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Kampf gegen IS : Video: Erste Tornados aus Jagel zu Syrien-Einsatz gestartet

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Die Bundeswehr steht unmittelbar vor einem heiklen Einsatz. Deutsche Piloten sollen in Syrien den Kampf gegen die Terrormiliz IS unterstützen. shz.de zeigt ein Video aus Jagel.

shz.de von
erstellt am 10.Dez.2015 | 16:44 Uhr

Die beiden ersten deutschen Tornado-Jets sind am Donnerstagvormittag vom schleswig-holsteinischen Jagel aus zu ihrem Antiterror-Einsatz in Syrien aufgebrochen. Vor dem Start hatte der Kommandierende General des Luftwaffentruppenkommandos, Generalleutnant Helmut Schütz, den Soldaten in einem militärischen Appell Mut zugesprochen: „Ich weiß, was es für ein Kraftakt sein muss, für sie und auch für ihre Familien“. Der Einsatz sei nicht risikolos, aber die Soldaten seien gut trainiert und vorbereitet. Der IS terrorisiere gewaltsam und mit äußerster Brutalität nicht nur eine ganze Region, sondern verübe mittlerweile Anschläge überall auf der Welt, sagte Schütz.

Der Einsatz in Syrien gilt als eine der heikelsten Missionen in der Geschichte der Bundeswehr. Der Einsatz für die Soldaten aus Jagel könnte gefährlich werden. Sie sollen in Syrien beim Kampf gegen den IS helfen. Der Bundestag hatte am Freitag die Entsendung von maximal 1200 Soldaten beschlossen.

Ministerpräsident Torsten Albig verabschiedete die ersten Soldaten zu ihrem Einsatz in Syrien. Er sicherte den Soldaten die Unterstützung und Rückendeckung des Landes zu. „Schleswig-Holstein steht an Ihrer Seite.

Ministerpräsident Torsten Albig (SPD) spricht am Donnerstag in Jagel zu den Soldaten, die in die Türkei fliegen werden.
Ministerpräsident Torsten Albig (SPD) spricht am Donnerstag in Jagel zu den Soldaten, die in die Türkei fliegen werden. Foto: Carsten Rehder/dpa

Jetzt ist die Stunde, in der wir uns alle vor unsere Soldatinnen und Soldaten stellen. Sie haben ein klares, verbindliches Mandat für Ihren Einsatz und unsere volle Solidarität“, sagte Albig in Jagel. Der Regierungschef dankte den gut 40 Einsatzkräften des Vorkommandos des Luftwaffengeschwaders 51, dass sie bereit seien, diese verantwortungsvolle und schwierige Aufgabe zu übernehmen. „Ich weiß, dass Sie die Besten sind, die unsere Bundeswehr für diese Aufgabe hat. Deutschland und unsere Bündnispartner erwarten ausgesprochen viel von Ihnen: Die Lage in der Region ist unübersichtlich und komplex, und es gibt Risiken“, so Albig.

Ein Airbus A400M der Luftwaffe startet am Donnerstag in Jagel (Schleswig-Holstein) mit einem Vorauskommando und Material an Bord in Richtung Türkei.
Ein Airbus A400M der Luftwaffe startet Donnerstag in Jagel mit einem Vorauskommando und Material an Bord in Richtung Türkei. Foto: Carsten Rehder
 

Zur Unterstützung des Kampfes gegen die Terrormiliz  Islamischer Staat (IS) in Syrien bekamen die ersten beiden Tornados am Donnerstag in Jagel die Startfreigabe. Erste Station der Aufklärungsjets ist Incirlik in der Türkei. Von dort sollen sie voraussichtlich im Januar zu ihren ersten Aufklärungsflügen aufbrechen. Ebenfalls von Jagel aus machte sich am Vormittag ein Vorauskommando aus rund 40 Soldaten in einem Airbus A400M auf den Weg in die Türkei. Mit an Bord haben die Soldaten acht Paletten an Kommunikationstechnik und Gerätschaften für ihre Basis.

Hintergrund: Der „Tornado“ im Aufklärungseinsatz

Tornados sind zweisitzige Kampfflugzeuge, von denen seit 1981 fast 360 Stück an die Bundeswehr ausgeliefert wurden. Heute verfügt die deutsche Luftwaffe nach eigenen Angaben noch über 85 Kampfjets dieses Typs. Die Basisversion IDS (Interdiction Strike) ist für Luftangriffe und zur Unterstützung von Bodentruppen aus der Luft konzipiert, ein Teil davon - sogenannte Recce-Tornados - speziell für die Aufklärung gerüstet. „Recce“ basiert auf dem englischen Wort „reconnaissance“ - zu deutsch „Aufklärung“ oder „Erkundung“.

In einem Behälter unter dem Rumpf tragen die Maschinen optische Kameras und einen Infrarotscanner mit sich. Tornados dieser Art kamen zum Beispiel während des Balkankonflikts und in Afghanistan zum Einsatz, aber auch bei den Hochwasserkatastrophen an Rhein, Donau, Oder und Elbe.

Seit 2009 ist die neueste Generation des Systems verfügbar - das digitale Aufklärungssystem „RecceLite“ (Reconaissance Litening Targeting Pod). Mit Hilfe eines hochauflösenden elektro-optischen Sensors und eines Infrarot-Sensors sammelt es bei Tag und Nacht digitales Bildmaterial aus niedriger und mittlerer Höhe. Die Ergebnisse des Aufklärungsfluges können in Echtzeit an die Bodenstation übertragen werden.

Um unabhängig weltweit im Einsatz zu sein, werden die Tornados bei Bedarf von Tankflugzeugen der Luftwaffe unterstützt. Der auf der Frachtversion aufbauende Airbus A310 MRTT verfügt über vier im unteren Laderaum eingebaute Zusatztanks. Sie können bis zu 72 Tonnen Flugbenzin aufnehmen und bis zu 45 Tonnen abgeben.

 

Insgesamt sollen sechs Tornados zum Einsatz kommen. Nach vorläufigen Planungen soll das Geschwader aus Jagel vier der ersten sechs Maschinen stellen, das Taktische Luftwaffengeschwader 33 aus Büchel in Rheinland-Pfalz die beiden anderen. Ein Tankflugzeug aus Köln-Wahn fliegt am Donnerstag erst nach Jagel, um dann mit den Tornados in die Türkei zu fliegen. Die Treibstoffversorgung in der Luft ermöglicht den Piloten längere Angriffsoperationen. Die deutschen Piloten sollen die Nationen unterstützen, die Luftangriffe auf mutmaßliche IS-Stellungen fliegen.

Ein Tornado startet am Donnerstag in Jagel in Richtung Türkei.
Ein Tornado startet am Donnerstag in Jagel in Richtung Türkei. Foto: dpa
 

Zum deutschen Beitrag gehört auch die Fregatte „Augsburg“. Sie hat sich einem multinationalen Verband des Flugzeugträgers „Charles de Gaulle“ angeschlossen. Zusammen mit Kriegsschiffen aus Großbritannien, Belgien und Frankreich soll sie den Flugzeugträger bei seinem Einsatz gegen den IS schützen.

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