Fischfang : Werden Fangquoten für Ostsee-Dorsch halbiert?

Überalterte Fischkutter, sinkende Fangquoten, niedrige Erzeugerpreise und neue teure Vorschriften: Viele Küstenfischer in SH sehen sich finanziell mit dem Rücken an der Wand. Die Landesregierung verspricht Hilfe.

shz.de von
26. Juni 2014, 13:54 Uhr

Rendsburg | Schleswig-Holsteins Fischer blicken besorgt in die Zukunft. Besonders die Pläne für eine massive Reduzierung der Quoten für den Ostsee-Dorsch 2015 sorgen für Unruhe. Experten schlagen vor, die Fangquoten für den Kabeljau, der in der Ostsee Dorsch genannt wird, im kommenden Jahr zu halbieren. Sollten die Fangmengen tatsächlich massiv gesenkt werden, werde es bei anhaltend niedrigen Erzeugerpreisen bald keine Betriebe mehr geben, sagte der Vorsitzende des Landesfischerverbandes, Lorenz Marckwardt, am Donnerstag auf der Mitgliederversammlung. „Um diese Durststrecke zu überleben, bräuchten wir Unterstützung vom Bund, vom Land.“ 

Umweltminister Robert Habeck (Grüne) sagte den Küstenfischern Hilfe zu: „Wir wollen nachhaltig wirtschaftenden Fischereibetrieben helfen, sich besser am Markt zu positionieren.“ Dazu gehöre auch ihr Image-Problem. „Die mediale Wahrnehmung ist, dass die Fischerei die Meere leer macht.“ Man dürfe jedoch nicht die industrielle Fischerei und die Küstenfischerei in einen Topf werfen. „Deshalb werden wir helfen, ihr Image zu verbessern und für ihre Produkte zu werben“, betonte Habeck. Außerdem wolle die Kieler Koalition über EU-Mittel unter anderem die Direktvermarktung und Verarbeitung fördern.

Den Fischern macht auch ihre überalterte Flotte zu schaffen: Die kleinen Familienbetriebe gehen überwiegend mit 30 bis 40 Jahre alten Kuttern zum Fang hinaus. Solch alte Schiffe seien ungeeignet, die verschärften Regeln zum sogenannten Beifang umzusetzen, hieß es beim Landesfischerverband. Als Beifang bezeichnet man Fische und andere Meerestiere, die unbeabsichtigt in den Netzen hängen bleiben. Sie wurden bisher oft zurück ins Meer geworfen und nicht auf die Quoten angerechnet.

Künftig sollen Fischer bei quotierten Fischarten jedoch ihren gesamten Fang an Land bringen und auf ihre Quoten anrechnen lassen. Der Beifang muss an Bord getrennt vom übrigen Fang gelagert werden. Auf den alten Schiffen fehle der Platz dafür. „Es macht außerdem keinen Sinn, Fische anzulanden und zu Fischmehl zu verarbeiten, die eine hohe Überlebenschance haben“, sagte Marckwardt.

Nach Angaben der EU-Kommission haben sich die Fischbestände in Nord- und Westeuropa deutlich erholt. Ein düsteres Bild zeichnet die Brüsseler Behörde hingegen von der Lage im Süden. „Die schlechte Lage im Mittelmeer bereitet mir große Sorgen“, erklärte EU-Fischereikommissarin Maria Damanaki am Donnerstag.

Für deutsche Fischer hält die EU-Kommission relativ gute Nachrichten bereit: Im Nordostatlantik sind mit 41 Prozent der Bestände deutlich weniger Bestände überfischt als noch 2009 (damals 86 Prozent). In gutem Zustand sind demnach unter anderem Heringe und Schollen in der Nordsee sowie Sprotten in der Ostsee.

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