Ersatz für Rader Hochbrücke : Wege über den Kanal: Tunnel, Brücke oder beides?

Noch zwölf Jahre kann sie den Verkehr über den Nord-Ostsee Kanal tragen, danach ist Schluss. Ein Ersatz für die Rader Hochbrücke muss schnellstens her.
Noch zwölf Jahre kann sie den Verkehr über den Nord-Ostsee Kanal tragen, danach ist Schluss. Ein Ersatz für die Rader Hochbrücke muss schnellstens her.

Die Rader Hochbrücke verfällt – zwölf Jahre bleiben ihr noch. Der Lieblingslösung von Verkehrsminister Meyer erteilt der Bund eine Absage. shz.de fasst die Vorschläge zusammen.

shz.de von
18. Juni 2014, 13:52 Uhr

1. Kombinierter Eisenbahn- und Autobahntunnel

Neben der maroden Rader Hochbrücke hat auch die Rendsburger Eisenbahnhochbrücke bereits bessere Tage gesehen. Ihr werden noch 30 Jahre gegeben. Schleswig-Holsteins Verkehrsminister Reinhard Meyer (SPD) spricht sich aus diesem Grund für eine kombinierte Straßen-/Schienenlösung aus. Rückenstärkung erhält Meyer durch die Initiative „Tunnelbau 2025“. Mit Onlinepetition, Facebook- und Webseite wollen SPD, Grüne und SSW auch die Bevölkerung für das Projekt gewinnen, um den Druck auf den Bund zu erhöhen. Bereits vor der aufwendigen Sanierung der Rader Hochbrücke im Jahr 2013 sprach sich ein breites Bündnis aus Wirtschaftsverbänden, Politik und ADAC für den Bau einer kombinierten Tunnelalternative aus. Auch Kreistagsfraktionen und Landrat halten eine kombinierte Lösung für sinnvoll, merken jedoch an, dass eine Zusammenführung von Straßen- und Schienenverkehr die Abkopplung des Rendsburger Bahnhofs von der Nord-Süd-Achse bedeuten würde. Bundesverkehsminister Dobrinth erteilte dieser Variante am Mittwoch eine Absage.

2. Eisenbahnbrücke und Autobahntunnel:

Der Bund hat am Mittwoch das Startsignal für die Planung eines Brückenersatzes gegeben. Aus Kostengründen könne die marode Brücke jedoch nur durch eine Autobahnbrücke einen einfachen Autobahntunnel ersetzt werden. Bundesverkehrsminister Alexander Dobrinth (CSU) spricht sich damit gegen die von Meyer geforderte kombinierte Lösung aus. Grund sei vor allem der Kostenfaktor: Während ein Straßentunnel ungefähr 200-300 Millionen kostet, lägen die Kosten für eine kombinierte Lösung bei fast einer Milliarde Euro. Außerdem sei ein kombinierter Tunnel in zwölf Jahren nicht fertig zu stellen, da die Bahnlinie zuerst verlegt werden müsse. Meyer kann sich auch vorstellen, dass zunächst ein reiner Straßentunnel gebaut wird, der dann später durch eine weitere Röhre für die Bahn ergänzt werden soll.

3. Neue Autobahnbrücke

Wigand Grave, Geschäftsführender Gesellschafter beim Ingenieurteam Trebes GmbH & Co. LKG hält eine kombinierte Tunnellösung für schwierig umsetzbar: „Der Schienenverkehr verträgt nicht so starke Neigungen wie der Straßenverkehr. Von daher müsste die Rampe für die Abschussgleise auf beiden Seiten des Kanals sehr lang sein“, sagte Grave im April. Die Folge daraus könne eine einschneidende Veränderung für die gesamte Verkehrsführung sein. Graves Favorit ist der Bau einer neuen Autobahnbrücke neben der bereits bestehenden. Ein Abriss und Neubau an Ort und Stelle würde einen zeitweisen Wegfall der A7 bedeuten – zumindest für ein paar Jahre. Das wäre laut Grave undenkbar. Derzeit scheint sich auch der Bund für einen Brückeneubau auszusprechen.

4. Ausbau des Kanaltunnels

Rendsburgs Bürgermeister Pierre Gilgengast zeigt sich im März besorgt um die Alternativroute, sollte der Ersatzbau nicht rechtzeitig fertiggestellt werden. Als einzige Ausweichstrecke in der Region sei der Kanaltunnel schon im letzten Jahr völlig überlastet gewesen, als die Rader Hochbrücke aufgrund von Sanierungsarbeiten für den Lkw-Verkehr gesperrt war. Die bislang zweispurige Strecke solle schnellstmöglich auf vier Spuren ausgebaut werden, um die erhöhte Verkehrslast aufnehmen zu können.

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