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Mysteriöser Tod eines Staatssekretärs : Wie starb Ulrich Lorenz?

vom
Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Am Morgen des 27. Januar 2013 starb Ulrich Lorenz im eiskalten Wasser der Kieler Förde. Sein Tod sorgte für Verschwörungstheorien. Ein Jahr später stehen die Ermittlungen unmittelbar vor dem Abschluss.

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erstellt am 26.Jan.2014 | 10:31 Uhr

Kiel | Der rätselhafte Tod des ehemaligen Staatssekretärs Ulrich Lorenz Ende Januar des vergangenen Jahres scheint aufgeklärt. „Die Ermittlungen stehen kurz vor dem Abschluss. Wir werden spätestens Mitte Februar informieren“, erklärt die Pressesprecherin der Kieler Staatsanwaltschaft, Birgit Heß, ohne jedoch konkrete Aussagen zum Ergebnis der Untersuchung zu machen. Ermittelt hat die Staatsanwaltschaft nach dem mysteriösen Tod des 57-Jährigen in alle Richtungen – Unterlassene Hilfeleistung, Fremdverschulden, Unfall. Warum hat die Staatsanwaltschaft für die Prüfung des Falles, bei dem vieles auf ein Unglück hinweist, so lang gebraucht. „Die Witwe hat uns wichtige Hinweise gegeben, die wir selbstverständlich gründlich geprüft haben“, erklärt Birgit Heß.

 

Tiefe Betroffenheit

Als Taucher die Leiche des Juristen am 28. Januar 2013 unweit von Lorenz’ Büro in fünf Metern Wassertiefe bargen, löste die Nachricht vom Tod des Ex-Staatssekretärs tiefe Betroffenheit aus. Ministerpräsident Torsten Albig erklärte damals: „Diese Nachricht erfüllt mich mit großer Trauer. Ulrich Lorenz war ein gradliniger Mensch, auf den man sich verlassen konnte, ein feiner Mensch durch und durch.“ Die Landesregierung habe sich immer auf seinen besonnenen Rat verlassen können. „Sein Tod erschüttert uns alle.“ SPD-Vorsitzender Ralf Stegner sagte: „Ulrich Lorenz war für mich auch ein persönlicher Freund und Weggefährte. Sein unerwarteter Tod macht mich sprachlos.“ Auch Innenminister Andreas Breitner zeigte sich erschüttert: „Ich habe ein großes berufliches Vorbild und vor allem aber einen guten Freund und Ratgeber verloren.“

Gesundheitliche Probleme

Ulrich Lorenz war von 2000 an Staatssekretär im Innenministerium, wurde nach dem Bruch der Großen Koalition 2009 in den einstweiligen Ruhestand versetzt. Seitdem arbeitete er als Rechtsanwalt. Im Frühling 2012 war der Jurist für die SPD bei den Koalitionsverhandlungen mit Grünen und SSW als Berater und Gestalter politisch aktiv. Danach wollte Torsten Albig Lorenz als Chef der Staatskanzlei, doch das lehnte dieser unter Hinweis auf gesundheitliche Probleme ab.

Am frühen Sonntagmorgen, jenem schicksalhaften 27. Januar, hatte er sein Haus in Felde (Kreis Rendsburg-Eckernförde) verlassen, um mit dem Zug in seine Kanzlei am Hörncampus zu fahren. Als er am Nachmittag nicht nach Hause kam und über sein Handy nicht zu erreichen war, rief seine Frau die Polizei. Diese begann sofort mit einer großen Suche am Bahnhof, da eine Videokamera Lorenz beim Verlassen des Zuges um 6.53 Uhr gefilmt hatte. Beamte mit Suchhunden versuchten, eine Spur des Vermissten aufzunehmen, bis der leblose Körper am Grund der Hörn entdeckt wurde.

Wilde Spekulationen

Der Tod warf schnell viele Fragen auf, eine Schürfwunde am Kopf gab Spekulationen neue Nahrung. Stammte diese vom Sturz oder von einem Schlag? Wenn Lorenz auf dem glatten Weg entlang der Förde ins Wasser gestürzt war, warum hörte niemand Hilferufe? Immerhin schlossen die Ermittler einen Suizid aus. Trotzdem erinnerte der Tod von Lorenz an eine ähnliche Tragödie, bei der es sich aber eindeutig um einen Selbstmord gehandelt hat. Am 25. Februar 1964 hatte sich CDU-Kultusminister Edo Osterloh (54) wie üblich von seiner Wohnung zu Fuß auf den Weg zum Landeshaus gemacht. Statt ins Büro ging er zum nahen Fähranleger, legte Hut und Aktentasche ab und stürzte sich ins eisige Fördewasser. Als offizielles Motiv wurde „eine krankhafte Kurzschlusshandlung“ genannt. Osterloh soll vermutet haben, an einer unheilbaren Krankheit zu leiden, was jedoch unbewiesen blieb.

Ulrich Lorenz war als Anwalt Prozessbevollmächtigter des beklagten Landtags im Verfassungsstreit um die Vergabe der SSW-Mandate bei der Landtagswahl 2012. Bis Ende Februar sollte er eine Stellungnahme für das Verfassungsgericht erstellen, sein Tod verhinderte dies.

Keine Beweise gefunden

Nicht nur deshalb schossen Verschwörungstheorien ins Kraut. Im Internet kursierten Gerüchte über Verbindungen zur Barschelaffäre und zum damals überraschenden Rücktritt der ehemaligen WDR-Intendantin Monika Piel, die zwei Tage vor dem tragischen Sturz von Lorenz in die Förde ihren Amtsverzicht erklärte. Belastbare Beweise oder konkrete Hinweise wurden jedoch nie gefunden.

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