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Prozess in Lübeck : Prügel und Pfefferspray im Namen Allahs

vom
Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Weil sie eine Maklerin wegen eines Fotos malträtiert haben sollen, stehen zwei Konvertiten vor Gericht.

Lübeck | Konvertiten legen den Islam gerne oft besonders streng aus. So auch zwei Lübeckerinnen, die verhüllt mit einem Tschador spazieren gingen und dabei fotografiert wurden: Erst gab es Schläge, dann Tritte und am Ende eine Ladung Pfefferspray ins Gesicht.

Am Mittwoch wurde der Fall vor dem Lübecker Amtsgericht verhandelt. Auf der Anklagebank: Syrien-Rückkehrerin Maike G. (25) und ihre Bekannte Kristina C. (22). Im Gerichtssaal ziehen beide ihren Niqab, den Gesichtsschleier, unters Kinn, damit der Richter sie erkennen kann. Die Anklage wirft ihnen gefährliche Körperverletzung, Nötigung und Beleidigung vor.

Maklerin Elvira-Christine K. (51) aus Grevesmühlen (Mecklenburg-Vorpommern) hatte am 30. Januar 2016 ihr Smartphone gezückt, als sie in Lübeck an einer roten Ampel hielt. Der Staatsanwalt: „Die beiden Angeklagten liefen zum Wagen, rissen die Tür auf und zerrten die Zeugin aus dem Wagen, um ihr das Mobiltelefon abzunehmen und die Fotos zu löschen.“ In der Rangelei beschimpften sie die Maklerin als Hure, mit einem Fußtritt gegen den Brustkorb wurde sie zurück ins Auto befördert. „Einem zweiten Zeugen, der zur Hilfe kam, schlug die ältere der Angeklagten mit der Faust ins Gesicht, die jüngere sprühte ihm aus einem Meter Entfernung Pfefferspray in die Augen.“

Syrien-Rückkehrerin Maike G. (25), die ohne Anwalt zur Verhandlung gekommen ist, schweigt zu den Vorwürfen. Kristina C. (22) hat einen Verteidiger und – „Ich habe ein Aggressionsproblem“ – eine Betreuerin. Die Konvertitin, die in Russland geboren wurde und im Alter von sechs Jahren nach Deutschland kam, sagt: „Warum macht jemand Bilder von uns? Doch nur, um sich darüber lustig zu machen wie wir gekleidet sind.“ Dem Richter erklärt sie: „Mit Bildern kann man Zauber machen, das können Sie vielleicht nicht akzeptieren, aber im Islam ist es verboten.“ Deswegen sei die Sache eskaliert. Der Mann, der zur Hilfe gekommen sei, habe ebenfalls Fotos gemacht. „Das fand ich frech, aber das Pfefferspray hat ihn nicht wirklich getroffen. Weil es windig war, haben wir es abgekriegt.“ Dann sei auch schon die Polizei gekommen.

Im Zeugenstand berichtet Maklerin Elvira-Christine K.: „Ich habe ein Gebäude fotografiert, das mache ich oft. Plötzlich kamen die beiden Frauen und schrien ,Allahu Akbar‘ und ,töten, töten, töten‘.“ Sie bricht in Tränen aus: „Ich war in völliger Panik, dachte, gleich explodiert eine Handgranate und meine Tochter, die neben mir saß, ist tot.“ Über den Fußtritt sagt sie: „Ich weiß nicht, wie jemand so treten kann, ich bin ins Auto reingesegelt.“ Der Prozess wird am 12. Juli fortgesetzt.

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erstellt am 05.Jul.2017 | 20:45 Uhr

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