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Lehrerausbildung : Universität Kiel: „Wir werden uns wehren“

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Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Die Lehrerbildungs-Pläne von Ministerin Wende brechen der Uni Kiel das Rückgrat, fürchtet deren Präsident Professor Gerhard Fouquet.

shz.de von
erstellt am 07.Apr.2014 | 11:31 Uhr

Herr Professor Fouquet, wie sehen Sie aktuell das Verhältnis zwischen Landesuniversität und Landesregierung?

Dieses Verhältnis ist reichlich belastet. Wir haben mit dieser Regierung bis vor gut einer Woche wunderbare Erfahrungen gemacht. Nun aber müssen wir feststellen, dass es einen bisher nie öffentlich diskutierten Masterplan für die Lehrerbildung gibt.

Was heißt in diesem Zusammenhang Masterplan?

Hier geht die Politik mit dem Kopf durch die Wand. Sie verliert dabei die schwerwiegenden Folgen für die Uni Kiel aus dem Blick.

Gestärkt wird nun die Uni Flensburg.

So ist es! In 13 Fächern wird Flensburg künftig Lehrkräfte für die Sekundarstufe II ausbilden. Das kann angesichts der Finanzlage des Landes nur zu Lasten der Landesuniversität gehen. Wir werden über kurz oder lang Professuren verlieren und damit ein systemrelevantes Problem bekommen.

Können Sie das am Beispiel Biologie konkretisieren?

Wir haben in Kiel 19 Professuren. Wer in Flensburg die Ausbildung in der Sekundarstufe II anbieten will, der braucht als Minimalausstattung vier bis sechs Professuren. Diese Professuren muss man in Kiel abziehen, wenn das Land nur 1,35 Millionen Euro zusätzlich für Flensburg zur Verfügung hat. Das gefährdet die Spitzenleistung in der Biologie in Kiel.

Ein solches Risiko für die Spitzenforschung im Norden müsste die Ministerin im Blick haben.

Das hat Frau Wende aber nicht. Das zeigt auch ihr Finanzplan. Es geht der Ministerin einzig darum, ihren Masterplan umzusetzen. Wenn Kiel dabei zur Ader gelassen wird, dann riskiert dies Land auch im internationalen Bereich herausragende Erfolge in den Naturwissenschaften.

Unterfinanziert sind die Hochschulen seit Jahren. Reichen denn die 1,35 Millionen Euro extra, die Flensburg pro Jahr bekommen soll?

Wer die Minimalausstattung schaffen will, muss erst einmal mindestens 55 Millionen Euro investieren. Es reicht nicht, Praktikumsplätze im Laborbereich aufzubauen. Lehrerausbildung für die Sekundarstufe II auf Universitätsniveau heißt forschungsgestützte Lehre.

Und dazu gehört...,

...dass man den Kolleginnen und Kollegen eine Ausstattung bietet, die ihnen Forschung erst ermöglicht. In den vier naturwissenschaftlichen Fächern, die in Flensburg etabliert werden sollen, wären dafür im Minimum pro Jahr 5,7 Millionen Euro nötig.

Das wäre mehr als das Dreifache dessen, was die Landesregierung veranschlagt.

Ich weiß nicht, wie Frau Wende rechnet. Die Rechnung der Ministerin kann definitiv nicht aufgehen. Hier wird eine hochschulpolitische Wende eingeleitet. Die Politik bricht der Uni Kiel das Rückgrat für die Spitzenforschung und schadet so dem Wissenschaftsstandort Schleswig-Holstein. Und ich sage auch: Mit den Kosten, die Frau Wende veranschlagt, werden die Studiengänge in Flensburg definitiv nicht akkreditierungsfähig sein.

Nun heißt es, Konkurrenz belebe das Geschäft. Fürchten Sie die Konkurrenz aus Flensburg?

Darum geht es nicht. Wir werden in der internationalen Spitzenforschung verlieren. Die Finanzierung der CAU ist schon extrem auf Kante genäht. Da ist keine Luft mehr, es sei denn man will diese Uni zu einer provinziellen Hochschule degradieren. Unsere Konkurrentin ist im Übrigen nicht Uni Flensburg. Wir konkurrieren mit Top-Hochschulen in der ganzen Republik. Diesen Wettbewerb werden wir verlieren, wenn die Reformpläne Gesetz werden.

Es gab eine Kompromisslinie. Sieben Fächer und nicht 13 sollten in Flensburg angeboten werden.

Das waren die geisteswissenschaftlichen Fächer. Schon das hätte uns gewaltig wehgetan. Wir haben diesen Konsens aber mitgetragen, weil wir auch auf das Land schauen und weil wir wollen, dass Flensburgs Universität bleibt. Diesen Konsens hat die Ministerin aufgekündigt, indem sie nun auch die Naturwissenschaften in Flensburg etablieren will.

Wären die Exzellenzcluster an der CAU gefährdet?

Sie wären mit dieser Reform akut in Gefahr. Wir haben jede Menge Investitionen in diesem Bereich geleistet. Ob wir unter veränderten Vorzeichen mithalten können, ist fraglich.

Trotz alledem wirken die Proteste der Uni Kiel bisher eher verhalten.

Glauben Sie nicht, das wird so bleiben! Wir werden uns wehren – mit allem, was uns möglich ist. Als ich 2005 als Prorektor an der CAU anfing, habe ich im Senat erklärt, dass – solange ich hier Verantwortung trage – keine Stelle mehr von Kiel nach Flensburg geht. Ich werde alles daran setzen, dass dies so bleibt bis zum Ende meiner Amtszeit.

Welche Hoffnung haben Sie auf Korrekturen im Sinne der Uni Kiel?

Sie fragen einen Wissenschaftler. Meine Zunft setzt auf Vernunft. Aber ich weiß natürlich, wie Politik läuft. Es wird sehr darauf ankommen, wie sich die Kieler Abgeordneten im Landtag verhalten.

Wie wirkt die Entscheidung des Kabinetts auf die Zusammenarbeit der CAU mit der Uni Flensburg?

Da sich der Senat der Uni Flensburg nicht eindeutig vom Kurs der Wissenschaftsministerin distanziert, stellen wir ab sofort die Kooperation mit dieser Hochschule ein.

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