Am Strand und im Wasser : Quallenplage in Nord- und Ostsee – oder doch nicht?

Die Ohrenqualle sorgt derzeit am Strand von Wangerooge für Diskussionsstoff.

Die Ohrenqualle sorgt derzeit am Strand von Wangerooge für Diskussionsstoff.

An vielen norddeutschen Stränden tummeln sich zahlreiche der glitschigen Tiere. Schuld ist nicht der Klimawandel.

shz.de von
13. Juli 2018, 18:02 Uhr

Kiel | Bei 25 Grad und strahlendem Sonnenschein lockt das Meer mit einer kühlen Erfrischung, und dann plötzlich: Qualle! Manchmal liegen die glitschigen Nesseltiere, vor denen sich viele Menschen ekeln, auch schon am Strand herum und erfordern einen Slalom-Parcours, um ohne das Matsch-Geräusch beim Drauftreten ins Wasser zu gelangen.

Besonders extrem war das zuletzt auf der niedersächsischen Insel Wangerooge, wo aufgrund ungewöhnlicher Windverhältnisse Tausende Ohrenquallen gestrandet waren. Es war schon von einer Plage die Rede, sogar die Süddeutsche Zeitung berichtete darüber.

 

Ist der Klimawandel für das Phänomen verantwortlich? Gibt es einfach mehr Quallen in der Nord- und Ostsee?

Strömungen bringen Quallen an die Strände

„Das ist eine schwer zu beantwortende Frage. Es fehlen die Langzeitdaten, um das wirklich beantworten zu können. Quallen haben in der Wissenschaft lange ein Schattendasein gepflegt“, erklärt Cornelia Jaspers vom Helmholtz-Zentrum für Ozeanforschung in Kiel. Wenn sich so wie auf Wangerooge zahlreiche Quallen in Strandnähe oder sogar auf dem Strand befinden, sei das nicht weiter ungewöhnlich, sagt die Biologische Ozeanographin.

„Dieses Gebiet der Nordsee ist durch eine sehr stabile und starke Strömung charakterisiert. Dementsprechend ist es nicht verwunderlich, dass Quallen an die Strände gespült werden, wenn zum Beispiel stark auflandiger Wind vorherrscht.“

Das gelte nicht nur für die Nordsee, auch in der Ostsee seien aufgrund von Strömungen Quallenbewegungen zu sehen. „Unter bestimmten Bedingungen werden in der Ostsee zum Beispiel Feuerquallen aus dem Kattegat in die Kieler Bucht gedrückt und dort dann vermehrt gesichtet. Dies hat aber nichts damit zu tun, dass es generell mehr Feuerquallen gibt, sondern dass die Wind- und Wetterverhältnisse dazu geführt haben, dass man dort mehr Quallen sichtet.“

Übrigens: Werden Quallen an den Strand gespült und liegen dort für einen Tag in der Sonne, verschwinden sie fast komplett – sie bestehen zu 98 Prozent aus Wasser.

Gefräßiger Gast im Nord-Ostsee-Kanal

Wenn sich an einem Ort viele Quallen befinden, beweist das nicht eine generell größere Quallenpopulation. Außerdem sei der Sommer ohnehin die Hochsaison der Nesseltiere, betont die Expertin.

Gedanken macht sich Cornelia Jaspers über nicht heimische Quallenarten, die sich vermehrt in unseren Gewässern tummeln. Dazu zählt die Blackfordia virginica, die Biologen kürzlich im Nord-Ostsee-Kanal entdeckten. Das Problem: „Sie wird zwar nur etwa zehn Millimeter groß, kann aber sehr hohe Populationsdichten erreichen und frisst sogar Fischlarven“, weiß Jaspers.

Die Blackfordia virginica treibt im Nord-Ostsee-Kanal ihr Unwesen.
Cornelia Jaspers/Geomar

Die Blackfordia virginica treibt im Nord-Ostsee-Kanal ihr Unwesen.

 

Leuchtende Walnuss

Die Meerwalnuss ist eigentlich an der Nordostküste der USA zu Hause, taucht im Sommer aber auch in unseren Gewässern auf. Die ungefährliche Qualle ist bei Dunkelheit ein Hingucker: „Die Meerwalnuss leuchtet bei Dunkelheit. Dafür ist ein spezielles Bakteriensystem verantwortlich. Das ist wirklich spektakulär.“

Ebenfalls unbedenklich ist der Kontakt mit Ohrenquallen, die in Nord- und Ostsee am häufigsten vorkommen. Vorsicht ist natürlich vor der Feuerqualle geboten. Jaspers: „Man sollte sie nicht anfassen, da es zu Hautirritationen durch die Nesselgifte kommen kann.“

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