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Demo in Kiel : Video: DRK-Schwestern kämpfen gegen UKSH-Sparpläne

vom
Aus der Onlineredaktion

„Diagnose: Totalschaden.“ Rund 100 Pflegekräfte des DRK gehen in Kiel auf die Straße. Im Video kommen sie zu Wort.

Kiel |

Die Kündigung der sogenannten Gestellungsverträge der DRK-Schwesternschaften durch das Universitätsklinikum Schleswig-Holstein (UKSH) sorgt weiter für Streit. Eine Sitzung des Sozialausschusses, in der sich UKSH-Vorstandschef Jens Scholz den Fragen der Abgeordneten stellen musste, wurde am Donnerstag von einer Demonstration von rund 100 Schwestern begleitet. „Wir wollen auf keine der DRK-Schwestern verzichten“, sagte Scholz. Das Einsparpotenzial für das Klinikum bezifferte er auf etwa 750.000 Euro im Jahr. Allein die Verwaltungspauschale habe im vergangenen Jahr 412.000 Euro betragen.

Scholz will die Krankenschwestern zu denselben Bedingungen direkt einstellen. Ihre bisherigen Berufsjahre sollen voll angerechnet, auf eine Probezeit und eine ärztliche Untersuchung soll verzichtet werden. Das UKSH sei ein „weltoffenes Klinikum mit Mitarbeitern aus 87 Nationen“ und mit sämtlichen Religionen, sagte Scholz. Er kenne keinen Grund, warum dazu nicht auch DRK-Angehörige zählen könnten.

Sozialministerin Kristin Alheit (SPD) betonte: „Die Pflegekräfte am UKSH leisten wertvolle Arbeit, unabhängig davon, wer sie anstellt.“ Bisher sind die Schwestern Mitglieder in den Vereinen des Deutschen Roten Kreuzes und werden von diesen bezahlt. Im Dezember hatte das UKSH die Gestellungsverträge für die Pflegekräfte des DRK gekündigt. Das Klinikum will die Schwestern direkt bei sich anstellen, damit Kosten senken und leichteren Zugriff auf das Personal haben.

Dagegen warnte DRK-Landesvorstand Torsten Geerdts: „Die durch den UKSH-Vorstand beabsichtigte Beendigung der Zusammenarbeit mit den DRK-Schwesternschaften wird zu Mehrkosten führen.“ Zudem sei eine dramatische Verschlechterung in der pflegerischen Versorgung innerhalb des UKSH zu erwarten. „Wie kann man in einer Zeit des Fachkräftemangels nur in so einem Stil mit den hervorragend ausgebildeten Pflegekräften umgehen?“

Im Gegensatz zu Scholz kam ein Gutachten im Auftrag der Schwesternschaften zu der Einschätzung, das bisherige Modell der Gestellungsverträge sei um 253.000 Euro günstiger. „Wir haben unsere Kalkulationen transparent gemacht und vorgerechnet, dass wir ein wirtschaftlich attraktiver Partner sind“, sagte Maria Lüdeke, Oberin der Schwesternschaft Kiel.

Laut DRK gehen bei den Schwesternschaften täglich neue Jobangebote norddeutscher Kliniken und Träger ein. Dem Uni-Klinikum drohten damit große Engpässe, weil der Markt qualifizierter Pflegekräfte leer sei.

Mit Losungen auf Transparenten wie „Wo bleibt die Perspektive?“ machten die Schwestern ihren Unmut deutlich. Die CDU-Sozialpolitikerin Katja Rathje-Hoffmann forderte das UKSH auf, vor einer endgültigen Entscheidung die Stellungnahme des Landesrechnungshofs zur Frage der Kosten abzuwarten.

Ex-Sozialminister Heiner Garg (FDP) kritisierte Scholz scharf. „Dass der UKSH-Vorstandsvorsitzende die besondere Form der Arbeitnehmerüberlassung im Wege von Gestellungsverträgen mit den DRK-Schwesternschaften heute als ,Leiharbeit' bezeichnet, die beendet werden müsse, halte ich für unangebracht und nicht angemessen.“

Kritik zwar nicht in der Sache, aber an der Kommunikation gab es auch von der SPD. „Die unternehmerische Entscheidung des UKSH, den Gestellungsvertrag mit dem DRK zu kündigen, haben wir zur Kenntnis genommen. Die Gründe dafür sind nachvollziehbar, die Kommunikation ist allerdings verbesserungswürdig“, sagte die SPD-Abgeordnete Birte Pauls.

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erstellt am 05.Feb.2015 | 16:46 Uhr

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