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Fragen und Antworten : Rente: Warum die Jungen für die Alten zahlen

vom
Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Jeder sorgt für sich selbst? Von wegen: Was bei der Rentenversicherung an Beiträgen reinkommt, wird innerhalb eines Monats ausgegeben. Fragen und Antworten zur Rente.

shz.de von
erstellt am 22.Dez.2013 | 10:08 Uhr

Die gesetzliche Rente  ist, trotz aller Umbrüche und Reformen, zentrale Säule der Altersvorsorge. Wer sie bekommt, gegen welche Risiken sie absichert und warum die eigene Rente von anderen bezahlt wird – Fragen und Antworten.

Was sichert die gesetzliche Rente ab?

Die Risikofälle, in denen die gesetzliche Rentenversicherung greift, sind Alter, verminderte Erwerbsfähigkeit, Rehabilitationsbedarf und Tod. Vorrangig wird mit der gesetzlichen Rente das finanzielle Risiko im Alter abgesichert. Dazu haben Versicherte unter Erfüllung von persönlichen, versicherungsrechtlichen und wartezeitrechtlichen Voraussetzungen Anspruch auf eine lebenslange Altersrente. Es gibt zahlreiche Sonderfälle wie die Verrentung für besonders langjährig Versicherte oder behinderte Menschen. Zudem sichert die gesetzliche Rentenversicherung Menschen ab, die aus gesundheitlichen Gründen nicht mehr arbeiten können und leistet Erwerbsminderungsrenten beziehungsweise führt Rehabilitations-Maßnahmen durch. Mit der Hinterbliebenenrente werden Angehörige im Falle des Todes des Versicherten mit Witwen-/Witwer- und Waisenrenten abgesichert.
 

Wer zahlt in die gesetzliche Rentenversicherung ein?

Grundsätzlich sind alle abhängig Beschäftigten in der Deutschen Rentenversicherung pflichtversichert. Dies trifft zudem für verschiedene Berufsgruppen zu, die als selbstständig gelten, aber dennoch des besonderen Schutzes durch die  gesetzliche Rentenversicherung bedürfen: Hausgewerbetreibende,  Lehrer, Hebammen, Erzieher, in der Pflege Beschäftigte,  Künstler, Publizisten,  Selbstständige mit einem Auftraggeber, Seelotsen, Gewerbetreibende in Handwerksbetrieben sowie Küstenschiffer und -fischer. Zudem sind Auszubildende, Mütter oder Väter während der Kindererziehung, nicht erwerbsmäßig tätige Pflegepersonen, Menschen mit Behinderung, Wehrdienst- und Bundesfreiwilligendienstleistende und Bezieher von Kranken- oder Arbeitslosengeld versicherungspflichtig.

Was ist mit Menschen, die nicht pflichtversichert sind?

Nicht pflichtversicherte Unternehmer oder Freiberufler können auf Antrag in die gesetzliche Rentenversicherung aufgenommen werden. „Dies kann sich im Einzelfall lohnen“, sagt Dirk Manthey von der Deutschen Rentenversicherung Bund, „beispielsweise, wenn man vor einer Selbständigkeit bereits in die Rentenversicherung eingezahlt hat und zur Erfüllung der wartezeitrechtlichen Voraussetzungen für eine Altersrente noch Beiträge fehlen oder auch um den Schutz der Erwerbsminderungsrente nicht zu verlieren.“
 

Was zahle ich, was zahlt mein Arbeitgeber?

Bei Versicherungspflichtigen liegt der Beitragssatz bei derzeit 18,9 Prozent von den beitragspflichtigen Einnahmen, sprich dem Brutto-Arbeitseinkommen. Eine Hälfte zahlt im Regelfall der Arbeitnehmer, die andere Hälfte der Arbeitgeber. Pflichtversicherte Selbstständige zahlen entweder einen monatlichen Regelbeitrag (Ost: 429, 98 Euro; West: 509,36 Euro) oder einen einkommensgerechten Beitrag, mindestens jedoch 85,05 Euro. Für alle Pflichtversicherten gilt 2013 eine Beitragsbemessungsgrenze von 4900 Euro in den neuen Bundesländern und 5800 Euro in den alten. Das heißt: Auch wer monatlich mehr als 4900 bzw. 5800 Euro verdient, zahlt nur bis zu diesem Betrag Beiträge. Freiwillig Versicherte können selbst über ihren Beitrag entscheiden, müssen jedoch monatlich mindestens 85,05 Euro und dürfen höchstens 1096,20 Euro zahlen – je nach Beitrag fällt dann allerdings auch die Rentenzahlung aus.

Werden meine Beiträge für meine Rente angespart?

Nein, das deutsche Rentensystem funktioniert nach dem Umlageverfahren: Was die Versicherten einzahlen, wird noch im selben Monat an Rentner wieder ausgezahlt. Rund 260 Milliarden Euro, vor allem aus Beiträgen und Bundeszuschüssen, hat die Deutsche Rentenversicherung 2012 eingenommen, 229 Milliarden Euro wurden im gleichen Jahr für Renten wieder ausgegeben. „Die Deutsche Rentenversicherung bildet keinen Kapitalstock wie private Versicherungsunternehmen“, erläutert Dirk Manthey von der Deutschen Rentenversicherung Bund, deshalb hätten weder die Finanzkrise noch geringe Zinsen am Kapitalmarkt Einfluss auf die Rente. Übersteigen die monatlichen Einnahmen die Ausgaben, dann fließt die Differenz in eine sogenannte Nachhaltigkeitsrücklage. Sie stellt bei schwankenden Einnahmen im Laufe eines Jahres die Zahlungsfähigkeit der Rentenversicherung sicher.

Von 2011 bis 2012 sind die Beitragseinnahmen der Rentenversicherung  um vier Milliarden Euro angestiegen – Auswirkung der hohen Beschäftigungsquote auf dem Arbeitsmarkt. Allerdings: „Es ist davon auszugehen, dass diese Zahlen wieder zurückgehen, wenn die geburtenstarken Jahrgänge der Nachkriegsjahre in Rente gehen“, so Dirk Manthey.

Was ist der Generationenvertrag?

Der Generationenvertrag ist kein tatsächlicher Vertrag, sondern ein fiktiver Solidar-Vertrag, der auf der Grundlage basiert, dass die arbeitende Generation mit ihren Beiträgen die Rente der nicht mehr arbeitenden Generation finanziert. „Dies fußt auf der Erwartung, dass die nächste Generation dem ebenfalls wieder gerecht werden kann“, erläutert Dirk Manthey von der Deutschen Rentenversicherung Bund. Allerdings: Der demographische Wandel – immer weniger Beitragszahler stehen immer mehr Rentenempfängern gegenüber – stellt das System vor große Herausforderungen.




 
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