zur Navigation springen

Salat, Zucchini, Brokkoli : Preise für Gemüse explodieren

vom
Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Schlechtes Wetter vernichtet einen Großteil der Ernte in Südeuropa. Um die knappe Ware gibt es ein Wettrennen.

Kiel | Ob Wirsing-Eintopf, deftiger Grünkohl oder Möhrengemüse – norddeutsche Hausmannskost ist derzeit noch bezahlbar. Bei Salat, Zucchini und Brokkoli sieht das ganz anders aus. Alles, was jahreszeitbedingt aus Südeuropa importiert werden muss, ist so teuer, dass die meisten Kunden im Supermarkt einen großen Bogen darum machen. „Die Preise explodieren förmlich“, erklärt Gudrun Köster von der Verbraucherzentrale Schleswig-Holstein. Der Eisbergsalat kostet derzeit selbst beim Discounter 2,50 Euro – mehr als viermal so viel wie vor einem Jahr. Zucchini wird mit bis zu neun Euro pro Kilo gehandelt, im Januar 2016 war das Kürbisgewächs noch für zwei Euro das Kilo zu haben.

Grund für den Preisanstieg: Das Wetter hat den mediterranen Gemüsebauern die Ernte „verhagelt“. In Süditalien brachen die Leichtbau-Gewächshäuser aus Plastikfolie unter der Last des Schnees zusammen, mit dem dort niemand rechnet. Und in Spanien ertranken junge Brokkolipflanzen im Sturzregen. Anschließend war es so kalt, da mickerte sogar der Eisbergsalat.

„Dass es gleich den ganzen Mittelmeerraum trifft, habe ich in meinem 40-jährigen Berufsleben noch nie erlebt“, staunt Rüdiger Kupak, alteingesessener Gemüseimporteur auf dem Hamburger Großmarkt. In der Vergangenheit sei wegen Schlechtwetter mal Spanien, mal Italien als Lieferant ausgefallen, aber nie der komplette Süden.

Laut Kupka ist zwischenzeitlich ein Wettrennen um die knappe Ware ausgebrochen. „Die großen Ketten sind mit ihren Lastern runter gefahren und haben die wenigen Salatfelder, die noch übrig geblieben sind, aufgekauft“. Doch damit sei jetzt auch Schluss. „Nun wird neu gepflanzt, und die begehrten Gemüsesorten müssen nachwachsen. Das kann dauern“. Bis sich die Preise erholen, wird es mindestens noch vier bis sechs Wochen dauern, so Kupaks Prognose. „Bis dahin weichen die Kunden auf Tiefkühlkost und Konserven aus“, vermutet er. „Wir merken eine deutliche Kaufzurückhaltung“.

Für Ernährungswissenschaftler Köster ist die Verknappung mediterraner Gemüsesorten zwar bedauerlich, aber kein Beinbruch. „Es gibt genügend Alternativen, mit denen genauso gesunde und schmackhafte Salate zubereitet werden können“. Zum Beispiel aus Möhren, Roter Beete, Sellerie, Chinakohl oder Chicoree. „Das ist heimische Lagerware, die nicht teurer ist als im Vorjahr – teilweise sogar günstiger“, erklärt die Verbraucherschützerin. Und natürlich könne man beim Kochen auch auf Tiefkühlware zurückgreifen.

Die Inflationsrate, die im Januar bereits mit 1,9 Prozent auf ein Vier-Jahres-Hoch kletterte, wird durch das schlechte Gemüsewetter wohl weiter ansteigen.

zur Startseite

von
erstellt am 08.Feb.2017 | 20:36 Uhr

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Kommentare

Leserkommentare anzeigen