Reise in die Beatjahre

<strong>Autor Wolfgang Matthiesen</strong> spielt noch heute Schlagzeug. Foto: Staudt
Autor Wolfgang Matthiesen spielt noch heute Schlagzeug. Foto: Staudt

shz.de von
17. Februar 2010, 11:42 Uhr

flensburg | Wolfgang Matthiessen holt den Beat zurück. Da sind sie wieder, die Bands und Musik der 1960er Jahre, Kneipen, über die die Erinnerung einen verklärenden Schleier zieht. In einem Buch möchte Matthiessen allen ein Denkmal setzen: "Flensburger Beatjahre" soll der Titel heißen. Und das Projekt soll auch ein Fest für die Ohren sein: Deshalb wird das Buch vom Erscheinen einer CD begleitet, auf der die Musik der 1960er Jahre wieder lebendig wird. Bei der Sammlung von Informationen bittet Matthiessen um Mithilfe.

Immerhin - da gab es Stars und Sternchen, die damals glänzten, und einige Bühnen, auf denen "die Post abging." Dem Autor schwebt die Aufstellung einer Chronik vor - angepeilter Zeitraum von 1966 bis 1972, später vielleicht mehr.

Angefangen hat es für Wolfgang Matthiessen mit den "Beatles".Wie für so viele aus seiner Generation war das die "Einstiegsdroge". Die Szene war geradezu klassisch: Schuljungen, Matthiessen mit seinen Kameraden, saßen am Nachmittag vor dem Plattenspieler. Die Jungen spielten sich die neuesten Scheiben vor und hörten verzückt "All you need ist love", "Yellow submarine". Und schon damals zog der Gedanke durch die Köpfe: "Selbst Musik machen!", selbst auf der Bühne stehen, die Gitarre in der Hand, umjubelt werden - und vielleicht auf dem Weg zu einer großen Karriere?

Auf Streifzügen durch die Stadt gab es Futter für diese Träume: Gerne wurden nachmittags zwei Flensburger Geschäfte angesteuert: Das Musikgeschäft Wendorff am Holm und Musikhaus Ahrens am Südermarkt. "Wendorff war eigentlich unsere erste Adresse", erinnert sich Matthiessen. Dort konnte man die neuen Scheiben hören, und dort gab es all das, wovon der hoffnungsvolle Nachwuchsmusiker träumte: Gitarren, die Verstärker, ein Schlagzeug. 1967 sollte der lang gehegte Traum endlich wahr werden, Wolfgang Matthiessen, ein Schulfreund und zwei weitere Flensburger Beatbegeisterte gründen ihre erste Band: "The Age". Unter anderem spielte man für das Jugendrotkreuz im Solitüder Wald.

Dann wurde man etwas bekannter: Die zweite Formation trug den Namen "Clump". Dazu gehörten Ulf Meyer (Gitarre, Gesang), Edmund Engel (Bass, Gesang), Wolfgang Matthiessen (Schlagzeug). Später kam noch Frank Augustin (Orgel) dazu. Zu einem Vertrag mit einer großen Plattfirma reichte es nicht, aber immerhin heizte "Clump" dem Publikum als Vorgruppe der berühmten Band "Frumpy" mit der Sängerin Inga Rumpf ein. Für den Schlagzeuger gab es eine Zeit nach "Clump". Nach dem Studium spielte der Bauingenieur in der Lake-Annecy-Band - "eine Pop- und Tanzkapelle", wie er selbst sagt. Sie unterhielt oft das Publikum "An de Brüch" in Großsolt.

Mit den "Beatles", den "Stones" und "The Who" als große Vorbilder und angefeuert durch Auftritte von "Dave Dee & Co" und "The Rattles" gründeten sich in den Jahren rund 50 Bands in der Provinz. Matthiessen nennt ein paar beim Namen: "Her Orchard", die es immerhin bis zu einem Fernsehauftritt schaffte, mit dem verruchten Oluf-Samsons-Gang als Hintergrund. Die "Foot-Tapper" konnte man oft im "Forsteck" hören. "Die "Jolly Four" war eine angesagte Band." Mit tanzbarer Musik brachten die "Diamonds" ihr Publikum im Glücksburger Ruhetal in Schwung.

Und an alle die möchte Wolfgang Matthiessen mit seinem Buch erinnern - pure Nostalgie und deshalb einfach schön.

zur Startseite

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen