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Prognose für die Wahl 2017 : Wahlbörse: Das Tippspiel zur Bundestagswahl

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Sie ist keine klassische Umfrage und doch höchst präzise. shz.de erklärt das Prinzip der Wahlbörse.

Wie wird die diesjährige Bundestagswahl ausgehen? Wie schon bei der Landtagswahl startet der sh:z gemeinsam mit dem Institut Prognosys aus Handewitt eine Wahlbörse, um das Ergebnis vorherzusagen. Der Clou: Jeder kann daran teilnehmen und das Ergebnis tippen – fast wie bei den mittlerweile vielfach bekannten Fußball-Tippspielen. Ab sofort hat die Wahlbörse geöffnet. Gehandelt werden kann zwei Monate lang bis zum Wahltag, am 24. September um 12 Uhr.

Was ist eine Wahlbörse?

Bei einer Wahlbörse wird mit virtuellen Partei-Aktien gehandelt. Das Planspiel ist ein relativ präzises Prognoseinstrument, um den Ausgang einer Wahl vorherzusagen.

Was ist der Unterschied zwischen einer Wahlbörse und einer Umfrage?

Bei einer klassischen Umfrage werden etwa 1000 zufällig ausgewählte Personen per Telefon oder im Internet nach ihren Parteipräferenzen befragt (Beispiel: „Welche Partei würden Sie wählen, wenn am nächsten Sonntag gewählt würde?“). „Daher kann sie nur näherungsweise repräsentativ sein“, erklärt Walter Mohr von Prognosys. Die Ergebnisse dieser Stichprobe werden mit speziellen, geheimen Techniken verfeinert und schließlich als Prognose veröffentlicht. Umfragen werden meist in größeren zeitlichen Abständen durchgeführt und bieten den Vorteil, dass man auch einen größeren Fragenkatalog abarbeiten kann.

Im Unterschied dazu erfolgt die Kursbildung bei einer Wahlbörse alle fünf Minuten. Sie ist demnach aktueller und liefert ein fortlaufendes Stimmungsbild. Sie basiert außerdem nicht auf einer passiven Befragung, sondern die Wähler können sich aktiv beteiligen. Die Auswahl der Spieler muss dabei laut Mohr nicht repräsentativ sein. „Schon etwa 100 Teilnehmer können sehr gute Ergebnisse erzielen, die denen der Umfragen ebenbürtig sind.“

Wie funktioniert eine Wahlbörse?

Eine Wahlbörse funktioniert wie eine richtige Börse. Anstatt realer Firmenanteile wird das Wahlergebnis gehandelt. Für jede Partei, die eine realistische Chance auf den Einzug in den Bundestag hat, gibt es Aktien - also für CDU/CSU, SPD, Grüne, FDP, Linke und AfD. Der Rest wird unter Sonstige zusammengefasst.

Entscheidend ist, dass sich die Mitspieler nicht Gedanken darüber machen, welche Partei sie selbst wählen würden, sondern wie der Wahlausgang insgesamt sein wird. Die Leitfrage ist: „Wie wird die Bundestagswahl ausgehen?“ Ihre Überlegungen versuchen die Mitspieler dann durch Käufe und Verkäufe von Parteiaktien an der Wahlbörse umzusetzen. Die eigene Wahlabsicht spielt praktisch keine Rolle.

Wo kann ich mich anmelden? Und was muss ich beachten?

An der Wahlbörse kann sich jeder beteiligen, der mindestens 18 Jahre alt ist.

Das Mitmachen bei der shz.de-Wahlbörse an sich ist gebührenfrei - man zahlt nur seinen Einsatz. Jeder kann ein bisschen gewinnen –  und auch ein wenig verlieren, je nach dem wie das Aktienpaket am Ende dasteht.

Wer mitspielen will, zahlt nur einmalig 10 Euro. Das eingezahlte Geld wird in die Wahlbörsenwährung ProCent konvertiert (1 Euro = 10.000 ProCent).

Jeder Spieler startet mit dem gleichen Kapital. Da es sich um echtes Geld handelt, wird jeder Aktionär gewissenhaft versuchen, die Parteiaktien mit Gewinn zu handeln. Die Teilnehmer sind auch bestrebt, in der Renditerangliste möglichst weit oben zu stehen. Die Prognose aus der Einschätzung aller Teilnehmer ist damit geboren.

Voraussetzung für die Teilnahme ist eine Registrierung hier.

Kann man mit der Wahlbörse Geld verdienen oder verlieren?

„Teilnehmer, die mehr als 20 Prozent gewinnen, also aus 10 Euro 12 Euro machen, die sind richtig gut“, erklärt Walter Mohr aus Erfahrung. „Wenn sie mehr als 20 Prozent verlieren, sind sie entweder wirklich schlecht oder sie machen es bewusst, um anderen Parteien zu schaden und ihre Lieblingspartei überteuert zu kaufen.“

Spielen auch die Parteimitglieder selbst mit?

Aus Erfahrung weiß Wahlbörsen-Leiter Walter Mohr, dass auch Parteimitglieder mitspielen. Solange sie sich größenmäßig ausgleichen, ist es problemlos. Erst wenn Fans einer Partei dominant auftreten und den Kurs ihrer Partei übermäßig hoch treiben, greift die Wahlbörse mit bestimmten Methoden ein, um gegenzusteuern.

 

Das sind die Spielregeln

Die Ausgangssituation bestimmt ein Tippspiel. Was hat es damit auf sich?

Man kann eine Wahlbörse mit den Prozentwerten der zurückliegenden Wahl starten. Das wird allerdings schwierig, wenn sich in der Zwischenzeit starke Veränderungen ereignet haben oder besonders wenn neue Parteien auftreten. Daher veranstaltet die Wahlbörse ein Tippspiel, bei dem es für die beste Prognose kleine Geldpreise gibt. Die Mittelwerte dieser Tipps werden als Startwerte für die Börse verwendet.

Was ist der Spieleinsatz?

Der Spieleinsatz besteht aus echtem Geld. So wird das Marktverhalten realistisch – und die Prognose treffsicher. Der Spieleinsatz wird im Verhältnis 1 Euro = 10.000 ProCent in die virtuelle Wahlbörsenwährung konvertiert und dem Depot des Teilnehmers gutgeschrieben.

Wie wird gehandelt?

Teilnehmer können Gebote für den Kauf von Aktien abgeben und sie können Aktien, die sich in ihrem Besitz befinden, zum Verkauf anbieten. Wer kaufen will, gibt einen Höchstpreis an, den er zu zahlen bereit ist. Wer verkauft, nennt einen Mindestpreis, den er haben will.

Um den Teilnehmern die Abgabe marktgerechter Gebote und Angebote zu erleichtern, werden für jede Aktie neben dem Preis, zu welchem die letzte Transaktion stattgefunden hat, die drei besten Verkaufsangebote mit den niedrigsten Limits und die drei besten Kaufgebote mit den höchsten Limits angezeigt. Eine Transaktion kommt zustande, wenn ein Kaufgebot auf ein Verkaufsangebot trifft und das Limit des Verkaufsangebots das des Kaufgebots nicht übersteigt, so dass sowohl den Vorstellungen des Käufers als auch denen des Verkäufers entsprochen werden kann.

Wie bei einer Wahl die Summe der Prozentwerte aller Parteien 100 ergibt, muss an der Wahlbörse eine entsprechende Normierung vorgenommen werden. Diese Spezialität wird durch eine Börsenbank realisiert, die immer nur Gesamtbündel aller Parteien zu 100 Prozent kauft oder verkauft. Daher befinden sich auch von jeder Partei gleich viele Aktien im Spiel.

Die Teilnehmer können jederzeit Aktienbündel von der „Börsenbank“ zum Festpreis von 100 ProCent kaufen und zum selben Preis auch wieder verkaufen. 100 ProCent entsprechen 1 Euro-Cent Realwährung. So kann man für einen Euro 100 Aktienbündel kaufen und hätte damit von jeder Partei genau 100 Aktien. Auf dem Handelsplatz kauft man dann einzelne Aktien zum aktuell angebotenen Preis, der immer zwischen 0 und 100 ProCent liegt. 

Die Kurse werden alle fünf Minuten normiert und neu gestellt. Es gilt die alte Börsenregel: Ist die Nachfrage größer als das Angebot, steigt der Kurs, ist das Angebot größer als die Nachfrage, fällt der Aktienkurs. Das heißt: Wenn ein Spieler den Prozentwert einer Partei für überbewertet hält, verkauft er diese Papiere. Hält er eine Partei im Markt für zu tief bewertet, kauft er deren Aktien. 

Nach Bekanntgabe des amtlichen Ergebnisses kauft die Bank alle Aktien zum geltenden Kurs zurück.

Wann kann gehandelt werden?

Täglich um 7 Uhr ist Handelsbeginn, die Wahlbörse schließt um 23 Uhr. Achtung: Am Wahltag (24. September) schließt die Wahlbörse bereits um 12 Uhr.

Was passiert nach der Wahl mit dem eingezahlten Startgeld?

Jeder Euro, der eingezahlt wird, wird auch wieder an die Spieler ausgeschüttet. Nach dem Ende einer Wahlbörse (also nachdem das amtliche Endergebnis fest steht) kauft die Bank automatisch alle entsprechenden Aktien zum geltenden Kurs zurück. Der Rückkaufwert jeder einzelnen Partei-Aktie (in ProCent) entspricht dem erreichten Wahlergebnis der betreffenden Partei in Prozentpunkten.

Dann wird das Geld den Spielern zurück überwiesen. Einige Spieler machen dabei Gewinne, andere Verluste. Insgesamt gleichen sich alle Gewinne und Verluste aus. Von daher spricht man von einem Nullsummenspiel. Ausgeschüttet wird also genau der Betrag, den alle Teilnehmer gemeinsam eingezahlt haben. Nur bekommen die Börsianer, die erfolgreich gehandelt haben, ein größeres Stückchen des Kuchens.

Grundsätzlich können Teilnehmer eine Rücküberweisung des eigenen Guthabens jederzeit beantragen. Investiertes Geld kann aber nur zurückgefordert werden, nachdem die bislang erworbenen Aktien wieder abgestoßen worden sind.

 

Tipps vom Wahlbörsen-Leiter Walter Mohr

Wann sollte ich eine Aktie kaufen – und wann nicht?

Angenommen, Sie vermuten, dass eine bestimmte Partei bei der Wahl 20 Prozent der Stimmen (entspricht 20 ProCent) erhalten wird. Bietet ein anderer Spieler diese Partei nun für 18 ProCent zum Verkauf an, sollten Sie zuschlagen, denn Ihrer Einschätzung nach, wird der Kurs dieser Aktie steigen. Ist aber ein Spieler bereit, diese Aktie für mehr als 20 ProCent zu kaufen, sollten Sie ihm Ihre Anteile verkaufen, weil er die Aktie aus Ihrer Sicht überbewertet.

Kaufe ich also die Aktien, die meiner eigenen Wahlabsicht entsprechen?

Nein. Es geht bei der Börse nicht um die eigene Wahlabsicht, sondern darum, den Trend vorherzusehen und Rendite zu machen. Wenn Sie nach der eigenen Präferenz urteilen, sind Sie mit ziemlicher Sicherheit im Minus. „Es gibt eine Renditerangliste bei uns: Die Leute haben großen Ehrgeiz, dort unter den Besten zu landen“, erklärt Mohr. So werde die Prognose umso besser. Mohrs Tipp lautet deshalb: „Möglichst nicht nur nach Präferenzen spielen!“

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erstellt am 24.Jul.2017 | 17:33 Uhr

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