"Alternative für Deutschland" : Was steckt hinter der Anti-Euro-Partei?

Die AfD fordert das Ende des Euro. Sie hält auch eine Rückkehr zur D-Mark für möglich. Foto: dpa
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Die AfD fordert das Ende des Euro. Sie hält auch eine Rückkehr zur D-Mark für möglich. Foto: dpa

Was steckt hinter der Partei? Für Prognosen ist es zu früh, sagt Politikwissenschaftler Joachim Krause. Doch die AfD könnte die Wahl entscheiden.

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28. April 2013, 05:37 Uhr

Können die Euro-Gegner einen Überraschungsstart hinlegen wie einst die Piraten?
Ausschließen kann man das nicht. Etwa 30 Prozent der Bevölkerung bedauern den Verlust der D-Mark. Darin steckt ein Wählerpotential für die AfD. Ob sie es nutzen kann, ist eine andere Frage. Für Prognosen ist es noch zu früh.

Welchen etablierten Parteien könnte die AfD überhaupt gefährlich werden?
Die AfD könnte vor allem der FDP und der CDU Wählerstimmen abnehmen. Sehr viele Mitglieder der AfD stammen aus diesen Parteien. Die AfD ist eine Partei der bürgerlichen Mitte, welche sich weder von Schwarz-Gelb noch von Rot-Grün vertreten fühlt. Sie kann Wahlberechtigte mobilisieren, die ansonsten gar nicht mehr zur Wahl gehen. Das könnte unter Umständen für den Einzug in den Bundestag reichen und hätte Einfluss auf die Bundespolitik. Aber auch mit einem Ergebnis von nur ein bis vier Prozent könnte die AfD die Wahl entscheiden, indem sie der Koalition aus Schwarz-Gelb die nötigen Stimmen zur Verteidigung ihrer Mehrheit im Bundestag nimmt.

Muss man die Euro-Gegner - wie in manchen Medien-Berichten spekuliert wird - am rechten Rand einordnen?
Die AfD ist keine rechte Partei, sie besteht aus Menschen, die sich meinem Eindruck nach eher zur politischen Mitte rechnen. Natürlich wird auch diese Partei Querulanten ausgrenzen müssen, die in sie hineindrängen, sobald sie Erfolg verspricht. Das haben die Piraten geschafft, warum nicht auch die AfD? Auf der Liste der Unterstützer finden sich viele Professoren-Titel.

Ist die Partei eine reine Kopfgeburt?
Der Begriff "Kopfgeburt" ist hier nicht anzuwenden. Erst einmal zeigt der hohe Professorenanteil, dass es sich hier nicht um eine Partei handelt, die leichtfertig und populistisch agiert. Viele der kritischen Argumente gegen den Euro und die Krisenpolitik der Bundesregierung muss man ernst nehmen. Um erfolgreich zu sein, muss diese Partei aber überzeugendes Führungspersonal, politische Professionalität, programmatische Breite und eine gewisse Geschlossenheit aufbringen. Ob das mit so vielen Professoren möglich sein wird, wird sich zeigen. Ich bin da eher skeptisch.

Was ist bei der AfD anders als bei der längst vergessenen Initiative Pro DM?
Es sind mehr renommierte Namen dabei als bei der Initiative Pro DM. Aber vor allem ist die Euro-Krise ein Beleg dafür, dass die Kritik an der Einführung des Euros nicht nur akademischer Natur ist.

Ganz abgesehen vom Erfolg oder Misserfolg der Partei: Würde eine Wiedereinführung nationaler Währungen überhaupt funktionieren?
Ich kann das fachlich gesehen nicht beurteilen. Vermutlich würde die Wiedereinführung der DM schmerzhaft und riskant werden, wie genau wird man erst wissen, wenn man es ausprobiert. Ich wäre dagegen, denn es zeichnet sich derzeit die Möglichkeit ab, dass die Politik der finanzpolitischen Stabilität auch in anderen Euro-Ländern Raum gewinnt. Diese Linie weiter zu verfolgen, ist meines Erachtens derzeit die sicherere Alternative als die Wiedereinführung der DM.

Prof. Dr. Joachim Krause ist Professor für Politikwissenschaft an der Christian-Albrechts-Universität zu Kiel.

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