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Kommentar : Waltraud Wende: Ein starker Abgang

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Hat Ministerpräsident Torsten Albig zu lange an seiner Bildungsministerin festgehalten? Ein Kommentar von Stephan Richter.

shz.de von
erstellt am 16.Sep.2014 | 08:06 Uhr

Kiel | Für die Opposition kommt der Rücktritt von Waltraud Wende zu spät, hat Ministerpräsident Torsten Albig zu lange an seiner Bildungsministerin festgehalten. Da ist etwas dran. Doch die überraschende Demission nach der trotzigen Gegenwehr der vergangenen Monate kann auch anders gesehen werden.

Die durchsetzungsstarke Bildungsministerin und der Kabinettschef sind nicht vor den Rücktrittsforderungen und vor der medialen Meinung eingeknickt. Sie haben unpopulär, zuweilen auch rätselhaft gehandelt – so, als Albig versicherte, auch dann noch an Wende festhalten zu wollen, wenn die Staatsanwaltschaft  Anklage gegen sie erheben sollte.

Wer die offenen Fragen über das Zustandekommen der – inzwischen stornierten – Rückkehroption der Ministerin an die Flensburger Universität nicht spekulativ anheizen will, muss Waltraud Wende Respekt zollen. Sie hat Stärke gezeigt und den Zeitpunkt ihres Abgangs selbst bestimmt. 

Zugleich wird mit ihrem Rücktritt Luft aus den staatsanwaltschaftlichen Ermittlungen gelassen. Die juristische Aufarbeitung des Wechsels der ehemaligen Uni-Präsidentin auf den Schleuderstuhl im Bildungsministerium ist im Interesse aller Beteiligten notwendig. Dabei gilt die Unschuldsvermutung.

Bildungspolitisch geht es dagegen nicht um Schuld, sondern um „gut“ oder „schlecht“. Zwar verbieten sich auch hier schnelle Urteile. Wie sich die Novellierung des Schulgesetzes oder die Reform der Lehrerausbildung langfristig auf die Bildungslandschaft auswirken werden, muss sich noch zeigen. Was sich aber schon jetzt sagen lässt: Die Bildungsministerin hat nicht nur der öffentlichen Meinung die Stirn geboten, sondern auch vielen Mitstreitern an Schulen und Hochschulen. Statt ihre Kritiker mitzunehmen, wurde gegen den Strich gebürstet. Wenn die Ausübung ihres Amtes am Ende kaum noch möglich war, lag dies eben nicht nur am Schatten staatsanwaltschaftlicher Ermittlungen, sondern an ihrer mangelnden Selbstkritik.

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