zur Navigation springen

Sitzung im Landtag : Wende: „Wir verbessern die Lehrerausbildung“

vom

Die Opposition fordert Bildungsministerin Wende zum Rücktritt auf. Im Landtag stärkt ihr Torsten Albig den Rücken.

shz.de von
erstellt am 09.Apr.2014 | 11:10 Uhr

Kiel | Im Streit um die geplante Reform der Lehrerausbildung hat Ministerpräsident Torsten Albig (SPD) Bildungsministerin Waltraud Wende (parteilos) den Rücken gestärkt. „Ja, sicher stelle ich mich vor meine Bildungsministerin“, sagte Albig vor Beginn der Landtagssitzung am Mittwoch. CDU und FDP hatten Wende bereits am Dienstag den Rücktritt nahegelegt. „Was sie da hören, ist Geschrei und Gekläff'“, sagte Albig. Der Gesetzentwurf sei ein kluger.

Auch Wende selbst verteidigte ihre umstrittene Reform der Lehrerausbildung. Mit dem neuen Gesetz „verbessern wir die Lehrerausbildung in Schleswig-Holstein in Kiel und in Flensburg“, sagte sie im Landtag. Flensburg werde fachwissenschaftlich profitieren und Kiel pädagogisch-didaktisch. Wenn die Kieler Universität neben ihrem exzellenten fachlichen Bereich auch ihre pädagogische Bereich stärke, „dann wird Kiel unschlagbar werden“. Wende rief ihre Kritiker auf, zum konstruktiven Dialog zurückzukehren.

CDU-Bildungsexperte Daniel Günther forderte die Ministerin zum Rücktritt auf. Wende habe einen Vertrag mit den beiden Universitäten gebrochen und einen „gefälschten Gesetzesentwurf“ vorgelegt. Er verwies auf die seiner Meinung nach viel zu niedrig angegebenen Kosten für den angestrebten Ausbau der Kapazitäten in Flensburg. Im Gesetzentwurf sind zusätzliche Personalkosten von 1,3 Millionen Euro jährlich und 1,2 Millionen Euro Investitionskosten für den Ausbau von Laboren in Flensburg genannt.

Die Präsidentin des Landesrechnungshofes, Gaby Schäfer, sagte am Rande der Parlamentssitzung: „Das erscheint uns ausgesprochen gering.“ Zudem äußerte sie grundsätzliche Bedenken zu dem Reformvorhaben. „Es ist ausgesprochen problematisch angesichts der nicht ausfinanzierten Hochschullandschaft, die wir jetzt schon in Schleswig-Holstein haben.“

Die Sprecherin der Universität Flensburg, Kathrin Fischer, sagte am Mittwoch, für einen fairen Wettbewerb der Universitäten bei der einheitlichen Lehrerausbildung müsse es genügend Fächerkombinationen an beiden Hochschulen geben. An der Uni Kiel seien mehr als 300 Kombinationen möglich, in Flensburg nur ein Bruchteil davon. Wenn die Landesregierung in Flensburg Sekundarlehrer bis zum Abitur ausbilden wolle, müsse sie auch die Voraussetzungen dafür schaffen. Beim Ausbau der Kapazitäten gehe es nicht um die Zukunftssicherung der Universität, sondern um die Lehrerausbildung, betonte Fischer.

Die Universität Kiel hat rund 24.000 Studenten, in Flensburg gibt es etwa 4800 Studenten. „Seit Jahren steigt in Flensburg, dem allgemeinen Trend folgend, die Zahl der Studenten“, sagte Fischer.

Unterdessen forderte die Industrie- und Handelskammer (IHK) zu Kiel ein Spitzengespräch zwischen Hochschulen, Politik und Wirtschaft, um die Standortstreitigkeiten zu beenden. „Wir brauchen ein hochwertiges und zukunftsfähiges Konzept zur Lehrerausbildung. Aber bei ohnehin unterfinanzierten Hochschulen können wir uns den Aufbau von Doppelstrukturen und eine Gefährdung unserer einzigen Volluniversität nicht leisten“, erklärte IHK-Präsident Klaus-Hinrich Vater am Mittwoch. Ein Denken in Wahlperioden helfe dabei nicht weiter.

zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen