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Villekula-Tour 2016 : Postkarten aus Europa: Das berichtet Kevin Mischker von seiner Tour für den guten Zweck

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Kevin Mischker aus Flensburg radelt 1400 Kilometer und verschickt Postkarten an Spender von seiner Tour. Da er schneller ist als geplant, hängt er einfach noch ein paar Kilometer dran.

shz.de von
erstellt am 18.Mai.2016 | 17:32 Uhr

Flensburg | Von Antwerpen nach Stuttgart radeln - und das ganze für einen guten Zweck. Seit dem 5. Mai ist Kevin Mischker schon in halb Europa unterwegs und sammelt Geld für das Gartenprojekt Villekula in Flensburg. Und weil er seinem Zeitplan voraus ist, hat er spontan die Strecke von Stuttgart nach Kassel drangehängt.

Am Mittwochmittag erwischen wir Kevin rund 80 Kilometer vor Marburg. Es ist der elfte Tag seiner 14-tägigen Radtour. Von Amsterdam ging es am 5. Mai los, über Antwerpen, Namur, Luxembourg, Metz und Strasburg schließlich nach Stuttgart.

„Ich war früher in Stuttgart als geplant und mit der ursprünglichen Route drei Tage vorher fertig“ , sagt Mischker. Spontan habe er daher beschlossen, bis nach Kassel weiterzufahren. „Dann habe ich die 14 Tage voll.“

Wenn er dann am Samstag an seinem Ziel ankommt, hat er 1.400 Kilometer in zwei Wochen hinter sich.  Durchschnittlich ist er 115 Kilomter am Tag geradelt. Die härteste Etappe war am Dienstag im Schwarzwald. „Ich habe siebeneinhalb Stunden im Sattel gesessen, 2000 Höhenmeter überwunden und dabei 3500 Kalorien verbraucht“, sagt Mischker.

Aber das war nicht das Schlimmste: „Das Wetter war nicht auf meiner Seite.“ In Frankreich und Deutschland war Regen sein ständiger Begleiter. „Ich bin froh, dass ich nicht krank geworden bin,“sagt er. Teilweise war es so kalt, dass Mischker seinen Atem sehen konnte. „Ich hatte alles an, was ich mit hatte“ - das waren vier Oberteile, davon zwei Shirts und zwei Jacken.

Geholfen hat dabei auch das intensive Training. „Ich haben den ganzen Winter trainiert, teilweise bei Minus sieben Grad.“ Und das machte sich auf der Spendentour bemerkbar. Nur einmal habe er etwas Muskelkater gehabt. Regelmäßiges Essen sei wichtig. „Ich mache jede Stunde eine kleine Pause und esse Nüsse und Bananen.“ Einmal am Tag muss es aber etwas Warmes sein - gern  eine Spezialität des jeweiligen Landes.  In Deutschland gab es Käsespätzle, in Belgien Pommes und in Frankreich dann doch ganz untypisch Döner.

Vor vier Monaten stand fest, dass Kevin Mischker die Spendentour fahren würde. Wie kam er zu Villlekula, dem Projekt aus Flensburg, das Gartenprojekte für Kinder und Jugendliche anbietet?  „Ich kenne die Gründerin Tjorven Reisener“, sagt Mischker. Er wollte eigentlich sieben Tage mit einem Kollegen durch Deutschland radeln, doch der wurde krank. So wurden es dann die zwei Wochen für Villekula. Für die Tour hat Mischker sich Urlaub genommen.

Die Idee: Menschen spenden Geld und dafür bekommen sie eine handgeschriebene Postkarte von unterwegs. Über 50 Karten sind es geworden. „Einige wollten Karten aus ganz bestimmten Ländern. Dem Wunsch bin ich gern nachgekommen,“ verrät er. „Jede Postkarte ist ein Unikat. Ich wollte, dass sich die Empfänger angesprochen fühlen und habe daher versucht, jedem eine kleine Message mit auf den Weg zu geben.“

Sein schönster Moment war am 9. Mai. „Es war 30 Grad warm und ich war gerade in Belgien. Ich habe mich auf eine Bank gelegt und in den Himmel und zu einem Baum hoch geguckt. Im Hintergrund hörte ich Kinder Verstecken spielen. Das war ein geiler Moment“, so Mischker.

Das schlimmste Erlebnis hatte der Spenden-Radler in Frankreich, als er nachts um 22 Uhr vor einem verschlossenen Campingplatz stand. Es war kalt, nass und dunkel. Über das Handy war in 15 Kilometer Entfernung ein neuer Platz gefunden. „Aber die wollten mich nicht mehr reinlassen. Ich war acht Stunden gefahren und wollte nur noch schlafen.“ Nach zehn Minuten Diskussion auf deutsch und englisch gab es aber ein Happy End für Mischker.

Ob er die Tour noch einmal fahren würde? „Ja, ich würde es noch einmal machen, aber dann nicht durch Nordfrankreich. Da bin ich 150 Kilometer am Tag gefahren und habe keinen anderen Radler gesehen. Das war komsich.“

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