Landesfeuerwehrverband : Ralf Thomsen: Ein Rücktritt, der tief blicken lässt

Hat die Nase voll: Kreiswehrführer Ralf Thomsen hat sein Amt im Landesvorstand zur Verfügung gestellt.
Hat die Nase voll: Kreiswehrführer Ralf Thomsen hat sein Amt im Landesvorstand zur Verfügung gestellt.

Es herrscht dicke Luft zwischen den Feuerwehren des Landes und dem Landesfeuerwehrverband, einem Verein zur Vertretung ihrer Interessen.

shz.de von
10. Mai 2015, 09:57 Uhr

Manchmal dauert es etwas länger, bis ein Schwelbrand voll durchzündet. So auch in diesem Fall: Denn die letzte Zusammenkunft der Feuerwehren im Land liegt bereits zwei Wochen zurück. Aber erst jetzt zeigt sich die volle Zündkraft der vergangenen Landesfeuerwehrversammlung. Mit sofortiger Wirkung ist gestern der Ostholsteiner Kreisbrandmeister (KBM) Ralf Thomsen von seinem Vorstandsposten im Landesfeuerwehrverband zurückgetreten. Der Grund: eine demokratische Abstimmung auf besagter Versammlung.

Zwei Drittel der Delegierten hatten vor zwei Wochen dafür gestimmt, die Satzung des Landesfeuerwehrverbandes (LFV) dahingehend zu ändern, dass erstens die Altersgrenze für zu wählende Vorstandsmitglieder abgesenkt und zweitens in die Satzung aufgenommen wird, dass Vorstandsmitglieder abgewählt werden können. Beides geschah auf Antrag des Stormarner Kreiswehrführers Gerd Riemann.

Nun ist es aber so, dass die Versammlung in der Regel beschließt, was ihr von den Kreisfeuerwehrtagungen und dem Feuerwehraussschuss empfohlen wird. Der hatte jedoch geraten, dass die Änderungen an der Satzung nicht in diesem, sondern im nächsten Jahr durchgeführt werden sollten, nachdem diese unter anderem auf ihre juristische Haltbarkeit überprüft worden seien. Diese Empfehlung hatte der Ausschuss mit nur einer Gegenstimme beschlossen.

Die Delegierten folgten dem Ausschussrat jedoch überraschenderweise mit großer Mehrheit nicht. Darin sieht Thomsen den Vorstand des LFV nun auf „unakzeptable und vor allem unkameradschaftliche Weise vorgeführt“. Es habe ihn „menschlich sehr enttäuscht. Dieses stellt für mich eine unüberwindbare Hürde für die weitere vertrauensvolle Zusammenarbeit dar“, erklärte er gestern schriftlich.

Ein Paukenschlag. „Das tut weh“, sagt Christian Albertsen, Kreiswehrführer in Nordfriesland. Die Delegierten hätten entschieden. Wenn Thomsen ein guter Demokrat sei, müsse er dies akzeptieren. Dem stimmt sein Amtskollege aus dem Kreis Rendsburg-Eckernförde, Matthias Schütte, zu. Er findet Thomsens gestrige Erklärung „sehr anmaßend“. Es sei eine demokratische Entscheidung gewesen und Thomsen mache die Delegierten mit seinem Rücktritt und dessen Begründung im Grunde zu „Stimmvieh“.

Es habe einfach bei der Versammlung eine andere Grundlage für die Abstimmung gegeben. Vor dem Ausschuss hatte Riemann nur den Antrag auf Satzungsänderung gestellt, diesen aber nicht damit begründet, dass er selber in den Vorstand gewählt werden wolle und 2016 dafür zu alt sei. Dies hatte der Stormarner Kreiswehrführer erst bei der Landesversammlung erklärt. „Und das gab für alle wohl den Ausschlag, sich so zu entscheiden“, vermuten Albertsen wie auch Schütte. Warum er von diesem Argument zunächst nichts sagte, weiß Riemann heute selbst nicht.

Aber auch er weißt den Vorwurf Thomsens, dem Vorstand in den Rücken gefallen zu sein, von sich. Schließlich habe er sich mit seinem Antrag auf der Tagesordnung eintragen lassen. Für ihn ist der ganze Eklat ein Indiz dafür, dass die Feuerwehr-Basis unzufrieden mit dem LFV-Vorstand sei. Grund dafür sei der Ärger um die Feuerwehr-Kameradschaftskassen. Dem stimmt Frank Raether aus dem Kreis Steinburg zu: „Seitdem das Thema ist, stellt sich immer häufiger die Frage, ob die noch vernünftige Basisarbeit machen.“ Man höre immer häufiger: „Warum sind wir da eigentlich Mitglied?“ Schütte droht gar: „Der LFV vergisst, dass er ein Verein ist. Aus dem können die Mitglieder austreten, wenn sie unzufrieden sind.“ Der Verband habe sich in der Frage der Kameradschaftskassen zum „Lakaien der Landesregierung“ gemacht.

Das weißt der Vorsitzende des LFV Detlef Radtke scharf zurück. „Wir haben uns nie zum Lakaien gemacht und das lässt sich auch an zahlreichen Beispielen, unter anderem dem neuen Brandschutzgesetz, belegen.“ Er habe aber Verständnis dafür, dass das Thema Kameradschaftskassen mit einer „hohen Emotionalität“ behaftet sei. Und auch wenn er die umstrittenen Vorgänge auf der vergangenen Versammlung nicht nachvollziehen könne, so akzeptiere der Vorstand doch das Wahlergebnis. Und nehme zudem „das jetzt zum Signal. Sagt uns eure Kritik, aber bitte konkret und direkt.“

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