienten dürfen hoffen: Unterstützt von Prof. Hartmut Göbel von der Schmerzklinik Kiel ist der Forschung ein großer Durchbruch gelungen.

shz.de von
erstellt am 21.Jun.2016 | 13:26 Uhr

Kiel | Durchbruch in der Migräneforschung: Ein Kollektiv von Wissenschaftlern aus zwölf Nationen – darunter der Kieler Schmerzarzt Prof. Hartmut Göbel – hat 44 neue Genvarianten identifiziert, die das Risiko erhöhen, an Migräne zu erkranken. Die weltweit größten Studie zu diesem Thema wurde Anfang der Woche im Journal „Nature Genetics“ veröffentlicht. Co-Autor Göbel spricht gegenüber den „Kieler Nachrichten“ von einem „Meilenstein“. Die neuen Erkenntnisse eröffnen neue Möglichkeiten bei der Analyse der Triggerfaktoren und bei der Behandlung.

Migräne rangiert laut WHO unter den Top 5 der neurologischen Störungen. Jeder siebte Mensch ist betroffen. Einige von ihnen bekommen jeden Monat gleich mehrere Schmerzattacken und verlieren über ihr Leben verteilt mehrere behinderungsfreie Jahre.


Erbgutproben von 375.000 Menschen auf drei Kontinenten wurden untersucht, von denen 60.000 an Migräne leiden. Der Ergebnisse wurden innerhalb der Forschergemeinschaft zusammengetragen. Diese Kooperation brachte schließlich den Durchbruch. Die Wissenschaftler konnten verifizieren, dass die heftigen Anfälle, die täglich Millionen Menschen ans Bett fesseln, durch eine Störung der Blutversorgung im Gehirn entstehen. Demnach ist die Ursache im Blutkreislaufsystem zu suchen.

Dass rund zehn der dies begünstigenden Gene bereits dafür bekannt seien, in Verbindung mit Erkrankungen der Blut- und Lymphgefäße zu stehen, sei ebenfalls interessant, sagte Stefan Schreiber vom Institut für Klinische Molekularbiologie an der Universität Kiel gegenüber dem Newsportal ntv.de. Migräne kann während der Phase mit visuellen Störungen (Aura) das Herzinfarktrisiko bei Frauen deutlich erhöhen.

Was ist Migräne?

Migräne (von altgriechisch ἡμικρανία hēmikrānía ‚halber Schädel‘) zählt mit seinen 256 Formen zu den häufigsten neurologischen Erkrankungen. Rund sechs bis acht Prozent der Männer sowie zwischen zwölf und vierzehn Prozent der Frauen leiden darunter. Oft kommt die Attacke ohne Vorwarnung. Die pulsierenden Schmerzen konzentrieren sich auf eine Hälfte des Kopfes, Bewegung macht alles nur noch schlimmer. Als ob im Kopf ein Presslufthammer wütet oder ein Gewitter tobt: So beschreiben es Betroffene. Jegliche Aktivität ist unmöglich. Was bleibt, ist Bettruhe im abgedunkelten Zimmer. Bis zu drei Tage kann ein Migräneanfall dauern. Manche Patienten erleben die sogenannte Aura-Phase, bevor die Schmerzen einsetzen. Sie sehen dann Lichtblitze oder farbige Flecken.

Der Direktor der in der Migräneforschung führenden Kieler Schmerzklink, Verdienstkreuzträger Hartmut Göbel, freut sich über den Erkenntnisgewinn. Nun könne man sicher sagen, dass beispielsweise die Reaktionsweise von Arterien und im glatten Muskelgewebe eine wichtige Rolle bei der Entstehung der Migräne spielen. „Wir haben die Nadel im Heuhaufen gefunden. Wir können jetzt das Wissen umsetzen, da uns die Ergebnisse die Richtung für die nächsten Jahre vorgeben.“, so Göbel in der „KN“.

Dass über die molekularen Ursachen der Migräne ist bislang nur wenig bekannt war, erschwerte das Finden wirkungsvoller Therapien. Das könnte sich nun wesentlich verbessern. Die neuen Erkenntnisse werden laut Göbel die Grundlage werden für eine personalisiertere Behandlung. Da die Forschung nun gesicherte Erkenntnisse hat, dass es genetische Risikogruppen gibt, kann individueller nach probaten Therapien und Medikamentierungen gesucht werden. Die präventiven Therapien sind auf dem Vormarsch. 

zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen