Wacken, G20, tote Maulwürfe : Regionaler Jahresrückblick: Das bewegte uns in SH und HH von Juli bis September

Der Nicht-Sommer 2017 in Schleswig-Holstein: Ein bildstarker Jahrgang, von dem vor allem die dunklen Farben unvergesslich bleiben werden.

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29. Dezember 2017, 18:56 Uhr

Der Juli 2017

 

7. und 8. Juli: Chaostage in Hamburg beim G20-Gipfel

Krawalle beim G20-Gipfel im Juli 2017. /Archiv
Markus Scholz
Krawalle beim G20-Gipfel im Juli 2017
 

Vor allem unter dem verhangenen Himmel des Julis erhitzen sich die Gemüter. So beginnt das dritte Quartal im Norden turbulent mit dem unfreiwilligen medialen Großereignis des Jahres: Zwischen dem 7. und 8. Juli 2017 findet in Hamburg das zwölfte Treffen der G20 statt. Mehrere tausend Menschen demonstrieren schon im Vorfeld unter dem Motto „Lieber tanz ich als G20“ gegen den bevorstehenden Gipfel. Das anschließende Stelldichein der Mächtigen verselbstständigt sich über autonomen Magnetismus und Überforderung zu einem Krawall-Festival, das außer Kontrolle gerät. Steine fliegen, Autos brennen, Läden werden demoliert, Polizisten wie auch friedliche Demonstranten verletzt. In der Stadt kann sich trotz enormer Polizeipräsenz niemand mehr sicher fühlen, auch die Verkehrssperrungen tun den Bürgern weh. shz.de mischte sich unter das Gemenge und begleitete Hamburgs Chaostage mit einem Liveblog, den Sie hier nachlesen können. Am Ende kann man es als Glück betrachten, dass niemand bei den massiven Auseinandersetzungen – wie bei der „Welcome to Hell“-Demo am 6. Juli – ums Leben kam.

Bei den Bildern der Gewalt geht ein begleitendes Großereignis beinahe unter. Dabei zeigen Musikstars wie Coldplay, Shakira, Ellie Goulding, Pharrell Williams und Herbert Grönemeyer beim Global-Citizen-Festival, dass es auch anders geht. Erstmals trägt die Bewegung Global Citizen (Weltbürger) ihre seit 2012 in New York stattfindende Show in Deutschland aus. Das Ziel: Vor dem Treffen der Staats- und Regierungschefs ein Zeichen zu setzen und Politiker in die Pflicht zu nehmen. Mit ihren Fans - laut Veranstaltern mehr als 11.000 Zuschauer - feiern sie eine große Charityparty. Auch Politiker sind dabei, allen voran Kanadas Ministerpräsident Justin Trudeau.

Die Aufarbeitung der Straftaten und politischen Entscheidungen dauert noch an.

18. Juli: Vergoldetes Haus in Veddel vollendet

 
Daniel Bockwoldt
 

300 Quadratmeter Goldfläche, sechs Etagen hoch, im Sonnenschein schrill strahlend im Kontrast zum Backsteinrot der Umgebung – zum Staunen taugt das Goldhaus von Veddel allemal. Mit der Vergoldung des letzten Steins beendet der Künstler Boran Burchhardt (Foto) am 18. Juli sein umstrittenes Projekt „Veddel vergolden“. Zur Feier des Tages ist sogar das Protestbanner mit den Worten: „Schmier Dein Gold woanders hin“ verschwunden. Sein Ziel, Aufmerksamkeit auf den sozial schwachen Hamburger Stadtteil zu lenken, habe funktioniert, sagt Burchhardt schließlich. Rund einen Monat vorher hatte er damit begonnen, auf eine 300 Quadratmeter große Hauswand hauchdünnes Blattgold aufzutragen. Die Hamburger Kulturbehörde stellt für das Vorhaben 85.000 Euro aus einem Topf für Kunst im öffentlichen Raum bereit. Das hatte auch zahlreiche Proteste ausgelöst, unter anderem sprach der Bund der Steuerzahler von Geldverschwendung.


21. Juli: Kate und William besuchen Hamburg

 
Christina Sabrowsky
 

Royalen Glanz bringen Prinz William und Herzogin Kate am letzten Tag ihres Deutschland-Besuchs nach Hamburg. Mit dem Zug reist das Paar aus Berlin an, zahlreiche Schaulustige bejubeln den Queen-Enkel und seine Frau in der Hansestadt. Ihren Besuch beginnen sie im Internationalen Maritimen Museum, wo sie unter anderem ein neugefertigtes Modell der königlichen Jacht „Britannia“ bestaunen. Weiter geht es zur Elbphilharmonie - bei einem interaktiven Kinderkonzert im Großen Saal schwingt Kate selbst den Taktstock. Letzter Programmpunkt ist eine Besichtigung der Airbus-Produktion in Finkenwerder. Von dort treten sie die Heimreise nach London an. Kurz vor dem Abflug lassen sich auch die beiden Mini-Royals erstmals blicken. Ihre Kinder George und Charlotte hatten Kate und William nicht zu den Terminen mitgenommen.


26. Juli: Das Rätsel der toten Maulwürfe

Toter Maulwurf (Talpa europaea) an einem Feld.
imago/Hubert Jelinek

Toter Maulwurf (Talpa europaea) an einem Feld.

 

Auf Wegen, an Feldern und Straßen finden sich im verregneten Frühsommer 2017 vermehrt tote Maulwürfe. Die zwei Monate alten Jungtiere wandern in dieser Zeit vom Nest der Mutter fort und müssen sich unter realen Bedingungen im Revier etablieren. Der Gang in die Eigenständigkeit in einer Kulturlandschaft gelingt vielen in diesem Jahr nicht. Andere Erklärungen für das auffällige Sterben am Wegesrand zu finden, fiel schwer. Naturschützer vermuten einerseits eine Schwächung der Jungtiere durch allzu wässrige Böden oder aber eine indirekten Folge von Pestizideinsatz bei den Insektenfressern.

28. Juli: Ein Toter bei Messerangriff in Barmbek

Ein Mann hat in einem Supermarkt im Hamburger Stadtteil Barmbek einen Menschen getötet und mehrere Passanten verletzt.
Markus Scholz
 

Bei einer Messerattacke in einem Hamburger Supermarkt wird ein Mensch getötet. Sechs weitere Menschen werden verletzt. Der Einzeltäter habe mit einem Küchenmesser wahllos auf Kunden eingestochen, berichten Zeugen. Anschließend flüchtet er, wird aber von Passanten verfolgt und schließlich festgenommen. Zeugen berichten, der Mann sei mit dem Messer in der Hand die Straße entlanggelaufen. „Dann hat er mal das Messer kurz hochgehalten und 'Allahu Akbar' geschrien, das hat er zweimal gemacht“, sagt Anwohner Remo Pollio, der die Flucht des Mannes von einem Backshop aus verfolgte.

Nach dem Ergebnis der Ermittlungen hat der mutmaßliche Täter und abgelehnte Asylbewerber Ahmad A. seine Opfer wahllos ausgesucht, stellvertretend als Vergeltung für das Unrecht, das aus seiner Sicht weltweit Muslimen zugefügt werde. „Seine Taten wollte der Angeschuldigte im Kontext islamistischer Anschläge wahrgenommen und mithin als Beitrag zum weltweiten Dschihad verstanden wissen“, erklärt die Anklagebehörde im November.

29. Juli: Der Sommer existiert nicht

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imago/blickwinkel
 

18 Grad, Schietwetter: Das Urteil für den Sommer des Jahres 2017 in Schleswig-Holstein ist selten so eindeutig ausgefallen. Allen voran Flensburg war ein Herd der Verzweiflung. Es registrierte im Sommer ganze zwei Tage mit Temperaturen über 25 Grad – ab da macht ein Meteorologe erst ein Zählstrich für den Sommertag. Beide Tage fielen auf den August. Einmal um Mai und auch einmal Mitte Juni kletterte das Thermometer an der Förde ebenfalls über die 25, aber da war es rein meteorologisch gesehen noch Frühling. Am 30. Juli kam es dann aber doch zu einem kurzen Stelldichein der Sonnenwärme in den südlicheren Gebieten Schleswig-Holsteins – die Inseln der Westküste ausgenommen. Sonst ging auch dort der Frühling direkt in den Herbst über.

30. Juli 2017: Holstein Kiel beginnt nach 36 Jahren einen Sturmlauf in Liga 2

 Die Kieler jubeln zu ihren Fans, nachdem Holstein Kiels Ducksch in der Nachspielzeit das 2:1 schießt.
dpa

13.210 Tage nach dem letzten Zweitliga-Spiel 1981 gegen Preußen Münster bestreitet die KSV Holstein Kiel wieder ein Spiel im Fußball-Unterhaus. Zum Saisonauftakt der 2. Liga retten die Störche im Heimspiel gegen den SV Sandhausen nach einem 0:2-Pausenrückstand dank des Last-Minute-Tores von Marvin Ducksch noch ein 2:2. Das stärkt die Moral der Mannschaft, die die Liga gehörig aufmischen wird. Zu diesem Zeitpunkt ahnen wohl aber nicht mal die größten Optimisten, dass Holstein in wenigen Wochen den Ruf einer Tormaschine erwirbt und nach 17 Spielttagen als Herbstmeister oben stehen wird – mit Blick auf Liga 1.

 

Der August 2017

Wacken-Festival (3. bis 5. August)

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Imago/Dirk Jacobs/ Eibner-Pressefoto

Alle Jahre wieder versetzt Wacken die Fans der Heavy-Gesinnung in kollektive Mosh-Stimmung. Neben haarigen Ausdruckstänzen gibt es jetzt eine Bier-Pipeline, die den 400.000-Liter-Durst der Liebhaber verzerrter Gitarren noch schneller stillen kann. Den immermatschigen Kurztrip in die Parallelwelt des ländlichen Steinburgs begehen auch im Jahr zwei nach Lemmy Kilmisters Tod wieder 75.000 zahlende Gäste. Für klangvollen Krach sorgen diesmal Namen wie Alice Cooper, Megadeth oder auch Chartbreaker wie die Dänen von Volbeat. shz.de versorgte die Außenwelt per Liveticker mit den nötigen Einblicken.

Anfang August: Verseuchte Eier erreichen SH

 
Armin Weigel
 

Der Skandal um die mit dem Insektizid Fipronil verseuchten Eier aus den Niederlanden lässt in diesem Sommer auch Schleswig-Holsteiner argwöhnisch die Supermärkte betreten. Bei 127 verdächtigen Kennungen könnte das Gift im Ei stecken. Bis zu 280.000 Verdachtseier seien über die Elbe geliefert worden, warnt das Verbraucherschutzministerium. Das Landeslabor findet in Stichproben allerdings keinerlei Belastungen mit dem Insektizid, das als Pflanzenschutzmittel oder in der Tiermedizin zum Schutz von Hunden vor Flöhen zum Einsatz kommt. Das Frühstücksei ist für viele erstmal tabu. Ab Januar 2018 werden die Eier teurer, weil viele niederländische Legehennenbetriebe, die Eier nach Deutschland einführen, wegen des Fipronil-Skandals gesperrt sind.

Ende August: Erste Konsequenzen der G20-Krawalle

 
Axel Heimken
 

Im ersten Prozess um die Ausschreitungen beim G20-Gipfel geht das Gericht mit seinem Urteil deutlich über die Strafforderung der Staatsanwaltschaft hinaus. Das Amtsgericht Hamburg verurteilt einen 21-Jährigen aus den Niederlanden unter anderem wegen schweren Landfriedensbruchs zu zwei Jahren und sieben Monaten Haft.

Drei Tage später nimmt der G20-Sonderausschuss der Hamburger Bürgerschaft seine Arbeit auf. Während der ersten Sitzung unterstützen die 19 Mitglieder einstimmig die Bildung des Gremiums. Vertreter der Linken und der AfD machen jedoch deutlich, dass sie einen Parlamentarischen Untersuchungsausschuss mit mehr rechtlichen Kompetenzen bevorzugt hätten. Im Ausschuss angehört werden soll neben Experten und Betroffenen auch dreimal Bürgermeister Olaf Scholz (SPD).

 

Der September 2017

1. September: Das XFEL-Zeitalter beginnt

Ein bewegender Moment für Naturwissenschaftler, für Laien allerdings nur schwer greifbar: Der Röntgenlaser European XFEL in Schenefeld nimmt am 1. September den Forschungsbetrieb auf. Damit befindet sich in Schleswig-Holstein eine Art Superkamera für den Nanokosmos. Die 1,2 Milliarden Euro teure Anlage für die Spitzenforschung soll dreidimensionale Detailaufnahmen von Molekülen, Zellen und Viren möglich machen. Auch das Filmen chemischer Reaktionen ist geplant. Dafür werden in einem 3,4 Kilometer langen Tunnel ultraschnelle Röntgenblitze erzeugt. Hier wird der XFEL erklärt.

1. bis 10. September: Hafen in Blau

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dpa

Beim „Blue Port Hamburg“ wird der Hafen der Hansestadt für zehn Tage wieder in ein mystisches blaues Licht getaucht. Mit einem symbolischen Druck auf den Knopf startet der Lichtkünstler Michael Batz im Hanseatic Trade Center die blaue Beleuchtung. Mehr als 20.000 Licht-Elemente an rund 140 prägnanten Gebäuden, Hafenindustrieanlagen und Schiffen lassen den Hafen in magischem Blau leuchten. Insgesamt wird ein Areal von acht Quadratkilometern bespielt - die höchste Stelle ist die Spitze der Elbphilharmonie mit 110 Metern. Erneut wird das Weltkulturerbe Speicherstadt und Kontorhausviertel eingebunden, zum ersten Mal mit dabei ist der Alte Elbtunnel.

9. September: Tour-Auftakt der Rolling Stones in Hamburg

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dpa

 

Beim Auftakt ihrer „No Filter“-Europatournee in Hamburg am 9. September ziehen die britischen Altrocker um Mick Jagger trotz der abschreckenden Wirkung reichlich unverschämter Ticketpreise rund 82.000 Fans in den Stadtpark. Tagelang hatte es geregnet, doch beim Open-Air-Konzert selbst bleibt es trocken. Die mit vier riesigen Leinwand-Türmen gestaltete Megabühne steht auf der Festwiese, auf der zuletzt David Bowie 1987 und Pink Floyd 1989 hatten auftreten dürfen. Nach dem ersten Song „Sympathy for the Devil“ spielt die wohl berühmteste Rockband der Welt fast zweieinhalb Stunden durch. Ihren Superhit „Satisfaction“ heben sich die Altrocker bis zum Schluss auf, um dann noch einmal einen oben drauf zu setzen: „Gimme Shelter“ und „Jumping Jack Flash“ als Zugaben sowie ein Feuerwerk lassen die Präsentation des trommelnden Wirtschaftsunternehmens ausklingen.

11. September 2017: Neue Rader Hochbrücke soll nun doch sechsspurig werden

Rader Insel: Die Regelung für illegal errichtete Hütten bringt Planungssicherheit beim Neubau der Hochbrücke.
Dewanger (Archiv)
 

Der Ersatzbau für die marode Rader Hochbrücke im Zuge der A7 über den Nord-Ostsee-Kanal wird nun doch sechsspurig. Dies habe ihm der Staatssekretär im Bundesverkehrsministerium, Enak Ferlemann (CDU), bestätigt, teilt Schleswig-Holsteins Verkehrsminister Bernd Buchholz (FDP) Mitte September mit. „Das ist eine tolle Nachricht für Schleswig-Holstein.“ Damit habe er Erfolg mit seinem Vorstoß in Berlin für einen sechsspurigen Ausbau gehabt.

Die Belastung der zu ersetzenden maroden Rader Brücke ist schon von täglich 42.500 Fahrzeugen im Jahr 2010 auf 54.200 im Jahr 2015 gestiegen. Damit ist bereits die für 2030 prognostizierte Zahl erreicht. Ein Ersatzbau muss bis 2026 stehen, weil Experten der alten Brücke keine längere Lebensdauer bescheinigen.

12. September: Kurzes Leben für Hagenbecks Elefantenbaby Püppi

 
Daniel Reinhardt
 
 

Wenige Tage nach der Geburt im Tierpark Hagenbeck verstirbt der entzückende Jung-Elefant Püppi. Die Elefantenmutter will ihre Tochter nicht annehmen und es gelingt den Pflegern auch nicht, das Baby zum Stillen zur Mutter zu bringen. Einige Tage später stellt sich heraus, dass Püppi unter einem unbemerkt gebrochenen Kiefer litt und wohl deshalb nicht genug trinken konnte. Der Bruch könne durch einen Sturz bei der Geburt oder einen Tritt von Mutter Salvana nach der Geburt entstanden sein, heißt es. Lebensfähig ist die verhungerte Püppi demnach wohl ohnehin nicht. Entzündungen im Darm und Veränderungen an weiteren Organen werden gefunden.

13. September: Ein viel zu früher Herbststurm wütet

Bahn lahmgelegt: Ein vom Sturm umgeworfener Baum liegt nahezu quer auf dem Gleis zwischen Eutin und Lübeck.
Feuerwehr Süsel

An den Bäumen hängen noch Früchte und alles Laub, als am 13. September – und damit ungewöhnlich früh – der erste große Herbststurm des Jahres über das Land fegt. Orkantief „Sebastian“ sorgt angesichts schwerer Äste und aufgeweichter Böden für Sorgenfalten. Züge und Fähren fallen aus, und auch der Verkehr auf den Autobahnen wird durcheinandergewirbelt. In Hamburg wird ein Mann von einem Baugerüst erschlagen, in Wyk auf Föhr eine 70 Jahre alte Fußgängerin von einem umstürzenden Baum getroffen und schwer verletzt. Kitas und Schulen werden geschlossen, Arbeitnehmer nach Hause gebeten und Sportveranstaltungen werden abgesagt. In Schleswig-Holstein rücken die Feuerwehren zeitweise im Minutentakt aus, es kommt zu über 1000 Einsätzen. Sogar die Branchenmesse Wind Husum muss geschlagen geben: Aus Sicherheitsgründen werden die vier Leichtbauhallen geschlossen. In unserem Liveticker können Sie die Abfolge der Geschehnisse noch einmal nachlesen.

14. September: Massenhaft tote Fische

Die Folgen des Sturms kommen auch unter Wasser zum Tragen: Die massenhaften Fische, die am Eckernförder Naturstrand angetrieben werden, sind ein schrecklicher Anblick. Dorsche, Plattfische und Meerforellen, aber auch Klippenbarsche, Sandaale, Grundeln, Garnelen und Seestichlinge liegen in großer Zahl im flachen Wasser und im Sand. Aus anderen Teilen des Landes berichten Leser, dass sich auch in ihrer Region auch ein rätselhaftes Fischsterben abspielt. Ursache für das Massensterben ist extremer Sauerstoffmangel in bestimmten Bereichen der Ostsee. Durch Südwestwind ist nach dem austreibenden Sturm extrem sauerstoffarmes Tiefenwasser hochgewirbelt worden. Messungen ergeben einen Sauerstoffgehalt von 0 Prozent im Wasser, heißt es vom Ostsee Info-Centers (OIC) am Eckernförder Strand. „Das haben wir noch nie erlebt“, sagt Umweltpädagogin Ulla Grebe-Schmitz, ein normaler Wert sei etwa 86 Prozent. Zusätzlich sei das Ostseewasser zu nährstoffreich.

19. September: Ausgrabungen in Haithabu bringen Tausende Funde zutage

Mehrere Monate lang ist Schleswig-Holstein ein archäologisches Eldorado. Die Bilanz der Ausgrabungen in der ehemaligen Wikingerstätte Haithabu bei Schleswig kann sich sehen lassen. Tausende Funde sind gemacht worden, darunter Goldanhänger, kleine Perlen, aber auch viele Sargnägel und Schädel kommen zum Vorschein. Die Ausgrabungsfläche beträgt etwa zwölf Mal zwölf Meter und ist zumeist 80 Zentimeter tief. An dieser Stelle hatte ein finnischer Archäologe schon vor rund 80 Jahren geforscht, seine Arbeiten waren aber nach Beginn des Zweiten Weltkriegs gestoppt worden. Rund 80.000 Menschen schauten den Archäologen und Grabungshelfern in den vergangenen sechs Monaten bei ihrer Arbeit über die Schulter.

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24. September 2017: Bundestagswahl

Das gute Verhältnis von Robert Habeck (l.) und Wolfgang Kubicki (r.) genügte nicht, um einen gemeinsamen Kitt für einer Jamaika-Koalition zu mischen.
dpa

Das gute Verhältnis von Robert Habeck (l.) und Wolfgang Kubicki (r.) genügte nicht, um einen gemeinsamen Kitt für einer Jamaika-Koalition zu mischen.

Es ist eine Bundestagswahl, die auch drei Monate später noch elementare Fragen aufwirft. Das klare Nein der SPD am Wahlabend zu einer Fortsetzung der Großen Koalition erzwingt Sondierungsgespräche zwischen Union, FDP und Grünen, bei denen die Kieler Jamaika-Koalitionäre Robert Habeck (Grüne) und Wolfgang Kubicki (FDP) die Stimme Schleswig-Holsteins in der Bundespolitik so gewichtig erscheinen lassen wie seit den Zeiten Gerhard Stoltenbergs nicht mehr. Doch die Hoffnung auf Jamaika im Bund stirbt jäh.

Und auch in Schleswig-Holstein wäre bei dem Ergebnis keine Zwei-Parteien-Koalition außer der Großen mehrheitsfähig. Die Nord-CDU wird mit 34 Prozent Stimmenanteil trotz Verlusten (2013: 39,2) wieder stärkste Kraft. An sie gehen zehn der elf Direktmandate. Nur in Kiel kann sich bei den Erststimmen ein SPD-Bewerber durchsetzen. Die Sozialdemokraten verlieren noch deutlicher und kommen landesweit nur noch auf 23,3 Prozent (31,5). Die FDP landet bei starken 12,6 Prozent (5,6), genauso wie die Grünen, die 12,0 Prozent holen (9,4). Die AfD bleibt mit 8,2 Prozent deutlichlich unter ihrem Bundesergebnis (12,6 Prozent). Die Linke gewinnt 7,3 Prozent (5,2) der Stimmen. Die Wahlbeteiligung steigt auf 76,5 Prozent (73,1).

25. September: Mordprozess im Fall Mert Can beginnt in Flensburg

Große Polizeipräsenz am Montagmorgen in Flensburg vor dem Prozessauftakt am Landgericht.
Karsten Sörensen

Große Polizeipräsenz vor dem Prozessauftakt am Landgericht.

Der zähe Mordprozess um den Tod des Flensburgers Mert Can Altunbas, der am 16. April in der Osternacht vor der Tür seines Elternhauses in Flensburg-Klues verblutete, beginnt im Landgericht Flensburg. 80 Menschen wohnen dem Auftakt bei. Das Geschehen ist für die Ermittler bei Polizei und Staatsanwaltschaft auch Monate nach Prozessbeginn noch schwer zu fassen. „Das ist das Trostlose an diesem Fall“, meint ein Staatsanwalt kurz vor Anklageerhebung Ende Dezember. „Im Grunde genommen ging es zwischen den beteiligten Akteuren immer nur um Kleinigkeiten.

Am 18. März war es zwischen Altunbas und dem jüngeren Bruder von I. zu einer kleinen Auseinandersetzung gekommen. Es ging um zwei Backpfeifen. Daraufhin flogen verbal die Fetzen. Prügeln, Ficken, Töten, rollende Köpfe – vorgespielte Sprachnachrichten, verlesene Chatprotokolle belegen eine rasant steigende gegenseitige Aggressivität – die sich in den sozialen Medien noch verstärkte. Nach bisherigem Stand war der Angeklagte I. die treibende Kraft, observierte mit Freunden sogar das Haus, wollte eine – vermutlich handgreifliche – Klärung mit Altunbas herbeiführen. Allein: Er bekam sie nicht. „Mert Can habe das nicht ernst genommen“, sagt der Ermittlungsbeamte. „Er ging dem Konflikt aus dem Weg.“ Aktuelles zum Prozess erfahren Sie hier (Link).

Großer Silberschatz aus der Wikingerzeit auf Sylt

Sylt hat noch unentdeckte Schätze – und zwar ganz alte: „Sensationsfund auf Sylt“, „Silberschatz aus Wikingerzeit entdeckt“, „Eine Sternstunde der Archäologie“ – so berichteten Zeitungen im September deutschlandweit über die Präsentation von 180 Schmuckstücken, Münzen und Barren aus Silber, die größtenteils im Sommer 2017 in Morsum aus dem Boden geholt wurden und aus der Wikingerzeit stammen. Auffälligstes Fundstück ist eine kunstvoll gearbeitete „Ringfibel“. Der am Gewand getragene Schmuck verfügt über drei goldene Kugeln, die mythologische Verzierungen in Form von Drachen tragen. Dieses wertvolle Stück allerdings hatte ein Landwirt bereits Anfang der 60er Jahre in seinem Acker auf Nösse entdeckt. Bekannt wurde der Fund aber erst 2015, nachdem die Familie den Schmuck ihrem Hausarzt für dessen langjährige Dienste vermacht hatte. Die über 1000 Jahre alten Fundstücke sollen künftig in einer neuen Dauerausstellung auf Schloss Gottorf zu sehen sein.

Mit Material der dpa

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