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Arbeitslos in den Sommerferien : Zeitverträge treiben Lehrer aus dem Land

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Der Kieler Bildungsausschuss will gegen die Befristungen von Lehrerverträgen angehen. Seit Jahren hangeln sich junge Pädagogen von einem Zeitvertrag zum nächsten - und sind in den Sommerferien arbeitslos.

shz.de von
erstellt am 07.Aug.2013 | 07:44 Uhr

kiel | Bis zu sieben Verträge in anderthalb Jahren, teils sogar auf nur zwei Monate befristet - und während der Sommerferien die Ungewissheit, ob es im neuen Schuljahr überhaupt an irgendeiner Schule weitergeht: Das ist kein Einzelfall, sondern für Junglehrer in Schleswig-Holstein nichts Ungewöhnliches. Die Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW) fordert ebenso wie der Philologenverband, die für Betroffene und Schulalltag gleichermaßen nervenaufreibende Praxis der Vergabe kurzer Zeitverträge zu stoppen. Die Vorsitzende des Bildungsausschusses des Landtags, Anke Erdmann (Grüne), will noch im August beantragen, dass das Bildungsministerium Möglichkeiten aufzeigt, wie sich die Befristungen eindämmen lassen.
"Unzumutbar" findet Blanka Knudsen, Vize-Landesvorsitzende der GEW, die Unsicherheit, der Inhaber von Zeitverträgen ausgesetzt sind. Der Worst Case sei, wenn befristete Verträge bereits zum Ende eines Schuljahrs enden. Dann kommt zum Rätselraten über eine Verlängerung noch Arbeitslosigkeit während der Ferien. Die Schüler sieht Knudsen ebenso als Leidtragende: "Die befristeten Beschäftigungsverhältnisse gefährden die pädagogische Kontinuität und Planungssicherheit. Beides aber sind tragende Säulen einer vernünftigen Arbeit an den Schulen." Helmut Siegmon, Vorsitzender des Philologenverbandes, sagt: "Es ist geradezu antipädagogisch, wenn andauernd die Lehrer wechseln." Er weiß: "Auch bei Eltern sorgt dies immer wieder für Unmut." Beide Lehrerverbände warnen davor, dass das die Zeitverträgen zum Bumerang werden. "Wer es sich leisten kann, kehrt Schleswig-Holstein den Rücken", beobachtet Siegmon. Hamburg etwa biete deutlich zügiger feste Stellen an, weiß Knudsen. Dabei herrsche in Mathe und Naturwissenschaften bereits akuter Mangel beim Lehrernachwuchs. "Wir haben schon ein großes Loch und schaufeln es noch tiefer", sagt Knudsen.
Nach Angaben des Kieler Bildungsministeriums waren Mitte Juni 1862 Lehrkräfte mit befristeten Verträgen beschäftigt. Das entspricht 4,8 Prozent aller Stellen und ist offenbar ein neuer Höchststand: Ende Mai waren es 1619, so das Ministerium in einer Antwort auf eine Kleine Anfrage der CDU-Fraktion. Die Stellenbesetzungen für das beginnende Schuljahr laufen noch. Von den Verträgen der 1862 befristet Beschäftigten Mitte Juni reichten laut Ministerium 80 Prozent zumindest durch die Sommerferien hindurch bis zum 31. Juli. 20 Prozent oder 373 Lehrer hatten dieses Glück nicht. Solche Fälle hängen nach Angaben von Ministeriumssprecherin Beate Hinse meist damit zusammen, dass unbefristet beschäftigte Rückkehrer aus der Elternzeit gern schon zu Beginn der Ferien wiederkommen. Dadurch sei dann keine Stelle mehr frei, die vorübergehend mit einem Zeitvertrag besetzt werden könnte.

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