Kommunalwahl 2018 : Von Frauen, Männern und der Politik

Kreistag

Mitglieder des Husumer Kreistages bei einer Sondersitzung im November 2017.

100 Jahre Frauenwahlrecht – dennoch sind im Jahr 2018 sind Frauen nicht einmal zu einem Drittel in Parlamenten vertreten.

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13. April 2018, 11:26 Uhr

Jahrhundertelang war die Politik eine Männerdomäne. Nicht nur, weil es so üblich war, sondern auch weil es Frauen verboten war, das öffentliche Leben mitzugestalten. Sie durften nicht für öffentliche Ämter kandidieren, und sie durften auch nicht wählen, wer politische Entscheidungen treffen darf. Die Geburtsstunde des Frauenwahlrechts in Deutschland war der 12. November 1918 – vor 100 Jahren.

Frauen in deutschen Parlamenten

Der Weg zu gleicher politischer Partizipation ist zäh: Bis 1987 stellten Frauen nie mehr als zehn Prozent der Abgeordneten im Bundestag. Auf Länderebene wurde die Zehn-Prozent-Marke 1984 überschritten, in Kommunalparlamenten 1983. Von nun an sollte es stetig bergauf gehen. Bis 1998 rund 31 Prozent der Bundestagsabgeordneten Frauen waren. Auch in den Landtagen wuchs der Frauenanteil bis Ende der 1990er Jahre auf rund 30 Prozent. Ähnlich sieht es in der Kommunalpolitik aus: 1996 war jeder vierte Sitz in den Kommunalparlamenten von einer Frau besetzt.

Was hat sich bis heute getan? Die Zahlen stagnieren: Im aktuellen Bundestag sind 30,6 Prozent aller Abgeordneten weiblich, im aktuellen Kieler Landtag sind es 30,1 Prozent – nicht mal ein Drittel. Und auch in den Kommunalparlamenten ist, sowohl deutschlandweit als auch in Schleswig-Holstein, noch immer nur jedes vierte Mandat von einer Frau besetzt – 25 Prozent.

Warum ist das so?

Woran liegt es also, dass Frauen in den Parlamenten unterrepräsentiert sind? Können, dürfen oder wollen sie einfach nicht?

Ist es überhaupt wichtig, dass Frauen und Männer zu gleichen Teilen im Parlament vertreten sind? Eine gute Frage. Schließlich sollen Politiker Repräsentanten des ganzen Volkes sein, egal ob sie männlich oder weiblich, schwarz oder weiß, arm oder reich oder muslimisch oder christlich sind.

Aus demokratietheoretischer Sicht ist es allerdings nicht egal: Idealer weise sollten Parlamente einen Querschnitt der Gesellschaft widerspiegeln. Wäre der Zugang zu politischen Ämtern einigen Bevölkerungsgruppen nicht durch Hindernisse welcher Art auch immer erschwert, wäre das wahrscheinlich auch der Fall.

Eine politische Herrschaft des Mannes, die sich über Jahrhunderte hinweg festgesetzt hat, wird nicht über Nacht gebrochen. Aber es gibt Faktoren, die die politische Partizipation der Frau begünstigen und jene, die sie erschweren. Einige Beispiele.

Das Wahlsytem

In Deutschland wird mit der personalisierten Verhältniswahl gewählt. Das bedeutet, dass die Mandate im Parlament etwa zur Hälfte (mittels Mehrheitswahl) von Direktkandidaten besetzt werden und zur anderen Hälfte verhältnismäßig zu den Stimmenanteilen an die Parteien vergeben werden, die die Sitze mit Kandidaten von ihren Listen besetzen (Verhältniswahl). Die unterschiedlichen Wahlsysteme könnten sich unterschiedlich auf die Frauenrepräsentation auswirken.

Man könnte zum Beispiel annehmen, dass Parteien für die Direktkandidatur männliche Kandidaten bevorzugen, weil Frauen immer noch das Stigma des „schwachen Geschlechts“ anhaftet und sie sich im harten Wortgefecht vielleicht nicht gegen die Konkurrenz durchsetzen können. In diesem Fall würde das Mehrheitswahlsystem Frauen wohl benachteiligen. Aber das klingt doch ziemlich an den Haaren herbeigezogen.

Oder nicht? Im aktuellen Kieler Landtag liegt der Frauenanteil unter den Direktmandaten bei 19,4 Prozent (6 von 31 Direktmandaten). Die Sitze der Listenkandidaten werden zu 38,1 Prozent von Frauen besetzt – Zufall?

Parteiinterne Quoten

Das liegt natürlich auch stark daran, dass die CDU keine Frauenquote hat und 22 der 31 Direktmandate inne hat – zwei von ihnen sind Frauen.

Würden die Grünen oder die Linke, die ihre Listenplätze zu 50 Prozent an Frauen vergeben, Direktkandidaten entsenden, sähe das Bild wahrscheinlich anders aus. Zwar gelten die Quoten für die Wahllisten, allerdings lässt das vermuten, dass sich die Einstellung zur Frauenrepräsentation auch auf die Direktkandidaturen auswirken würde. Neben den Grünen und den Linken hat nur noch die SDP eine Quotenregelung für die Listen (40 Prozent).

Eine linke Regierung würde das Bild sicherlich verändern. Die SPD stellt immerhin vier Direktkandidatinnen (von insgesamt neun).

Sozialstruktur

Besonders für das Amt in der Kommunalpolitik sind soziostrukturelle Voraussetzungen wichtig. Denn die Kommunalpolitiker arbeiten ehrenamtlich.

Unterschiedliche Studien haben gezeigt, dass gewisse Ressourcen wie Zeit, Geld und Bildung förderlich sind, um sich in der Kommunalpolitik zu engagieren:

  • Frauen sind heute sehr viel häufiger berufstätig als früher. Trotzdem übernehmen sie oft einen Großteil der häuslichen Arbeit, weshalb vielen eine Doppelbelastung zugesagt wird. Das könnte zum Beispiel ein Grund dafür sein, warum Frauen schlichtweg die Zeit fehlt, sich politisch zu engagieren.
  • Außerdem ist Deutschland im EU-Vergleich eines der Schlusslichter in Bezug auf Einkommensungleichheit zwischen Männern und Frauen. Die finanzielle Unabhängigkeit ist ein Luxus, der ein ehrenamtliches Engagement erleichtert.
  • Auch Bildung spielt eine wichtige Rolle. In Deutschland hat sich gezeigt, dass Leute mit hohem Bildungsgrad eher dazu neigen, politisch zu partizipieren als weniger gebildete.
Kultur

Die klassische Rollenverteilung hat sich in großen Teilen der Gesellschaft festgesetzt und löst sich nur schleppend auf. Wie stark diese Strukturen verankert sind, hat unter anderem auch damit zutun, ob jemand sehr konfessionell ist, oder ob man in einer ländlichen Region oder einer Großstadt lebt.

Trends und gesellschaftliche Umbrüche werden erst in Großstädten beobachtet, bevor sie die Provinz erreichen. Das gilt auch für die gesellschaftliche Rolle der Frau.

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