Nach Orkan „Christian“ : Wie im Film: Habeck im zerstörten Wald

Ein Wald vom Sturm gezeichnet: Landwirtschaftsminister Robert Habeck besuchte mit Herbert Borchert, Leiter der technischen Produktion beim Landesbetrieb Forsten (Mitte) ein Revier bei Kropp.
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Ein Wald vom Sturm gezeichnet: Landwirtschaftsminister Robert Habeck besuchte mit Herbert Borchert, Leiter der technischen Produktion beim Landesbetrieb Forsten (Mitte) ein Revier bei Kropp.

Es ist laut, die Baumstämme liegen noch immer wild durcheinander auf dem Boden. Mit Motorsägen und riesigen Maschinen versuchen die Arbeiter, das Chaos zu bewältigen. Forstminister Habeck fühlt sich bei Kropp in einen Hollywood-Film versetzt.

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05. November 2013, 15:03 Uhr

Kropp | Bis die Sturmschäden von Orkantief „Christian“ in Schleswig-Holsteins Wäldern beseitigt sind, wird es noch Monate dauern. Die groben Aufräumarbeiten dürften noch bis März weitergehen, sagte der Direktor der Landesforsten, Tim Scherer, am Dienstag bei Kropp (Kreis Schleswig-Flensburg). Scherer besuchte gemeinsam mit Forstminister Robert Habeck (Grüne) das Revier Brekendorf mit 1492 Hektar Fläche. Es ist eines der am stärksten betroffenen Reviere im Land.

Allein hier hat „Christian“ rund 30.000 Festmeter Holz umgelegt. Das entspricht dem Vier- bis Fünffachen des regulären Jahreseinschlags. In ganz Schleswig-Holstein war so viel Holz wie sonst in einem Jahr von „Christian“ umgelegt worden – mit einem Verkaufswert von mehr als 20 Millionen Euro.

Ein riesiger sogenannter Holzvollernter fräste sich am Dienstag durchs Gelände. Er schnitt instabile Bäume ab und schredderte anschließend die Äste von den Stämmen. In der Nähe arbeiteten Männer mit Motorsägen. Sie sägten die herumliegenden Stämme und dicken Äste durch – mit großer Umsicht und nach einer speziellen Schulung. Denn die Arbeit im sturmverwüsteten Wald ist lebensgefährlich, wie Scherer erklärte. Die Stämme stehen unter großer Spannung, wenn sie von einem anderen Stamm eingeklemmt sind. So kann es vorkommen, dass ein Baumstück meterweit mit Wucht nach oben schnellt.

Spaziergänger dürfen die Wälder in den Kreisen Nordfriesland, Schleswig-Flensburg einschließlich der Stadt Flensburg sowie im Kreis Rendsburg-Eckernförde (nördlich des Nord-Ostsee-Kanals) weiterhin nicht betreten. Die Forst-Experten warnen weiterhin auch in Wäldern, in denen kein Betretungsverbot herrscht, vor dem Begehen.

In dem Waldstück bei Kropp wachsen vor allem Lärchen und Fichten. Sie sind bei dem Orkan am Montag vorige Woche wie Dominosteine gekippt. Nadelbäume sind anfälliger, sie fallen schneller um als Laubbäume, wie Scherer sagte. Um die Wälder stabiler zu machen, werden in Brekendorf und auch in anderen Revieren kleine Laubbäume zwischen die Nadelbäume gepflanzt. Diese Arbeit hat der Sturm jetzt zunichtegemacht, sagte Habeck. Jetzt müsse man abwarten, wie viele der Bäumchen überlebt haben.

„Ich muss staunen ob der Gewalt, die hier durchgegangen ist“, sagte der Minister. So etwas sehe man sonst nur in Hollywoodfilmen, wenn ein Flugzeug über einem Wald abstürze. Im Land sei so viel Holz abgeknickt worden, wie sonst in einem Jahr gefällt werde. Und zwar unkontrolliert und als Kahlschlag. Scherer kündigte an, dass alle betroffenen Flächen wieder aufgeforstet werden sollen, in der Regel mit Mischwald. „Es wird uns finanzielle Anstrengungen kosten, und wir werden Geduld brauchen, bis ein neuer, naturnaher Mischwald nachgewachsen ist“, sagte Habeck.

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