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Kommentar : Vertrauensmann für Tierschutz: Placebo fürs Gewissen

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Edgar Schallenberger ist der neue Vertrauensmann – die Verantwortung bleibt trotzdem beim Konsumenten. Ist der neue Posten nichts weiter als ein Placebo? Ein Kommentar von Kathrin Emse.

Kiel | Eines vorweg: Nicht jeder Bauer, der Intensivtierhaltung betreibt, wie Massentierhaltung mittlerweile beschönigend genannt wird, ist ein Sadist. Bei Fleischpreisen von nicht einmal zwei Euro pro Schnitzel muss sich jeder, der im Discounter seine Fleischeslust stillt, an die eigene Nase fassen, wenn er Tierquälerei in der Nutztierhaltung beklagen will. Der Preis bestimmt den Grad der Tierwürde und -ethik, die wir Menschen uns zu leisten bereit sind. 1950 lag dieser noch bei 1,6 Prozent des monatlichen Nettoverdienstes für ein Kilogramm Schweinefleisch, 2002 waren es nur noch 0,28 Prozent; Tendenz: fallend. Das allein spricht Bände. Soll sich in deutschen Ställen also wirklich etwas verändern, ist jeder einzelne Fleischkonsument gefragt. Reden alleine reicht da nicht. Hier hilft nur Verzicht auf der einen und ein tieferer Griff in die Geldbörse bei alternativen Fleischproduzenten auf der anderen Seite. Ein Vertrauensmann aber kann da wenig ausrichten.

Überhaupt ist dieser neue, vom grünen Agrarminister Robert Habeck eingerichtete Posten nichts anderes als ein Placebo. Für die Konsumenten, die sich beruhigt zurücklehnen können, weil’s da nun einen gibt, der Bauern auf die Finger schaut. Und für die Politiker, besonders Herrn Habeck, weil er von sich sagen kann, dass er etwas tut – ohne den Bauern auf den Schlips zu treten. Aber unabhängig vom Preis gibt es eben immer auch skrupellose Fleischproduzenten, die im Tier nichts anderes sehen als ein Produkt. Diese lassen sich nur durch schärfere Kontrollen von Seiten der Veterinärämter aufspüren und stoppen. Derzeit fast ein Ding der Unmöglichkeit angesichts von 1700 Viehhaltern und 40 Veterinärlern, von denen nur 21 (!) Tierärzte sind. Aber das würde kosten – und Unfrieden stiften. Dann doch lieber ein Placebo und alles bleibt wie es ist.

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erstellt am 20.Aug.2014 | 08:27 Uhr

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