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Studienleiter des IQSH : Zu viel Arbeit: Lehrerin klagt gegen das Land

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Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Experten kritisieren das Arbeitszeitmodell in der Aus- und Fortbildung. Eine Studienleiterin reichte eine Normenkontrollklage ein.

Kiel | Weil sie als Studienleiterin nach einem neuen Arbeitszeitmodell 25 Prozent mehr arbeiten muss – und dafür nach eigenen Angaben keinen ausreichenden Ausgleich erhält, hat eine Lehrerin aus Kiel eine Normenkontrollklage beim Verwaltungsgericht eingereicht. „Die Arbeitszeiten und umstände haben sich drastisch verschlechtert“, sagt Angela Grählert, die Landesvorsitzende des Bundesarbeitskreises der Seminar- und Fachleiter (BAK) ist. Die rund 340 Studienleiter, wie die Lehrerausbilder heißen, seien massiv überlastet, frustriert und verließen in großer Zahl das Institut für Qualitätssicherung an Schulen in Schleswig-Holstein (IQSH).

Rund drei Viertel der Studienleiter unterrichten gleichzeitig an Schulen, sind nur für eine gewisse Stundenzahl ans IQSH „ausgeliehen“ und dort vor allem zur Betreuung der Referendare eingesetzt. „Viele machen den Job beim IQSH gern, er ist aber für sie schlicht unattraktiv geworden, auch weil er mittlerweile ein richtiger Karrierekiller ist“, sagt Gabriele Knoop, Vorsitzende des Fachverbandes Deutsch.

Denn in den Schulen gebe es organisatorische Schwierigkeiten, wenn die Lehrer häufiger weg seien. Das werde vom Land nicht ausreichend berücksichtigt. „Viele haben es satt, nicht für ihre Tätigkeit am IQSH in der Stundenzahl entlohnt zu werden, die sie von ihren Schulen freigestellt werden – und so Unterstunden zu machen, die sie nacharbeiten müssen“, so Knoop. „Und es kann nicht sein, dass wir die gleiche Arbeit in weniger Zeit schaffen sollen.“ Schon fürchtet der BAK, dass „das gute Abschneiden der schleswig-holsteinischen Unterrichtsergebnisse, das jüngst eine Evaluation des IQSH und der Ländervergleich ergeben haben, so nicht zu halten“ ist.

Im Bildungsministerium ist man irritiert. Es habe in der Tat in der Vergangenheit Ungerechtigkeiten im System gegeben, sagt Sprecher Thomas Schunck. So hätte es etwa eine pauschale Anrechnung von Fahrtzeiten gegeben, das sei aber reformiert worden. „Das System ist besser und gerechter geworden“, meint Schunck. Es gebe jetzt vier Modelle zur Fahrtkostenabrechnung, vorher seien es nur zwei gewesen. Dazu werde die Dauer der Fahrt berücksichtigt, und es gebe eine bessere Abbildung von Vor- und Nachbereitungszeiten – was der BAK bestreitet.

Schunck weist daraufhin, dass die neue Regel unter Mitwirkung und zur Zufriedenheit der Spitzenorganisationen der Lehrer getroffen worden sei. Großen Frust könne er nicht feststellen, es habe nur zwei Kündigungen gegeben. „Und wir haben auch kein Personalproblem am IQSH.“ Eine Klage könne jeder einreichen, sein Haus sei aber der Auffassung eine gute Regel getroffen zu haben.

Das sieht Angelika Grählert, die seit 20 Jahren fürs IQSH arbeitet, anders. Die 60-Jährige glaubt, dass viele Studienleiter am IQSH ihre Verträge nicht verlängern oder sich gar nicht erst bewerben, ohne explizit auf die Arbeitszeitregel hinzuweisen. Nun erhofft sich Grählert von der neuen Landesregierung eine Verbesserung der Arbeitsbedingungen am IQSH.

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erstellt am 18.Jun.2017 | 19:08 Uhr

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