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Nach Böge-Rücktritt : Was nun, CDU?

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Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Der Abgang von Parteichef Reimer Böge zwingt zur personellen Neuausrichtung. Ein Kommentar von Stephan Richter.

Landespolitisch wird den Schleswig-Holsteinern derzeit eine ganze Menge zugemutet. Erst Krise in der Küstennebel-Koalition, jetzt Chaos-Tage bei der CDU.

Der überraschende Rücktritt des Landesvorsitzenden Reimer Böge wirkt mit Blick auf den Zeitpunkt und angesichts einiger Ungereimtheiten (er bleibt Mitglied des EU-Parlaments) wie eine Panikreaktion. Das war kein kalkulierter Abgang von der Landesbühne! Gerade deshalb gewinnt Böges Begründung an Glaubwürdigkeit, dass Gesundheitsprobleme ausschlaggebend für seine Entscheidung waren. Dies gilt es zu respektieren und dem 62-Jährigen alles Gute zu wünschen. Seit er 2013 den Landesvorsitz übernommen hatte, arbeitete er – wie es seine Art ist – unauffällig, aber durchaus gezielt am Neuaufbau der Nord-CDU, die es versäumt hat, Nachwuchspersonal aufzubauen.

Tatsache ist: Schleswig-Holsteins Christdemokraten sind derzeit nicht in der Lage, Regierungsverantwortung zu übernehmen. Es reicht nicht einmal für eine überzeugende Oppositionsrolle, die der Regierung Albig gut tun würde.

Sowohl der CDU als auch der Küstenkoalition kommt allerdings der Zeitpunkt des politischen Tiefdruckgebiets, das über Schleswig-Holstein zieht, entgegen. Zur Halbzeit der Legislaturperiode bleibt genügend Spielraum für einen Neuanfang. Ministerpräsident Torsten Albig hat bereits aus der Not eine Tugend gemacht und sein Kabinett einer schnellen Frischzellenkur unterworfen.

Die Nord-CDU hat es schwerer und sollte sich deshalb bei der personellen Neuausrichtung mehr Zeit nehmen. Es geht schließlich nicht nur um den Landesvorsitz, sondern auch um eine Weichenstellung für die Spitzenkandidatur 2017. Die Alternativ-Modelle machen sich an zwei Politikern fest, die zum Kreis der Favoriten für die Böge-Nachfolge zählen:

Der in der Partei verwurzelte, durchsetzungsstarke Landtagspräsident Klaus Schlie könnte die Nord-CDU zusammenschmieden und ohne Hektik die Suche nach einem Spitzenkandidaten (per Mitgliederentscheid?) einleiten, der 2017 den SPD-Ministerpräsidenten herausfordert.

Ein anderer Weg wäre mit dem Sylter Bundestagsabgeordneten Ingbert Liebing verbunden. Liebing hat sich als Bundesvorsitzender der Kommunalpolitischen Vereinigung einen Namen gemacht. Da zwei Drittel der Delegierten eines Landesparteitages aus der Kommunalpolitik kommen, hat er eine Bastion hinter sich. Fiele die Wahl des Landesvorsitzenden auf ihn, wäre dies zugleich eine Vorentscheidung in Sachen Spitzenkandidatur.

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erstellt am 03.Okt.2014 | 19:22 Uhr

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