zur Navigation springen

Kommentar zur Pkw-Maut : Unter Nachbarn

vom

Schleswig-Holstein und Dänemark haben in der Verkehrspolitik viele gemeinsame Interessen – und ein neues Problem. Ein Kommentar von Helge Matthiesen.

shz.de von
erstellt am 03.Dez.2013 | 07:12 Uhr

Schleswig-Holstein und Dänemark sind in der Verkehrspolitik aufeinander angewiesen. In absehbarer Zeit wird es die feste Fehmarnbelt-Querung geben. Dann braucht Dänemark die Unterstützung des Landes, damit die Autobahn nicht schon am Fehmarn-Sund endet. Dänemark braucht Schleswig-Holstein, um seine Westküste zu entwickeln, der die Entvölkerung droht. Anders als in Deutschland haben die Dänen nämlich begriffen, dass nur eine gute Verbindung zu den Metropolen Kopenhagen und Hamburg hilft, dieses Problem zu lösen. Deswegen wollen sie einen neuen Verkehrsweg bauen, der bei Tondern die Grenze erreicht und dann weiter nach Süden zur A23 führt. Was ganz nebenbei auch Nordfriesland helfen würde.

Schleswig-Holstein wiederum braucht die Dänen, wenn es sich in Berlin Gehör verschaffen will, um Geld für die Sanierung der maroden Infrastruktur an A7 und am Schienenstrang nach Norden locker zu machen. Minister Meyer braucht die Dänen auch, um bei seinem Koalitionspartner für eine aktive Verkehrspolitik zu werben. Gemeinsam könnte man vom Nachbarn lernen, wie sich Großprojekte gezielt planen und schnell umsetzen lassen.

Vor allem in Zeiten einer drohenden Pkw-Maut für alle Ausländer ist ein enger Kontakt nach Norden wichtig. Dieses Vorhaben der geplanten großen Koalition passt nicht recht zu Schleswig-Holstein, das seit Jahren am kleinen Grenzverkehr der Kunden aus Skandinavien gut verdient. Auch wenn jeder Besucher sein Ziel in Schleswig-Holstein ohne eine Plakette erreichen kann: Deutschland präsentiert sich als schlechter Nachbar und baut eine Hürde auf. Welcher dänische Autofahrer kann immer sicher unterscheiden, wo er mautfrei fahren darf und wo nicht?

Wenn das Land diese neue Abgabe schon nicht verhindern kann, dann muss es wenigstens versuchen, einen Teil der Einnahmen auch hier zu verbauen. Das könnte auch die Dänen wieder besänftigen.

zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen