Projekt Bildung : Zum Schulstart 300 neue Lehrerstellen

Für 15 Millionen Euro Kosten will Bildungsministerin Wende neue Lehrer für alle Schularten einstellen. Gestrichen werden soll beim Vertretungsfond. Foto: dpa
Für 15 Millionen Euro Kosten will Bildungsministerin Wende neue Lehrer für alle Schularten einstellen. Gestrichen werden soll beim Vertretungsfond. Foto: dpa

Es war eins der wichtigsten Versprechen der SPD im Wahlkampf: eine bessere Unterrichtsversorgung. Bildungsministerin Waltraud Wende will jetzt neue Lehrer einstellen.

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04. August 2012, 10:16 Uhr

Kiel | Wenn am Montag in Schleswig-Holstein die Schule wieder anfängt, sitzen landesweit rund 5500 Schüler weniger in den Klassenräumen als im vergangenen Schuljahr. Trotzdem gibt es mehr Lehrkräfte. "Wir halten Wort und sorgen für eine bessere Unterrichtsversorgung", kündigte Bildungsministerin Waltraud Wende (parteilos) am Donnerstag in Kiel an. Dafür will sie 300 zusätzliche Pädagogenstellen einrichten. Kostenpunkt: 15 Millionen Euro. Die Vorgängerregierung hatte diese Stellen wegen rückläufiger Schülerzahlen gestrichen.
180 neue Pädagogen kommen sofort, um in den Gemeinschaftsschulen den von Schwarz-Gelb gekürzten Differenzierungsunterricht zu erteilen - fünf Stunden pro Woche statt drei. Das Geld kommt aus dem Topf für Vertretungsstunden, der auf zwölf Millionen Euro halbiert wird. Weitere 120 Stellen sollen bis Februar an den Schulen geschaffen werden, "wo es am meisten brennt". Langfristig will Wende 400 weitere Planstellen im System belassen. Rein rechnerisch werden 1400 Lehrerstellen bis 2017 frei. Nach dem Willen der Küsten-Ampel soll die eine Hälfte der "demografischen Rendite" - laut Wende "ein zynisches und erbärmliches Unwort", so lange Schüler ohne Abschluss ins Leben gehen - im Bildungssystem bleiben, die andere in die Haushaltskonsolidierung fließen.
Kritik kam von der Opposition
Ein schlüssiges Konzept, wie sie den Unterrichtsausfall bekämpfen will, habe sie noch nicht, räumte Wende ein: "Wir sind erst 50 Tage im Amt". Zudem sei das Problem allein durch Stellenvermehrung nicht behoben, da es Lehrermangel in den Naturwissenschaften gibt. Selbst der Vertretungsfonds sei regional nicht überall ausgeschöpft worden. Insofern sei dessen Verdoppelung von 12 auf 24 Millionen Euro - wie von Schwarz-Gelb zuletzt beschlossen - "der falsche Weg". Zumal Pädagogen für Vertretungsstunden nur befristet eingestellt wurden. "Wir dürfen Lehrer, die hochqualifizierte Experten sind, nicht wie Leiharbeiter behandeln", kritisierte Wende.
In den nächsten Tagen werden im Norden 22.500 Abc-Schützen eingeschult, knapp 500 weniger als im Vorjahr. Die Gesamtschülerzahl sinkt auf 395.500, weil geburtenstarke Jahrgänge abgehen. Gleichzeitig erhöht sich das Ganztagsangebot. 491 der 805 Schulen im Norden bieten nachmittags Erziehungs- und Bildungsarbeit an. Das Angebot soll weiter ausgebaut werden. Wende spricht sich jedoch dagegen aus, langfristig aus allen Schulen Ganztagsschulen zu machen: "Ich möchte Pluralität und eine Vielzahl unterschiedlicher Schulformen." Kritik kam von der Opposition: "Die Gemeinschaftsschulen würden bevorzugt", sagt CDU-Bildungsexpertin Heike Franzen .

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