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Trassenplanung in Nordfriesland und Dithmarschen : Viel Wind um die Westküstenleitung

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In Husum stellen Tennet und Energiewendeminister Habeck die geplante Trasse für die Westküstenleitung vor. Kommenden Herbst soll Baubeginn für die Höchstspannungsleitung sein - wenn keine Klagen eingereicht werden.

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erstellt am 09.Dez.2013 | 19:33 Uhr

Husum | Ganz in schwarz steht Robert Habeck Montagabend vor den über 300 Gästen im Husumer Messezentrum: Der grüne Energiewendeminister wirkt etwas müde als er den Gegnern des Ausbaus der Höchstspannungs-Freileitung an der Westküste erklärt, warum das Kabel nicht unter der Erde verlegt wird – und der Bau schon 2018 fertig sein soll.  „Wir konnten nicht alle überzeugen, aber wir haben die bestmöglichste Leitung bekommen, sowohl was die Trassenführung als auch die Technik angeht“, sagt Habeck, der den 1800 Bürgern für die Debatte dankt, die sie auf den  20 Informationsveranstaltungen in Dithmarschen und Nordfriesland geführt haben.

Seit Montag steht fest, wo die Trasse verlaufen wird – meist  dort, wo es schon 110 KV-Leitungen gibt, die nun auf die 380 KV-Leitung aufgesattelt wird. Bis zum Herbst will Netzbetreiber Tennet die Bürger zwischen Heide und Husum direkt ansprechen, wenn die Leitung ihre Grundstücke berührt. „Wir werden versuchen, die Menschen zu überzeugen, ihren Grund zur Verfügung zu stellen – es gibt ja auch eine Entschädigung“, sagt Christian Schneller von Tennet. Wenn das nichts nütze bleibe nur die Enteignung. Im Einzelfall  sei es aber noch möglich, über Maststandorte zu sprechen – bis Herbst 2014 im Abschnitt von Heide bis Husum, bis Anfang 2015 im Abschnitt zwischen Husum und Niebüll. 2017 soll  gebaut werden, wenn es keine Klagen dagegen gibt.

Doch genau dafür sammelt André Tesch bereits Spenden:  „Die Trassenplanung war von Anfang an so wie jetzt, wir haben nichts beeinflussen können“, sagt der Mann von der Bürgerinitiative Westküste trassenfrei, der im Saal sitzt und dessen Haus in Fedderingen (Dithmarschen) mitten im  Korridor steht.  „Die Debatte ist eine Farce.“ Wenn Habeck sagt, dass die Gegner der Freileitung zahlenmäßig nicht zugenommen haben, lacht Tesch, der mehr Zeit für die Energiewende fordert. „Viele wissen noch immer nicht, dass Sie eine Freileitung vor die Nase gesetzt bekommen. Die kommen erst noch zu uns.“ Und so ist der Montag kein schwarzer für ihn, sagt Tesch. „Wir machen weiter.“

Die 380-Kilovolt-Leitung von Brunsbüttel nach Niebüll ist nach Angaben des Ministeriums ein wichtiger Baustein für die Energiewende.  Sie war als erste Bürgernetzleitung geplant, Netzbetreiber Tennet hatte 160.000 Haushalte in Dithmarschen und Nordfriesland angeschrieben, doch nur 1500 forderten Unterlagen. Davon zeichneten 142 die Anleihe und investierten insgesamt 833.000 Euro. Tennet hatte daraufhin angekündigt, das Verfahren neu auszurichten. Damit die rund 150 Kilometer lange „Windstrom-Sammelschiene“ schnell und für Mensch und Natur verträglich geplant und gebaut werden kann, wurden seit Jahresbeginn Anwohner und Verbände in die Planungen einbezogen. Auf rund 20 Veranstaltungen wurden Kritik und Verbesserungsvorschläge von mehr als 1000 Menschen gesammelt. Die Bürgerleitung - die Beteiligung der Bürger an der Finanzierung - erwies sich allerdings als Flop.

Die Karte des Trassenverlaufs im PDF:  westküstenleitung

Fragen und Antworten zur Westküstenleitung.

Wo soll die Westküstenleitung verlaufen?

Auf einer Länge von etwa 150 Kilometern soll die Leitung zwischen Brunsbüttel und Niebüll Windenergie aufnehmen und weiterleiten. Der Projektabschnitt von Brunsbüttel nach Heide umfasst etwa 50 Kilometer. Zwischen Heide und Niebüll sind weitere 100 Kilometer geplant. Hier wird die Raumverträglichkeit untersucht. Der Verlauf der Stromtrasse ist rund um Husum und Eiderstedt umstritten.

Warum wird die Leitung gebraucht?

Nahezu die Hälfte des in Schleswig-Holstein erzeugten Windstroms wird an der Westküste produziert. Die Westküstenleitung soll die Windenergie nach Süden transportieren, gleichzeitig aber auch Strom aus Dänemark und Skandinavien für den europäischen Strombinnenmarkt und für den internationalen Stromhandel durch Deutschland leiten. Der Bau der 380-kV-Leitung ist daher eines der zentralen Infrastrukturprojekte im Zuge der Energiewende in Schleswig-Holstein. Die Leitung wurde im Netzentwicklungsplan als notwendige Ausbaumaßnahme von der Bundesnetzagentur bestätigt. Im Sommer 2013 fand sie Eingang in das Bundesbedarfplangesetz der Bundesregierung.

Wer ist für den Bau zuständig?

Der Höchstspannungsnetzbetreiber Tennet. Das niederländische Unternehmen hat seinen Hauptsitz in Arnheim, die Unternehmensleitung von Tennet Deutschland befindet sich in Bayreuth.

Wie war die Resonanz beim Bürgerdialog?

Mehr als 1000 Bürger von der Westküste brachten sich bei rund 20 Veranstaltungen mit Verbesserungsvorschlägen im Zusammenhang mit der Westküstenleitung ein. Tennet hat unter anderem ein Projektbüro in Husum eingerichtet.

Was wurde aus der Bürgerleitung?

Am 14. Juni gaben Tennet-Geschäftsführer Lex Hartmann, Bundesumweltminister Peter Altmaier (CDU) und Ministerpräsident Torsten Albig (SPD) den Startschuss für die Bürgerbeiligung. 15 Prozent der Investitionssumme von 210 Millionen Euro sollten Bürger dazugeben. Tennet bot den Anliegern der Westküstenleitung eine Anleihe an, die mit drei bis fünf Prozent ab Baubeginn verzinst werden sollte. Insgesamt zeichneten 142 Haushalte die Anleihe und investierten 833.000 Euro. Tennet hatte rund 160.000 Haushalte angeschrieben. Immerhin kommunikativ sei die Kampagne ein Erfolg gewesen, heißt es bei Tennet.

Warum war das Bürgernetz ein Flop?

Bei einer Umfrage des Netzbetreibers erklärte nahezu die Hälfte der befragten Anwohner und Grundstückseigentümer, ihnen fehle das notwendige Kapital zum Erwerb von Anleihen. 39 Prozent fanden die angebotene Bürgerbeteiligung „nicht interessant“, rund ein Viertel fand das Produkt zu kompliziert. Mehr als jeder Vierte gab zudem an, grundsätzlich kein Interesse an derartigen Investments zu haben.

Ist jetzt die Finanzierung gefährdet?

Nein. „Die Finanzierung steht – auch ohne Bürgerbeteiligung“, sagte Tennt-Sprecherin Ulrike Hörchens im September. Die fehlende Summe habe der Konzern anderweitig finanziert.

Wann soll der Strom fließen?

Seit fast einem Jahr läuft der Planungsprozess. Nach derzeitigem Planungsstand wird die Stromtrasse im Jahr 2018 auf allen vier geplanten Abschnitten in Betrieb gehen.

 
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