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Parteitag am Sonnabend : Wie viel Schwung verleiht die Nord-CDU Ingbert Liebing?

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Obwohl nicht unumstritten, will der Landeschef bei der Landtagswahl 2017 Ministerpräsident Torsten Albig schlagen.

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erstellt am 06.Jun.2016 | 10:19 Uhr

Neumünster | Es wird wohl gut gehen für den Landesvorsitzenden der Nord-CDU: Ein Parteitag dürfte den 53-Jährigen am Sonnabend in Neumünster mit einem ordentlichen Ergebnis zum Spitzenkandidaten für die Landtagswahl am 7. Mai 2017 wählen. Doch wie viel Schwung gibt die Partei ihrem nicht unumstrittenen Spitzenmann am Ende wirklich mit auf den Weg zur Kieler Staatskanzlei? Nach außen jedenfalls ist auf dem Parteitag in Neumünster eine Harmonie- und Unterstützungs-Inszenierung für Partei und Öffentlichkeit zu erwarten - echte Aufbruchstimmung wahrscheinlich kaum.

Die Nord-CDU leidet unter einem Kandidatenmangel. Neben Ingbert Liebing gehört Daniel Günther zu den profiliertesten CDU-Politikern in Schleswig-Holstein. Die Umfragewerte waren zuletzt schwach, nur neun Prozent der Wähler sehen Liebing als Ministerpräsidenten.

„Wir wollen besser werden und am Ende deutlich vor der SPD liegen“, sagt Liebing. Eine Regierungsbildung ohne CDU dürfe nach der Wahl nicht möglich sein. Sorgen macht dem Landeschef aber die Entwicklung seiner Partei auf Bundesebene. „Das öffentliche Bild der Union, insbesondere der Streit mit der CSU, die Attacken aus der CSU gegen Bundeskanzlerin Angela Merkel sind sicherlich nicht hilfreich.“

Andere Probleme der Nord-CDU sind hausgemacht. Groß sind die Zweifel in der Landespartei daran, dass Liebing tatsächlich der richtige und beste Herausforderer für den amtierenden Ministerpräsidenten Torsten Albig von der SPD ist. Zu profilarm, zu statisch, nicht authentisch genug - so empfinden viele den Mann, der seit 2005 im Bundestag sitzt und immerhin Bundesvorsitzender der Unions-Kommunalpolitiker ist.

Liebing selbst hofft auf einen „breiten Rückhalt in der Partei für meine Arbeit, so wie ich ihn in den vergangenen Monaten auch gespürt habe“. Auf eine Prozentmarke will er sich im Vorfeld nicht festlegen.

In der Landespolitik ist Liebing noch nicht vollends angekommen. Das liegt zum Teil auch an seinem Bundestagsmandat und der Arbeit als Chef der kommunalpolitischen Vereinigung. Zum Landesvorsitzenden wurde der Nordfriese im November 2014 mit 94,2 Prozent der abgegebenen Stimmen gewählt, nachdem Vorgänger Reimer Böge nach nur gut anderthalb Jahren aus gesundheitlichen Gründen den Hut genommen hatte.

Noch kürzer hatten sich aus unterschiedlichen Gründen dessen Vorgänger an der Spitze des Landesverbandes gehalten. Jost de Jager war gegangen, weil er sich trotz 80 Prozent nicht stark genug unterstützt fühlte und dessen Vorgänger Christian von Boetticher musste wegen einer Affäre mit einer 16-Jährigen zurücktreten - es läuft seit dem Abtritt von Peter Harry Carstensen als Landeschef 2010 nicht so gut für die Männer an der Spitze der Nord-CDU. Das soll sich am Wochenende ändern.

In Neumünster will die Union auch ihr übriges Personal für die kommende Wahl festzurren. „Das wird überzeugend sein. Dies gilt für unseren Spitzenkandidaten Ingbert Liebing ebenso wie die gesamte Liste“, sagte Fraktionschef Daniel Günther. Die Union brauche mehr Frauen, junge Vertreter und städtische Abgeordnete. „Mit dieser Mannschaft und Ingbert Liebing an der Spitze werden wir den Regierungswechsel im kommenden Jahr schaffen.“

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