Abgewählte Küstenkoalition : Posten und Pensionen – das Kabinett Albig ist „versorgt“

Mit Torsten Albigs Einstieg beim Paketdienstleister DHL haben alle ehemaligen Regierungsmitglieder einen neuen Job – ein Überblick.

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07. Dezember 2017, 16:00 Uhr

Kiel/Brüssel | Aus der Regierungslimousine in den Pakettransporter – ein halbes Jahr nach seiner Wahlniederlage heuert Torsten Albig (SPD) bei der Post-Tochter DHL an. „Herr Albig übernimmt zu Beginn des nächsten Jahres als Vice President Corporate Representation Brussels die Leitung unserer Konzernrepräsentanz in Brüssel“, bestätigte Konzernsprecher Dirk Klasen gegenüber shz.de. Der Ex-Regierungschef zieht sofort in die belgische Hauptstadt um, der Rest der Familie folgt nach den Schulferien, so Albig am Mittwoch.

Damit sind alle ehemaligen Regierungsmitglieder der abgewählten Küstenkoalition „versorgt“. Probleme mit einer Karenzzeit für den Wechsel aus der Politik in die Wirtschaft hat niemand aus dem Kabinett Albig. Das beschloss zwar eine 24-monatige Sperrfrist, in der ausgeschiedene Ministerinnen und Minister der Landesregierung anzeigen müssen, welchen neuen Job sie annehmen wollen. Bei eventuellen Interessenkonflikten entscheidet dann ein Gremium, ob ein Wechsel innerhalb der zwei Jahre möglich ist. Allerdings gilt diese Reglung erst für Mitglieder der Regierung von Daniel Günther (CDU).

Der Lobbyist

Torsten Albig. /Archiv
dpa

Torsten Albig. /Archiv

 

Torsten Albig führte die Koalition aus SPD, Grünen und SSW von 2012 bis 2017. Vor seiner Zeit als Ministerpräsident war der SPD-Politiker drei Jahre lang Kieler Oberbürgermeister sowie Sprecher mehrerer Bundesfinanzminister und Konzernsprecher der Dresdner Bank in Frankfurt. 2016 hatte sich Albig nach 27 Jahren Ehe von seiner Frau getrennt. Mit ihr hat er zwei Kinder. Er zog zu seiner neuen Lebensgefährtin Bärbel Boy, die drei Kinder hat. Im Wahlkampf sorgte ein Interview für Schlagzeilen, in dem Albig die Trennung von seiner Gattin mit den Worten begründete, sie hätten sich kaum noch auf Augenhöhe ausgetauscht. Sie sei in der Rolle als Mutter und Managerin des Haushalts gefangen gewesen, während er ständig unterwegs war. Führende Sozialdemokraten gaben später Fehlern wie diesem die Schuld an der Wahlniederlage. Albig trat daraufhin von allen Ämtern zurück und nahm auch sein Landtagsmandat nicht an. Ab 1. Januar vertritt er die Interessen des Postdienstleisters DHL bei der EU.

Die Seitenwechslerin

Kristin Alheit (SPD). /Archiv
Markus Scholz/dpa
Kristin Alheit (SPD). /Archiv
 

Kristin Alheit verhandelte als Sozialministerin mit den Sozialverbänden über Sicherungssysteme, Gesundheits- und Pflegepolitik. Seit dem 1. Oktober ist sie nun Geschäftsführerin des Paritätischen Wohlfahrtsverbandes Hamburg. Vor ihrem Ministeramt war die 49-jährige Sozialdemokratin und Juristin unter anderem Bürgermeisterin in Pinneberg und Referentin in der Hamburger Finanzbehörde. Der Paritätische Wohlfahrtsverband Hamburg zählt zu den Spitzenverbänden der freien Wohlfahrtspflege, zu ihm gehören über 1000 soziale Einrichtungen und Dienste.

Der Rückkehrer

Reinhard Meyer
MWAVT
Reinhard Meyer. /Archiv
 

Reinhard Meyer, von Sommer 2012 bis Sommer 2017 Wirtschaftsminister im Kabinett Albig, wird wieder Chef der Schweriner Staatskanzlei. „Er ist aus seiner Zeit als Minister und durch seine Tätigkeit als Präsident des Deutschen Tourismusverbandes bundesweit hervorragend vernetzt“, begründete die Ministerpräsidentin von Mecklenburg-Vorpommern, Manuela Schwesig, die Rückholaktion. Der 58-jährige SPD-Politiker war bereits zwischen 2006 und 2012 Chef der Schweriner Staatskanzlei und davor Staatssekretär im Wirtschaftsministerium.

Der Spaziergänger

Stefan Studt
dpa
Stefan Studt. /Archiv
 

Stefan Studt ist Lebenszeit-Beamter der schleswig-holsteinischen Finanzverwaltung, war zuletzt Leiter der Steuerabteilung im Finanzministerium. Mit der Bildung des Kabinetts Albig wurde er 2012 Staatssekretär und Chef der Staatskanzlei sowie Bevollmächtigter des Landes Schleswig-Holstein beim Bund. Als Andreas Breitner 2014 als Innenminister zurücktrat, wurde Studt dessen Nachfolger. Nach der Landtagswahl versetzte die neue Landesregierung den 56-Jährigen in den Ruhestand.

Die (Un-)Ruheständlerin

Anke Spoorendonk. /Archiv
Michael Staudt

Anke Spoorendonk. /Archiv

 

Anke Spoorendonk war die erste Ministerin des Südschleswigschen Wählerverbandes (SSW). Die heute 70-Jährige hatte schon vor der Wahl ihren Ausstieg aus der Politik angekündigt. Spoorendonk hat zwei Kinder und sechs Enkel. „Es ist der richtige Zeitpunkt für den Rückzug“, sagt sie. Heute genießt sie Konzerte nicht als zuständige Ministerin, sondern als Rentnerin.

Die Nachrückerin

Britta Ernst. /Archiv
Axel Schön

Britta Ernst. /Archiv

 

Britta Ernst (SPD) war von 2014 bis 2017 Bildungsministerin in Kiel. Die Ehefrau des Hamburger Ersten Bürgermeisters Olaf Scholz war zuvor Mitglied in der Bürgerschaft der Hansestadt. Seit 28. September dieses Jahres ist Ernst wieder Ministerin für Bildung, Jugend und Sport, wieder als Nachrückerin für ein während der Legislatur ausgeschiedenes Regierungsmitglied – diesmal in Brandenburg. Dort folgte sie auf Günter Baaske, der aus privaten Gründen auf sein Amt verzichtete.

Die Ausgeschiedenen

Britta Ernst. /Archiv
Carsten Rehder/dpa
Waltraud „Wara“ Wende. /Archiv
 

Waltraud „Wara“ Wende wurde nach Korruptionsvorwürfen von Albig im September 2014 zum Rücktritt vom Amt der Bildungsministerin gedrängt. Die Ermittlungen wurden später eingestellt. Die heute 60-jährige Literaturwissenschaftlerin lebt als Beamtin im Ruhestand in Berlin. Ebenfalls im September 2014 trat Innenminister Andreas Breitner (SPD) von sich aus zurück und wechselte als Direktor zum Verband norddeutscher Wohnungsunternehmen.

Die Sitzenbleiber

Monika Heinold und Robert Habeck. /Archiv
dpa

Monika Heinold und Robert Habeck. /Archiv

 

Monika Heinold und Robert Habeck (Grüne) gehörten als Finanzministerin und Umweltminister bereits in der Küstenkoalition dem Kabinett an. Nach dem Wechsel zu Jamaika behielten beide ihre Ressorts.

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