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Weitere Fälle in SH : Profidiebe machen Jagd auf Tannenbäume

vom
Aus der Redaktion des Holsteinischen Couriers

In Schleswig-Holstein nimmt der Diebstahl von Weihnachtsbäumen eine neue Dimension an: Nach mehreren Fällen in Flensburg meldet ein Gut im Kreis Plön nun 300 Nordmanntannen als gestohlen. Und es gibt weitere Opfer.

shz.de von
erstellt am 18.Dez.2013 | 00:34 Uhr

Stolpe/Glasau | Der Diebstahl von Weihnachtsbäumen im großen Stil macht in Schleswig-Holstein offenbar Schule. Erst in der Nacht zu Montag wurden in Flensburg mindestens 40 Bäume von Händlern entwendet. Nicht der erste Fall – vor wenigen Tagen erbeuteten Unbekannte 300 Nordmanntannen im Wert von 6000 Euro auf dem Gelände von Gut Depenau in Stolpe (Kreis Plön).

Die Täter kamen nachts, vermutlich mit einem 7,5-Tonnen-Lkw. Einen Schlagbaum des Zufahrtsweges zur Tannenbaumkultur zogen sie mit Hilfe des Lkw gewaltsam beiseite. Dann schnitten sie ein Loch in den Schutzzaun und luden die bereits für den Verkauf in Netze verpackten und gekennzeichneten Bäume auf, bevor sie unerkannt im Dunkel verschwanden. Bereits zwei Wochen zuvor waren an gleicher Stelle 50 Tannen entwendet worden. „Wir dachten dann eigentlich, das Thema hat sich damit erledigt“, sagt Andreas-Arno Schmidt von der Gutsverwaltung. Bislang seien pro Jahr vielleicht vier, fünf Bäume abhanden gekommen. „Da können wir mit leben. Aber in dieser Dimension ist das neu, das nimmt ja kriminelle Züge an, da hört der Spaß auf.“

Schmidt ist nicht das einzige Opfer. „Bei uns sind rund 160 Bäume entwendet worden“, berichtet Dirk Jungjohann von der Gutsverwaltung Glasau im Kreis Segeberg. Erst beim Abholzen habe man den Diebstahl tief innerhalb der Tannenbaumkultur bemerkt, weil überall schon frische Stümpfe zu sehen waren. „Das ist bei uns in dieser Größenordnung zum ersten Mal passiert, normal sind ein paar Bäume pro Jahr“, weiß auch Jungjohann aus seiner Erfahrung.

„Wir können froh sein, dass bei uns nichts passiert ist“, sagt Axel-Werner Graf von Bülow, Vorsitzender der Arbeitsgemeinschaft Schleswig-Holsteinischer Weihnachtsbaumproduzenten, der selbst in Kühren (Kreis Plön) auf 8000 Hektar Nordmanntannen züchtet. „Solche Bäume stellen einen Wert dar. Die Rahmenbedingungen sind meistens so, dass niemand einen Diebstahl sieht, und das wird jetzt ausgenutzt.“ Ein großes Problem sei, dass die Bäume nicht versichert sind.

Während es beim Landeskriminalamt keinerlei Erkenntnisse über die Hintergründe der Tannenbaumdiebstähle gibt, vermutet Andreas-Arno Schmidt professionelle Täter aus dem osteuropäischen Raum. „Die Nordmanntanne ist als robust und nadelfest sehr begehrt, es hat sich ein Riesenmarkt aufgebaut.“ Deutschland und Dänemark seien Hauptproduzenten, der Markt hier aber zu klein, während es gerade im Osten großen Bedarf an Bäumen gebe und hohe Preise zu erzielen seien.

Graf von Bülow will im nächsten Jahr zusammen mit seinem Nachbarn Schmidt auf einen Wachdienst setzen, um sich vor dem Tannenbaumklau zu schützen. „Es reicht ja vielleicht schon, wenn da nachts hin und wieder jemand mit dem Auto seine Runden dreht, das stört potenzielle Diebe“, hofft er.

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