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Jusos in SH : Wie die Jugend der SPD zu neuem Glanz verhelfen will

vom
Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Die SPD soll jünger und weiblicher werden. Mit der Initiative „SPD++“ sollen Neu-Mitglieder besser integriert werden.

shz.de von
erstellt am 23.Okt.2017 | 19:44 Uhr

Kiel | Er musste etwas tun. Mitte des vergangenen Jahres lag die SPD in den Umfragen bei 19 Prozent. „Da bin ich in die Partei eingetreten“, sagt Paul Benk aus Kiel. „Ich wollte mal versuchen, wie das ist, wenn man da mitmacht“, sagt der 20-Jährige.

Studiert Sozio-Ökonomik an der Universität Kiel und ist Mitglied im Kreisvorstand der Jusos: Paul Benk.
Studiert Sozio-Ökonomik an der Universität Kiel und ist Mitglied im Kreisvorstand der Jusos: Paul Benk. Foto: Dewanger

Seitdem geht es der SPD nicht wirklich besser. Zwar hat die Partei bei der Wahl in Niedersachsen einen Achtungserfolg erzielt, aber dennoch rumort es in der SPD. Die Partei soll jünger und weiblicher werden, fordert der Parteivorsitzende Martin Schulz, der im Dezember 62 Jahre alt wird. In Schleswig-Holstein ist der jüngste Abgeordnete im Bundestag 41 Jahre alt, im Landtag sitzt nur ein Kandidat, der auf dem Ticket der Jungsozialisten (Jusos) ins Parlament kam – allerdings auch nur, weil Ex-Ministerpräsident Torsten Albig sein Mandat ausgeschlagen hat. Der Partei- und Fraktionsvorsitzende Ralf Stegner ist gerade 58 Jahre alt geworden – und will noch eine Weile weiter machen. Woher soll also die Veränderung kommen, wenn nicht von den Jusos?

Sophia Schiebe ist seit ein paar Monaten Vorsitzende der Jugendorganisation der SPD in Schleswig-Holstein. „Natürlich werben wir dafür, dass wir mehr junge und weibliche Abgeordnete bekommen“, sagt die 28-Jährige. Das klingt nach Parteisprech – und ist es wohl auch. Anders klingt die Initiative „SPD++“, die die „SPD neu denken will“. „Das ist das erste Mal, dass solche Veränderungen länderübergreifend gedacht werden“, sagt Paul Benk. Vor allem neu eingetretene Mitglieder sollen besser integriert werden, was die Jusos in Schleswig-Holstein unterstützen.

Arbeitet für die Deutsche Kinder- und Jugendstiftung und ist seit vier Monaten Landesvorsitzende der Jusos: Sophia Schiebe.
Arbeitet für die Deutsche Kinder- und Jugendstiftung und ist seit vier Monaten Landesvorsitzende der Jusos: Sophia Schiebe. Foto: Dewanger
 

„Für viele Neu-Mitglieder ist Kommunalpolitik häufig unattraktiv“, sagt Schiebe. Die Neuen wollten lieber über große bundespolitische Themen diskutieren statt über die Umgehungsstraße oder den Infostand in der Fußgängerzone. Die Initiative „SPD++“, der sich unterschiedliche Genossen angeschlossen haben, will deswegen Themenforen einrichten, um Expertenwissen für die Partei nutzbar zu machen. Die Diskussion soll weitgehend online laufen, die Themenforen sogar Delegierte zu Parteitagen schicken dürfen – eine kleine Revolution in der Mitgliederpartei SPD, hat dort doch noch immer die mittlere Funktionärsebene die Macht über solche Personalentscheidungen.

Wenn es um Quoten und Beteiligungen geht, sind die Jusos im Norden zurückhaltend. „Wir wollen hier vieles einvernehmlich regeln“, sagt Sophia Schiebe. Und zur Forderung von „SPD++“, dass in Zukunft in den Führungsgremien der Partei 25 Prozent der Mitglieder jünger als 25 Jahre alt sein soll, sagt sie: „Wir müssen uns auch in Schleswig-Holstein breit aufstellen für die Zukunft – auch personell.“

Inhaltlich seien die Jusos von den Arbeitsgemeinschaften der SPD, die Schiebe als „Ideenherde“ der Partei bezeichnet, „schon ein wenig ein Vorbild“. Bei der Jugendorganisation gebe es auch aufgrund der Fläche des Landes immer wieder Telefonkonferenzen, es wird geskypt, auf zentrale Papiere könne jeder über eine cloud im Internet zugreifen, sagt Benk. Die Partei müsse offener werden für Quereinsteiger und sich an die Lebenswelt der Menschen anpassen. „Wir können nicht sagen, dass am Montag um 18.30 Uhr Ortsvereinssitzung ist, und wer da nicht kann, der hat Pech gehabt und darf nicht mitmachen.“ Viele Ortsvereine hätten sich schon bewegt, aber oft dominierten organisatorische Fragen. „Das Inhaltliche kommt zu kurz“, sagt Sophia Schiebe. Und: „Es kann nicht sein, dass man erst 20.000 Plakate geklebt haben muss, bevor man für einen Gemeinderat kandidieren darf.“

Die Jusos fordern, dass das Ehrenamt gestärkt wird – und dass die Partei kampagnenfähiger wird, auch wenn die Mitgliederzahl kleiner werden sollte. Denn dass die Partei wegen der Eintritte der letzten Monate wieder eine Massenbewegung wird, daran glaubt Paul Benk nicht. „Canvassing kann eine Methode im Wahlkampf sein“, sagt er. Dabei wird der Wähler direkt angesprochen. „Wir versuchen das auch humorvoll zu machen. Über den Kopf einen Karton stülpen auf dem Forderungen stehen – da kommt man mit den Leuten besser ins Gespräch als ihnen nur einen Flyer in die Hand zu drücken“, meint Benk.

Ein wenig lustig klingt das, aber ob es reicht, die alte Tante SPD organisatorisch wieder auf Vordermann zu bringen bleibt fraglich. „Der Vorteil an ,SPD++‘ ist, dass es eine Unterstützung für die Organisation ist“, meint Sophia Schiebe. Sie will auf dem Parteitag der schleswig-holsteinischen SPD im November mit den Mitgliedern über Teile der Forderungen diskutieren. Dass die SPD jünger und weiblicher werde – das sei aber schon jetzt deutlich. Von 25 Direktwahlkreisen für die Kommunalwahl in Kiel seien elf mit Kandidaten der Jusos besetzt, sagt Sophia Schiebe nicht ohne stolz. Eine davon ist sie selbst.

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