Interview im Video : „Projekt Island“: Drei Schleswig-Holsteiner drehen Doku über Massentourismus

<p>Die einzigartige Naturlandschaft Islands wird in Mitleidenschaft gezogen.</p>

Die einzigartige Naturlandschaft Islands wird in Mitleidenschaft gezogen.

Drei junge Dokumentarfilmer wollen zeigen, wie sich die jährlich steigenden Touristenzahlen auf Island auswirken.

shz.de von
12. Juni 2019, 11:23 Uhr

Seit der Finanzkrise 2008 boomt der Tourismus in Island mehr denn je: Auf zirka 335.000 Einwohner kamen im Jahr 2017 über zwei Millionen Touristen. Carlos Viering und Tom Köhn aus Kiel und Niklas Christensen aus Neumünster untersuchen im Juli und August diesen Jahres die Schattenseiten des Massentourismus und die Auswirkungen auf Einheimische und die Natur Islands.

<p>Carlos Viering, Niklas Christensen und Tom Köhn drehen im Sommer auf Island.</p>
Projekt Island

Carlos Viering, Niklas Christensen und Tom Köhn drehen im Sommer auf Island.

 
Als mir Carlos vergangenes Jahr nach seinem Urlaub vom Ausmaß des Tourismus und seiner Idee berichtete, eine Doku drehen zu wollen, war ich sofort dabei! Niklas Christensen

Die drei Schleswig-Holsteiner möchten erreichen, dass das eigene Handeln hinterfragt wird:

Unser Ziel ist es, auf emotionaler Ebene mit beeindruckenden Bildern auf die Problematik hinzuweisen und Leute zum Nach- und Umdenken anzuregen. Niklas Christensen

Einige profitieren vom Tourismus – andere leiden

Während wenige Einheimische stark vom Tourismus profitieren, indem sie beispielsweise ihre Wohnungen über AirBnb vermieten, können andere kaum noch die immer weiter steigenden Mieten bezahlen. Hotelbaustellen, Vandalismus und schlecht ausgebaute Infrastruktur spannen den Geduldsfaden vieler Isländer – wegen fehlender Toiletten folgen Erleichterungen auf Privatgrundstücken.

<p>Ein altes isländisches Dorf, das noch aus Holz gebaut wurde. Heutzutage wird mangels Bauholz häufig auf Aluminium zurückgegriffen.</p>
Projekt Island

Ein altes isländisches Dorf, das noch aus Holz gebaut wurde. Heutzutage wird mangels Bauholz häufig auf Aluminium zurückgegriffen.

 
Mit unzähligen Reisebussen fahren Menschenmassen zu Hotspots, machen ein paar Fotos und hinterlassen dann ihren Müll in der Natur. Carlos Viering
<p>Touristengruppen besuchen sehenswerte Orte der Insel.</p>
Thomas Nilsen/https://bit.ly/2H9f5Np

Touristengruppen besuchen sehenswerte Orte der Insel.

 
<p>Die Folge des Touristenansturms: Gehwege in der Natur werden zerstört.</p>
Mynd/Adolf Ingi Erlingsson/https://bit.ly/2HbHQZE

Die Folge des Touristenansturms: Gehwege in der Natur werden zerstört.

Nach etwa einem Jahr der Postproduktion soll die 45-minütige Doku als DVD und Download sowie als Buch und 2020 im Kino veröffentlicht werden. Die drei Produzenten freuen sich über die enorme Unterstützung sowie die Zusammenarbeit mit unter anderem Olaf Brinkmann (Studioleiter, FFH Fulda), Julia Meyer (Moderatorin, R.SH) und dem Komponisten Jan Heymel.

Eigene Erfahrungen führten zur Idee

Carlos Viering war selbst als Tourist auf Island unterwegs und ist dabei auf die steigende Zahl der Touristen und die damit verbundenen Auswirkungen auf die Insel aufmerksam geworden. Im Juli planen die drei Dokumentarfilmer für ihre Aufnahmen eine vierwöchige Tour über Island.

In meinen Augen ist das Projekt einzigartig, weil sich noch niemand dieser Thematik auf einer persönlichen und emotionalen Ebene angenommen hat. Niklas Christensen

Das Projekt bekommt finanzielle Unterstützung der Filmförderung Schleswig-Holstein und Hamburg (Filmwerkstatt Kiel) sowie weiterer gewerblicher Sponsoren. Auf dem Blog der drei Nachwuchsdokumentarfilmer und über ihr Profil auf Instagram unter dem Namen „projektisland“ kann man die Filmtour im Juli mitverfolgen.

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