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Nord-Parteien zur Europawahl : Zwischen Hochgefühl und Halbmast

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Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Die Nord-CDU ist trotz Verlusten stärkste Kraft, die SPD gegenüber dem ihrem Europa-Desaster vor fünf Jahren deutlich erholt, die Grünen stabil, die FDP am Boden.

shz.de von
erstellt am 25.Mai.2014 | 19:33 Uhr

Kiel | Schleswig-Holstein lag bei der Europawahl gestern im Bundestrend. Mit CDU-Mann Reimer Böge, der SPD-Frau Ulrike Rodust (64) und der AfD-Kandidatin Ulrike Trebesius werden erneut drei Abgeordnete das Land in Brüssel und Straßburg vertreten. Die Stimmung nach dem Urnengang für Europa schwankte zwischen Jubel und Halbmast.

„Als einzig verbliebene Volkspartei, die fest im Lande verankert ist, wollen wir den Abstand zur SPD von der Wahl 2009 halten,“ hatte CDU-Landeschef Böge vor der Europawahl als Ziel ausgegeben. Das waren damals satte 9,3 Prozent. Ganz so dicke kam es nicht: Die Nord-Union büßte 3,5 Prozent ein, lag nach vorläufigem amtlichen Endergebnis mit 34,4 Prozent noch gut zwei Punkte vor der SPD. „Ein bisschen mehr“ hätte sich die Union schon erwartet, sagte Böge. Seit einem Vierteljahrhundert ist der 62-Jährige in Europa „zu Hause“. Als Spitzenkandidat in Schleswig-Holstein galt der Wiedereinzug ins EU-Parlament als sicher. Ob er die volle Wahlperiode dort bleibt, ist allerdings offen. Nicht ausgeschlossen ist, dass Böge bei der Landtagswahl 2017 als CDU-Kandidat für das Amt des Ministerpräsidenten antritt.

SPD-Partei- und Fraktionschef Ralf Stegner zeigte sich erfreut. „Spürbar verbessern“ wollte Stegner das Ergebnis der Wahl 2009. Vor fünf Jahren, auch damals schon mit Stegner an der Landesparteispitze, hatte die SPD mit 24,6 Prozent ihr schlechtestes Ergebnis aller Zeiten geholt. Dass die Bundespartei damals bei nur 20,8 Prozent hängen blieb, war da kein Trost.

Gestern kam die Nord-SPD nach dem vorläufigen Endergebnis auf 32 Prozent, ein Zuwachs von acht Prozent. Sichere Bank für Rodust war der Platz 12 auf der Bundesliste der SPD. Die gelernte Restaurantfachfrau will weiter auf ihrem Fachgebiet der Fischerei arbeiten.

„Sehr zufrieden“ gaben sich die Nord-Grünen über ihre 12,4 Prozent. Das sind zwar 1,1 Prozent weniger als beim letzten Mal. Nach der Schlappe bei der Bundestagswahl aber zeige der Trend wieder nach oben, sagte Landeschefin Ruth Kastner: „Wir sind jetzt dritte Kraft und können gestärkt grüne Politik machen“.

Halbmast dagegen erneut bei der FDP. Von einem Mist-Ergebnis sprach Landeschef Heiner Garg, „hundsmiserabel“ nannte Fraktionschef und Bundesparteivize Wolfgang Kubicki das Resultat. Dürre 3,7 Prozent gab’s in Schleswig-Holstein. 12,7 Prozent waren es vor fünf Jahren.

Sogar die Linke liegt mit 4,5 Prozent darüber. Garg wie Kubicki hatten nach dem Aus bei der Bundestagswahl mit einer Erholung auf mindestens fünf Prozent gerechnet. Es liege wohl noch „extrem harte Arbeit“ vor den Liberalen, potenzielle FDP-Wähler davon zu überzeugen, dass sich die Partei seit der Bundestagswahl auch „inhaltlich runderneuert“ habe, sagte Garg. Das Aus markiert das Ergebnis für die Europaabgeordnete Britta Reimers (42), die es 2009 mit Platz 12 knapp schaffte. Diesmal reichte auch der für Liberale sonst noch aussichtsreiche Platz sechs nicht.

Dass die Piraten bundesweit immer einen Sitz im EU-Parlament holten, war für Landeschef Sven Stückelschweiger nur ein „schwacher Trost“ . Weit über drei Prozent hatte der Fraktionsvorsitzende der Freibeuter im Landtag, Torge Schmidt, als realistisch eingeschätzt. Gerade die Hälfte davon kam zusammen.

Hochgefühl dafür bei der AfD: Sie ist jetzt mit der im Lande bisher weithin unbekannten Ulrike Trebesius im Europaparlament vertreten. Platz sechs der Bundesliste reichte für das letzte der sechs Mandate, die die AfD bundesweit holte. In Schleswig-Holstein legte die „Alternative für Deutschland“ gegenüber der Bundestagswahl auf 6,8 Prozent zu.

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