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Kommentar : Zeugnisse ohne Noten – ein Irrweg

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Schleswig-Holsteins Bildungsministerin Waltraud Wende plant, Notenzeugnisse bis Klasse 8 durchgängig abzuschaffen. Warum Schule nicht auf Zeugnisnoten verzichten sollte, kommentiert Peter Höver.

Und weiter geht es mit dem Umbau der Schullandschaft im „echten Norden“. Per Gesetz hat Schleswig-Holsteins Küstenkoalition soeben den Auftrag von Schule neu definiert. „Bildung und Erziehung“ war gestern. Jetzt verfolgen Lehrkräfte „pädagogische Ziele“. Verstanden haben das zwar nicht einmal glühende Befürworter der Reform. Aber sei`s drum.

Nun also macht sich Waltraud Wende, Ministerin für pädagogische Ziele, daran, das letzte verbliebene Biotop für Schulnoten einzuebnen. Notenfrei könnte es dann bis Klasse 8 an der Gemeinschaftsschule gehen. Auch so lässt sich Standortpolitik betreiben. Schön kuschelig. Wende ahnt aber wohl, dass ein solcher Kurs auch vielen Eltern nicht geheuer wäre. Deshalb sollen Schulkonferenzen entscheiden, welchen Weg sie bei der Leistungsbewertung gehen.

Noten durch Berichts- oder Tabellenzeugnisse zu ersetzen, führt in die Irre: Weil sie Schwächen eher verkleistern, statt sie auf den Punkt zu bringen. Das hilft weder Eltern noch Schülern. Letztere wollen Noten, wollen sich einordnen können. Schaden wird der Verzicht auf eine nachvollziehbare Leistungsbeurteilung vor allem jenen Kindern, deren Eltern sich gar nicht oder kaum um den Bildungserfolg ihres Sprösslings kümmern. Gute Noten könnten umgekehrt zumindest einen Impuls dafür geben, dass ein benachteiligtes Kind trotzdem den Weg auf eine weiterführende Schule einschlägt und besteht.

Was passiert, wenn Noten obsolet werden, zeigt sich zu einem späteren Zeitpunkt der Bildungskarriere. Es ist noch nicht lange her, da beklagte der Wissenschaftsrat die Inflation guter und sehr guter Noten bei Bachelor- und Masterarbeiten. Viele Arbeitgeber reagierten auf solche Beobachtungen mit Eignungstests, die mit dem Hinweis versehen sind „Noten sind uns egal“.

Dass Lernen auch die Bereitschaft zur Anstrengung einschließt, scheint in der Küstenkoalition zuweilen zur Randnotiz zu werden. Es wird sich zeigen, welche Folgen es hat, wenn der Wille zur Leistung von der ersten Klasse an geschwächt wird. Negative Auswirkungen bildungspolitischer Experimente zeigen sich leider oft erst dann, wenn es für Korrekturen wieder einmal zu spät ist.

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erstellt am 15.Feb.2014 | 12:49 Uhr

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