Nej tak zum symbolischen Händedruck

Die Idee zu einem deutsch-dänischen Versöhnungsdenkmal auf dem Schlachtfeld von Düppel droht zu scheitern

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12. Oktober 2011, 06:01 Uhr

sonderburg/kopenhagen | Es ist der letzte Schauplatz, an dem auf dänischem Boden eine Schlacht stattgefunden hat: die Düppeler Schanzen, kurz vor Sonderburg hoch über der Flensburger Förde gelegen. 1864 besiegten hier Preußen und Österreicher die Dänen. Für die dänische Monarchie gingen mit der Niederlage Schleswig und Holstein komplett verloren. Nach dem Motto "Was nach außen verloren ging, soll nach innen gewonnen werden" kehrten sich die Dänen von der Außenwelt ab und erfanden den Wohlfahrtsstaat moderner Prägung.

Seitdem gilt Düppel als nationale Gedenkstätte. Und so guckte der prominente dänische Bildhauer Kenn André Stilling auch dort vorbei, als er mit dem dänischen Fernsehen im vergangenen Jahr eine Sendung über Nationalmonumente produzierte. Der Besuch inspirierte ihn zu einer Idee. Ohne etwas vergessen machen zu wollen, sei es fast 140 Jahre danach doch an der Zeit, "aus der Geschichte zu lernen". Einen versöhnlichen deutsch-dänischen Händedruck in Form einer Skulptur, platziert auf den Düppeler Schanzen, schlägt Stilling vor, fertig rechtzeitig zu den großen Jubiläumsfeierlichkeiten 2014. Von einer "poetischen Plastik", von einem "liebevollen Beitrag zur Geschichte" spricht der Kopenhagener. Am liebsten an genau der Stelle, an der in Düppel einst ein preußisches Siegesdenkmal stand. Widerstandskämpfer haben es 1945 nach Ende der deutschen Besatzung Dänemarks im Zweiten Weltkrieg in die Luft gesprengt.

Keineswegs geht es dem Bildhauer um eine Arbeitsbeschaffungsmaßnahme für sich selbst. Möglichst den deutschen Kunst-Star Anselm Kiefer wünscht er sich als Macher der Skulptur. Kiefer beschäftigt sich in seinem Werk in besonderer Weise mit dem Thema Krieg, "konfrontiert seine Zeit mit der störenden moralischen Botschaft vom Ruinösen und Vergänglichen", wie es über ihn bei der Verleihung des Friedenspreises des deutschen Buchhandels 2008 hieß.

Zunächst sah es so aus, als hätte der Vorstoß eine Chance. Immerhin äußerte sogar die Chefetage des dänischen Grenzvereins Sympathie für ein Versöhnungsdenkmal. Das ist die Lobby-Organisation, die im einstigen Nationalitätenkonflikt zur Stärkung des dänischen Elements im Grenzland gegründet worden war. 18 000 Mitglieder landesweit versuchen bis heute, das Interesse für den lang umkämpften Süden wachzuhalten. Zwar ging dem Vorstand eine Platzierung auf den Resten des preußischen Monuments zu weit. Aber, so hielt Vorsitzender Finn Slumstrup fest: Grundsätzlich unterstütze man die Idee eines symbolischen Händedrucks. "Er soll verdeutlichen", so Slumstrup ursprünglich im Namen seines Vorstands, "dass wir uns nach 150 Jahren nationalem Streit im Grenzland versöhnt haben und heute zusammenarbeiten, um die bestmögliche Zukunft füreinander zu schaffen."

Doch das ist in Dänemark offenbar immer noch nicht Konsens. Eine Lawine von Leserbriefen vor allem in den Tageszeitungen "Jydske Vestkysten" und "Jyllands-Posten" brach los, die die Denkmal-Idee in Bausch und Bogen verdammte. "Düppel symbolisiert nicht nur eine dänische Niederlage, sondern auch einen dänischen Willen, dänisches Recht zu verteidigen, das Recht auf Schleswig" hieß es da zum Beispiel in einem Gastbeitrag eines Vorstandsmitglieds der Rønshoved Højskole. Von einer "groben Provokation, einer Quelle für Unruhe und Spaltung der Bevölkerung" schrieb ein einstiger Widerstandskämpfer und Mitglied des Grenzvereins in Hadersleben. Scheinbar eine typische Ansicht in den südjütischen Einheiten des Vereins. Jedenfalls probten seine Gliederungen aus Sonderburg, Apenrade, Tondern und Hadersleben den Aufstand gegen die Spitze in Kopenhagen. Bei einer gemeinsamen Sitzung sagten sie nein zur Skulptur. Warum, wird in einer gemeinsamen Presseerklärung nicht begründet. Nachfrage also beim Vorsitzenden des Grenzvereins in Sonderburg, Christian Kronika. "Wir Dänen bedürfen keiner Versöhnung", antwortet er. Man wolle Düppel für ein rein dänisches Gedenken an die Schlacht und ihre Folgen bewahren. Er meint, dass sei man den Vorfahren schuldig und wird pathetisch: "Fünf Generationen mussten unter deutscher Herrschaft leiden, da sitzt etwas ganz tief". Aber ist es nicht an der Zeit, weiterzukommen? Er habe nichts gegen deutsch-dänische Zusammenarbeit, entgegnet Kronika - nur eben nicht in Düppel.

Der Grenzvereins-Vorstand "respektiert" nach dem Aufstand aus dem Grenzgebiet notgedrungen das Nein, wie es in einer Mitteilung heißt. Die Sprachregelung lautet nun: "Wenn aus dem Monument überhaupt etwas wird, dann woanders als in Düppel".

Die lokale Ebene des Grenzvereins "tut so, als würde sie Sønderjylland allein besitzen", ärgert sich Initiator Kenn André Stilling. Will er nach all dem überhaupt noch weitermachen? "Ich weiß es noch nicht", sagt er und betont: "Ich habe auch anderes zu tun."

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