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Hauptgrund Krankheiten : Unterricht in SH: Wie viele Schul-Stunden ausfallen

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Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Nur 92 Prozent Unterricht wird wie geplant erteilt. Das Land will gegensteuern – unter anderem mit Senior-Lehrkräften.

shz.de von
erstellt am 05.Nov.2015 | 19:48 Uhr

Kiel | Seit Übernahme ihres Amtes hat Bildungsministerin Britta Ernst (SPD) Druck gemacht. Sie wollte wissen, warum Unterrichtsstunden ausfallen und wie gut gegebenenfalls das Ersatzangebot ist. Bislang war das wegen fehlender Statistiken und IT-Programme nicht möglich. Doch jetzt hat das Stochern im Nebel ein Ende: Ernst bekommt Antwort durch das neue „Portal zur Unterrichtserfassung Schleswig-Holstein“ (Push). Im Zeitraum von Oktober 2014 bis Juli 2015 sind demnach rund zwei Prozent der Unterrichtsstunden aller Schularten ersatzlos ausgefallen, rund sechs Prozent seien nicht planmäßig, sondern innerhalb von Vertretungskonzepten unterrichtet worden.

Die Ministerin betonte am Donnerstag, es gebe allerdings große regionale Unterschiede und an einzelnen Schulen teils erhebliche Abweichungen von diesen landesweiten Werten. „92 Prozent aller in den Stundenplänen unserer Schulen vorgesehenen Unterrichtsstunden sind wie geplant erteilt worden. Wir wollen, dass dieser Wert besser wird“, sagte Ernst.

Das verlangt auch die Opposition. „Die Zahlen sind nicht zufriedenstellend. Acht Prozent aller Unterrichtsstunden sind nicht planmäßig erteilt worden. Konkret bedeutet das: Fast jede zwölfte Stunde ist entweder ausgefallen oder musste durch Vertretungspläne der Schulen abgedeckt werden“, bemängelte die schulpolitische Sprecherin der CDU Heike Franzen. „Hinzu kommt die ohnehin nicht ausreichende Unterrichtsversorgung, die derzeit nur bei 95 Prozent liegt“. Damit würden sich die Hochrechnungen des Landesrechnungshofes zum Unterrichtsausfall bestätigen.

Auch Ernst sieht diese Lücken. Dennoch wüsste jeder Schulpraktiker, dass ein „Unterrichtsausfall 0“ mit noch so guten Vertretungskonzepten unerreichbar bleibe, erklärte sie. „Wenn an einem Montagmorgen plötzlich in einem sechsköpfigen Team drei Lehrkräfte wegen Grippe fehlen, wird es immer schwierig sein.“

Die Push-Ergebnisse zeigten, dass Krankheit der Lehrkräfte mit 60 Prozent der Fälle der Hauptgrund für nicht planmäßig erteilten Unterricht und ersatzlosen Unterrichtsausfall sei. Mit 31 Prozent folgten die Bindung von Lehrkräften durch Prüfungen, Projekttage und Lernen am anderen Ort. Fort- und Weiterbildungen (5 Prozent), Sonderurlaube (4 Prozent) seien weitere Gründe.

Positiv beurteilte die Ministerin, dass die schulinternen Vertretungspläne offenbar gut funktionieren. So würden die nicht nach Stundenplan erteilten, aber ersetzten Unterrichtsstunden zu 34 Prozent von Lehrkräften aus deren Stundensoll erteilt, zu zehn Prozent durch Mehrarbeit und zu sechs Prozent von Lehrkräften, die aus dem Vertretungsfonds honoriert werden. Zusammenlegungen von Lerngruppen (18 Prozent), die Aufhebung von Doppelbesetzungen in den Lerngruppen, der befristete Verzicht auf Förder- und Wahlunterricht (14 Prozent) sowie eigenverantwortliches Arbeiten seien weitergehende Maßnahmen der Schul-Vertretungspläne.

Künftig sollen zusätzliche Lehrerstellen, Senior-Lehrkräfte und auch Erstexaminierte (vor dem Referendariat) im Kampf gegen den Unterrichtsausfall helfen. Zudem hofft Ernst, dass Push bald belastbare Zahlen zum Krankenstand der Lehrkräfte liefert.

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