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Gestiegene Verkaufs- und Unfallzahlen : Polizei fordert Kurse für E-Bike-Fahrer

vom
Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Die Zahl der Verletzten nach Unfällen ist binnen eines Jahres um 43 Prozent gestiegen. Grund ist die neue Beliebtheit der schnellen E-Bikes.

shz.de von
erstellt am 01.Mai.2016 | 19:11 Uhr

Die Landespolizei warnt Fahrer vor dem ungeübten Benutzen von E-Bikes. „Jeder sollte sich klar machen, dass das ein neues technisches Gerät ist, mit dem man sich erst vertraut machen sollte, bevor man in den Sattel steigt“, sagt Stephan Steffen, Präventionsbeamter des Landespolizeiamtes in Kiel. Mit dem steigenden Absatz der Räder mit Elektromotor steigt auch die Zahl der Unfälle.

E-Bikes sind schneller unterwegs als Fahrräder ohne Elektroantrieb. Deshalb ist beim Fahren besondere Vorsicht geboten - sonst können im Straßenverkehr schnell Unfälle passieren.

In Schleswig-Holstein ist die Zahl der Unfälle mit E-Bikes, bei denen Menschen verletzt wurden, von 2014 auf 2015 um 42 Prozent auf 199 geklettert. Die Zahl der Verunglückten hat in diesem Zeitraum um 43 Prozent auf 209 zugenommen. „Und das sind nur die Unfälle, die uns gemeldet werden“, sagt Steffen. Crashs, bei denen niemand verletzt werde, würden oft gar nicht bei der Polizei registriert.

Deutschlandweit gab es 2015 laut Statistischem Bundesamt sogar 33,3 Prozent mehr Pedelec-Unfälle mit Verletzten. Damit nimmt die Zahl dieser Unfälle proportional stärker zu als die Zahl der verkauften E-Bikes. Wurden 2009 in Deutschland noch 150.000 E-Bikes verkauft, waren es 2014 schon 480.000. Im vergangenen Jahr stieg die Zahl auf den neuen Rekordwert von 535.000. Rund 95 Prozent der verkauften E-Bikes waren Pedelecs, bei denen der Fahrer selbst treten muss, aber von einem Elektromotor unterstützt wird.

65 Prozent der Unfälle mit Pedelecs im Norden würden von Senioren verursacht, sagt Präventions-Polizist Stephan Steffen. Das liege nicht unbedingt daran, dass Senioren generell unsicher führen, sondern daran, dass immer mehr Senioren bis ins hohe Alter aktiv seien und überproportional E-Bikes nutzen, so der Polizist. Im Alter nehmen aber Erkrankungen zu, manche Senioren reagierten langsamer, erfassten komplexe Verkehrslage nicht mehr so schnell wie früher. „Das ist das gleiche wie bei älteren Autofahrern.“

Die Unfallgefahr gerade in Städten sei hoch, sowohl bei E-Bikes wie bei normalen Rädern, meint Steffen. Davon seien nicht nur Senioren betroffen, denn die Nachfrage nach E-Bikes steige gerade unter jüngeren Kunden immer weiter an, erklären mehrere Fachhändler auf Nachfrage. „Dass nur Senioren E-Bikes fahren, ist ein Gerücht“, sagt Steffen.

Dass Fahrkurse nötig sind, steht für ihn außer Frage. „Das ließe sich aber nur umsetzen, wenn alle Beteiligten zusammenarbeiten und man an alle Händler herantritt.“ Der Bedarf sei groß, die Nachfrage ist es aber wohl nicht. Der ADAC habe einmal einen E-Bike-Fahrkursus angeboten, sagt Steffen. Der Allgemeine Deutsche Fahrradclub (ADFC) hat keinen im Angebot und der Autoclub Europa hat sein Angebot eingestellt – mangels Interesse.

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