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Bürgermeisterwahl : Wer regiert künftig auf Helgoland?

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1200 Helgoländer sind heute aufgerufen, einen neuen Bürgermeister zu wählen. Was die drei Kandidaten eint: Echte Insulaner sind sie alle nicht.

Helgoland | Am ehesten kann man Jörg Singer eine biografische Nähe zu Helgoland zuschreiben. Der 44-Jährige verbrachte seine Jugend auf der zu Pinneberg gehörenden Hochseeinsel, seine Frau ist Insulanerin und im vergangenen Jahr gründete er seine Unternehmensberatung hier. Mittlerweile pendelt er zwischen München und Helgoland, sein Sohn geht auf der Insel bereit in den Kindergarten.
Singer gilt als Favorit für die Nachfolge des Sozialdemokraten Frank Botter (53), der zwölf Jahre lang die Amtsgeschäfte auf Helgoland führte. Er wird von CDU, SPD, FDP und von der Interessengemeinschaft Helgoländer Moats (IHM) unterstützt.
Die 140 Punkte-Liste
In seinem Notizbuch hat Singer 140 Punkte zusammengetragen, die er als Inselbürgermeister umsetzen will. Unter anderem möchte er die Anbindung Helgolands ans Festland verbessern und die Marke Helgoland für Touristen mit Leben füllen. "Nur wenige wissen, dass Kinder hier Robben sehen können und Stressgeplagte auf der Insel besonders gut wieder ihre Batterie aufladen können." Was den Wirtschaftsingenieur für den Job qualifiziert? "Meine 15-jährige Berufserfahrung in der Führung von Unternehmen", so Singer selbstbewusst.
Der freie Kandidat Hermann Ulrich Voßhal kommt aus Diepholz in Niedersachsen. Auf der Insel macht er seit einem Schulausflug im Jahr 1964 regelmäßig Urlaub. "Helgoland berührt Herz und Seele", sagt der 59-jährige Unternehmer. Und dieses Credo möchte er möglichst vielen Touristen nahe bringen. "Seit 2000 hat der Tagestourismus um 40 Prozent nachgelassen, die Hotelbetten sind aufs Jahr gesehen nur zu 30 Prozent ausgelastet, die Bevölkerung ist auf 1400 Einwohner geschrumpft. Diesen freien Fall will ich stoppen, die Attraktivität der Insel steigern." Um das zu erreichen, will er seine Kontakte zur Wirtschaft nutzen, die Bürger mitnehmen und mit ihren Ansichten die Parteien konfrontieren.
Um sich dieser Aufgabe zu stellen, sei er bereit, sein 280 Quadratmeter großes Haus und seine Firma für Energieeffizienzmessung von Heizungsanlagen in Diepholz aufzugeben und mit seiner Frau auf die Insel zu ziehen.
"Frischer Wind tut hier mal ganz gut"
Und dann ist da noch Felicitas Weck, die für "Die Linke" ins Rennen geht und in Hannover zu Hause ist. Vor zwei Jahren war die 56-Jährige als Referentin der Bundestagsfraktion für Kommunalpolitik auf dem roten Felsen zu Gast. Die beiden Gemeindevertreter fragten Weck schließlich, ob sie bereit wäre, für das Bürgermeisteramt zu kandidieren. "Ich habe lange überlegt", gibt sie zu. "Aber ich bin zu dem Schluss gekommen, dass Helgoland eine tolle Insel ist, für die man sich einsetzen muss. Jetzt kann ich mir ein Leben auf der Insel vorstellen." Sie könne es kaum erwarten, loszulegen. Wie ihre Mitstreiter hat sie viele Ideen, will sich um mehr Arbeitsplätze auf der Insel bemühen: "Wir müssen den Tourismus in der Nebensaison stärken, den Bildungstourismus ankurbeln." Dass sie keine Insulanerin ist, empfindet Weck als Vorteil. "Ich habe mich in den vergangenen Jahren intensiv mit den Themen auf Helgoland auseinander gesetzt. Ich glaube, frischer Wind von außen tut hier mal ganz gut."
Ihre Chancen auf das Amt schätzt sie als gut ein. "Im Gegensatz zu den beiden anderen Bewerbern habe ich die notwendige Fachkenntnis."
Was alle Kandidaten im Fall einer Wahl anstreben: Sie wollen das Klima im Helgoländer Rathaus verbessern, Abläufe in der Verwaltung optimieren, Mitarbeiter motivieren. Interne Konflikte zwischen dem jetzigen Bürgermeister Frank Botter und dem Büroleitenden Beamten belasten seit Jahren die Arbeitsatmosphäre. Neben gesundheitlichen Problemen waren diese Spannungen dafür ausschlaggebend, dass Botter nicht erneut für das Amt kandidieren wollte. Am 31. Dezember endet seine Amtszeit.

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erstellt am 05.Sep.2010 | 08:33 Uhr

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