Provisorium im größten Sprengel

Amtsantritt vor vier Jahren: Im Herbst 2008 hat  Gerhard Ulrich (rechts) Gothart Magaard mit den Aufgaben des Schleswiger Bischofs  betraut – aber Bischof ist  er bis heute nicht.
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Amtsantritt vor vier Jahren: Im Herbst 2008 hat Gerhard Ulrich (rechts) Gothart Magaard mit den Aufgaben des Schleswiger Bischofs betraut – aber Bischof ist er bis heute nicht.

Schon seit vier Jahren lässt sich der Bischof für Schleswig und Holstein vertreten / Einen gewählten Nachfolger gibt es wohl erst im Sommer

shz.de von
07. November 2013, 07:55 Uhr

Mit Ausnahme von Lübeck, dem Herzogtum Lauenburg und einem schmalen Streifen um Hamburg untersteht das ganze nördlichste Bundesland dem bischöflichen Sprengel Schleswig und Holstein. Gut eine Million Kirchenmitglieder leben darin, mehr als in jedem anderen Sprengel der Nordkirche. Und trotzdem ist es am 6. November nun schon vier Jahre her, dass der mehr als 1000 Jahre alte Bischofssitz an der Schlei nur provisorisch besetzt ist. Zum Vergleich: Der nur 276 000 Gläubige schwache Nordkirchen-Sprengel Mecklenburg und Pommern ist gleich mit zwei vollwertigen Bischöfen in Schwerin und Greifswald gesegnet.

Zwar war das bis auf den wikingerzeitlichen Missionar Ansgar zurückreichende Schleswiger Bischofsamt 2008 mit der Wahl Gerhard Ulrichs durch die Nordelbische Synode besetzt worden. Doch da der mit den umfassenden Gründungsvorbereitungen für die Nordkirche betraut wurde, arbeitete Ulrich überwiegend vom Landeskirchenamt in Kiel aus und war vielfach im Osten unterwegs. Schleswig fungierte nur als Wohnsitz und seltene Predigtstätte. Seit diesem Juni nun ist Ulrich – mit Sitz in Schwerin – auch formell oberster Bischof für die gesamte, von der polnischen Grenze bis nach Sylt reichende Nordkirche. Für die Aufgaben des Sprengel-Bischofs führte Ulrich im November 2009 seinen langjährigen Weggefährten Gothart Magaard ins Amt ein. Erst als so genannten Bischofsbevollmächtigten, später als Bischofsvertreter. Alles zwar abgesegnet von einem demokratischen Synoden-Votum. Aber doch ohne Auswahl und Wahlkampf, wie sie bei der regulären Besetzung eines bischöflichen Amtes bei den Lutheranern Usus sind.

Mögen auch das goldene Kreuz an der Amtskette und die BMW-Dienstlimousine eine Nummer kleiner ausfallen als die des vormaligen „richtigen“ Schleswiger Bischofs – seitdem macht Magaard alles, was ein echter Bischof auch tut: die Dienstaufsicht über 600 Pastoren im Sprengel, die Vorbereitung von Propstwahlen in den Kirchenkreisen, Landeserntedankfest, Podiumsdiskussionen, Krisenmanagement nach Missbrauchsvorwürfen oder die Vertretung kirchlicher Interessen bei Landesregierung und Landtag wie etwa in Sachen Bäderregelung sind Beispiele aus der Palette seiner Tätigkeiten. Rüstzeug dafür bringt Magaard unter anderem als einstiger Leiter des Predigerseminars in Preetz und als Personalchef für Pastoren im Landeskirchenamt mit.

Ursprünglich hatten die Kirchen-Oberen versichert, das deutschlandweit einmalige Kuriosum solle längstens bis zur Wahl des obersten Nordkirchen-Bischofs dauern. Doch noch immer lässt man sich Zeit.

Immerhin gibt es seit kurzem einen Bischofs-Wahlausschuss für den Sprengel Schleswig und Holstein. Vorsitzender ist qua Amt der Präsident der Nordkirchen-Synode, der Sylter Grünen-Landtagsabgeordnete Andreas Tietze. Dass ist auch schon das einzige, was er bestätigen mag. Der äußerster Diskretion verhaftete Ausschuss muss der Nordkirchen-Synode mindestens einen Namensvorschlag präsentieren. Sie nimmt den eigentlichen Wahlakt vor. Es entscheiden also die Delegierten aus der gesamten Nordkirche, nicht der betroffene Sprengel allein.

Bei den Hauptamtlichen in der Nordkirche richtet man sich auf eine Schleswiger Bischofswahl zum späteren Frühjahr hin ein. Der Amtsantritt werde aber wohl erst im kommenden Sommer liegen.Gewählt wird für zehn Jahre. Dass es mindestens zwei Kandidaten geben wird, mag zwar keiner versprechen. Als sicher gilt, dass der Wahlausschuss dies zumindest versuchen wird. Schon allein, um Kritikern entgegenzukommen, die sich daran gestört hatten, dass es bei der Kür des Landesbischofs mit Ulrich nur einen Kandidaten und damit keine Auswahl gab. Eigentlich sind wenigstens zwei Alternativen Tradition.

Nachdem sich nun schon alle an Gothart Magaard gewöhnt haben, deutet vieles darauf hin, dass er nach der kommenden Wahl doch noch als wirklicher Bischof weitermacht. Dem Vernehmen nach hat der gut Trainierte sogar Angebote anderer Landeskirchen abgelehnt, dort als Bischof zu kandidieren.

Nach seinen eigenen Ambitionen gefragt, betont Magaard nur, dass ihm seine Arbeit große Freude bereite. Regelrecht ankündigen kann er eine Bewerbung für das Bischofsamt in Schleswig und Holstein nach Kirchenrecht auch gar nicht. Das Kirchenrecht kennt keine Bewerbung als Bischof. Ins Rennen kommen kann ein Aspirant allein auf Vorschlag des Wahlausschusses. Der muss den oder die Namen erst zehn Wochen vor dem Wahltermin nennen.

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