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Video von Lkw-Fahrstunde : Redakteurin auf fünf Achsen: Der Selbstversuch als Brummi-Fahrer

vom
Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Redakteurin Katrin Schaupp lenkte zum ersten Mal einen 420 PS starken Sattelzug – unter der Obhut von Deula-Fahrlehrer Dieter Mumm.

Rendsburg | Manchmal hat man sie, diese Momente, in denen man sich fragt: „Was mache ich hier eigentlich?“ So geht es mir, als ich Dieter Mumm gegenüber sitze. Der 57-Jährige ist Fahrlehrer bei der Deula und hat mir gerade eröffnet, dass ich meine Lkw-Fahrstunde natürlich nicht (und das sagt er mit Nachdruck) auf einem Übungsplatz, sondern auf der Straße absolvieren werde. Mein erster Impuls ist ein Lachen. „Quatsch“, sage ich. Doch Dieter, wie ich ihn nennen darf, verzieht keine Miene. Er meint es ernst. War ich vorher schon aufgeregt, ist mir jetzt fast schlecht. Das einzig Beruhigende: Jetzt lacht Dieter. „Hör einfach auf das, was ich sage, dann kann gar nichts passieren“, sagt er, während wir zu „meinem“ Lkw gehen.

Das Gespann besteht aus einem recht neuen Sattelschlepper der Marke Volvo – weshalb über der Fahrertür auch groß „Junger Schwede“ steht – und einer Mulde. Darin werden für gewöhnlich Schüttgüter wie Sand oder Kies transportiert. Knapp 13 Meter Länge hat der Sattelzug, fünf Achsen und 420 PS. Mein Lehrer fackelt nicht lange – ich soll einsteigen und Dieter erklärt mir, wie ich den Fahrersitz einstellen kann. Der ist aus Leder, federt ein wenig, hat Armlehnen und ist ziemlich bequem. Ein bisschen wie ein Fernsehsessel. Kaum sitzt Fahrlehrer Mumm auf dem Beifahrersitz, hält er mir den Schlüssel hin. Immerhin: Der „junge Schwede“ hat ein Automatik-Getriebe. Wenn ich zum Verkehrshindernis werde, dann zumindest schon mal nicht, weil mir ständig der Motor absäuft, denke ich. Dann gibt Dieter das Kommando, den Laster zu starten und langsam Gas zu geben: „Der beschleunigt nämlich ganz schön.“

Bevor wir das Deula-Gelände verlassen, um am „echten“ Straßenverkehr teilzunehmen, drehen wir eine Test-Runde um eine Halle. Dabei geht es vor allem darum, ein Gefühl für das Gespann zu entwickeln. Besonders merkwürdig ist, dass man in zwei Metern Höhe sitzt. Eine ungewohnte Perspektive. Und als ich um eine Kurve fahren muss, soll ich so spät das Lenkrad einschlagen, dass ich schon damit rechne, einen der kleinen Bäume vor uns umzufahren. Doch so ist das eben, wenn hinter einem noch 13 Meter Fahrzeug hängen. Hätte ich früher eingeschlagen, hätte ich mit der Mulde womöglich eine Wand der Halle touchiert. Hab ich verstanden, Lektion gelernt. Also geht es in Richtung Straße.

Knapp 13 Meter ist dieser Sattelzug lang, den Redakteurin Katrin Schaupp in Bewegung setzen durfte. Unter Anleitung von Fahrlehrer Dieter Mumm steuerte sie den Laster souverän.
Knapp 13 Meter ist dieser Sattelzug lang, den Redakteurin Katrin Schaupp in Bewegung setzen durfte. Unter Anleitung von Fahrlehrer Dieter Mumm steuerte sie den Laster souverän. Foto: Matzen

Dieter ist ganz entspannt, als wir auf den Grünen Kamp biegen. „Jetzt gib mal Gas“, sagt er. Mir wird mulmig, weil die Straße ziemlich schmal wirkt. Als ich das sage, rät Mumm mir, in die Seitenspiegel zu gucken: „Da siehst du, wie viel Platz du nach rechts und links hast.“ Als ich das tue, sehe ich: Da ist im Grunde überhaupt kein Platz mehr – der Sattelzug ist genauso breit wie die Straße. Und es bleibt keine Zeit, den Schreck zu verarbeiten: Ich muss in einen Kreisverkehr fahren – und mir wird ganz heiß vor lauter Anspannung. Doch auch damit nicht genug: Als der Kreisverkehr hinter uns liegt, lotst mich Dieter auf die Bundesstraße 202. „In Richtung Autobahn“, sagt er. Zumindest innerlich kriege ich Schnappatmung – der Dieter muss verrückt geworden sein, denke ich. Doch zum Glück fahren wir kurz vorher von der B202 ab, wenden und machen uns auf den Rückweg. „Und jetzt gib es zu, das macht dir Spaß“, sagt Dieter. „Das seh’ ich dir doch an.“ Mir ist immer noch furchtbar warm und ich antworte: „Der Eindruck täuscht“, muss aber lachen – und Dieter hat den Scherz verstanden.

Katrin Schaupp und Dieter Mumm im „jungen Schweden“.
Katrin Schaupp und Dieter Mumm im „jungen Schweden“. Foto: Matzen
 

Wenn ich ehrlich bin, macht es wirklich Spaß. Mag aber auch an meinem Lehrer liegen, der um keinen Spruch verlegen ist. Immerhin ist Dieter Mumm seit 36 Jahren Fahrlehrer, etwa 25 Jahre schon bei der Deula – da erlebt man viel. Hoffnungslose Fälle gebe es immer mal, aber nicht oft. Ich gehöre nicht dazu, versichert er mir. Das Schwierigste am Lkw-Führerschein sei es, die Angst zu verlieren. Der optimale Lasterfahrer ist nämlich souverän und gelassen und fährt vorausschauend. „Der Zeitdruck auf die Fahrer ist enorm, deshalb haben viele Spediteure und Fuhrunternehmen Nachwuchssorgen“, erklärt Dieter Mumm. So haben 95 Prozent seiner Fahrschüler direkt im Anschluss an die Ausbildung einen Arbeitsplatz sicher. Im vergangenen Jahr haben 397 Menschen ihren Lkw-Führerschein bei der Deula gemacht. Darunter etwa 15 Prozent Frauen, schätzt Mumm. Und die Tendenz ist steigend.

Bei der Deula kann man den Lkw-Führerschein in einem zweiwöchigen Crash-Kursus machen. Die Kosten liegen bei etwa 3300 Euro. Kontakt: Grüner Kamp 13, 24768 Rendsburg, Tel. 04331/847910. Internet: www.deula.de/rendsburg

Als wir wieder auf das Deula-Gelände einbiegen, bin ich – zugegebenermaßen – durchaus erleichtert: Alle im und außerhalb des Lkw haben die Tour mit mir unbeschadet überstanden. Nur das Parken hat es nochmal in sich. Um den Platz auf dem Hof optimal auszunutzen, soll ich mich schräg vor einen anderen Laster stellen. Damit der seitliche Abstand zwischen den beiden Fahrzeugen nicht zu groß ist, weist Dieter mich ein. Also fahre ich zunächst von hinten im 90-Grad-Winkel an den anderen Laster ran und warte darauf, dass Dieter mir sagt, dass ich einschlagen darf. „Weiter, weiter, weiter“, sagt er und ich frage bestimmt genauso oft „Jetzt einschlagen?“ Als er mir das Kommando dazu gibt, gehe ich schon vom Schlimmsten aus. „Ich fahre auf jeden Fall gleich hinten an die Ecke des anderen Lasters. Das kann nicht gut gehen“, denke ich, mache aber gehorsam, was Dieter mir gesagt hat. Und das Vertrauen lohnt sich. Natürlich fahre ich den anderen Laster nicht an, und Dieter freut sich, dass ich mich freue. Im Gegensatz zu mir ist er ohnehin die ganze Zeit die Ruhe selbst gewesen. „Und wann machst du die nächste Fahrstunde?“, fragt er mich, als der „junge Schwede“ also unbeschadet wieder auf seinem Parkplatz steht. „Wenn mir die Arbeit bei der Zeitung irgendwann mal keinen Spaß mehr machen sollte, kann ich ja umsatteln“, sage ich und lache (vor allem vor Erleichterung). „Die Aussichten sind ja gut.“ Und das nicht nur wegen der zwei Meter Höhe in der Fahrerkabine.

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