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Lehrerausbildung : Uni-Streit: Kiel setzt auf die Politik

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Miteinander geht zwischen den Unis Flensburg und Kiel im Streit um die künftige Lehrerausbildung nichts mehr. Nachdem Gespräche scheiterten, spielt die Uni Kiel den Ball an die Politik zurück – verbunden mit massiven Vorwürfen. Eine Entschuldigung kommt vom Präsidenten.

Flensburg/Kiel | Im Streit um die künftige Lehrerausbildung in Schleswig-Holstein muss nach Ansicht der Kieler Universität die Politik entscheiden. Ein Vermitteln zwischen der Kieler und der Flensburger Hochschule, wie die Lehrerausbildung aufgeteilt werden solle, mache nach dem Scheitern der gemeinsamen Gespräche keinen Sinn mehr, betonte das Uni-Präsidium um Präsident Gerhard Fouquet am Montag in Kiel. Das Präsidium bekräftigte seine Befürchtungen, der geplante Ausbau der Kapazitäten der Lehrerausbildung in Flensburg sei nur durch Kürzungen der Finanzmittel für die Kieler Universität zu erreichen.

Die im Gesetzentwurf von Bildungsministerin Waltraud Wende (parteilos) veranschlagten Kosten von 1,3 Millionen Euro Personalkosten und 1,2 Millionen Euro Investitionskosten seien viel zu niedrig. Die Kieler Uni forderte eine Expertenkommission, die eine Datenerhebung vornehmen solle - zu den Kosten, aber auch zu Doppelstrukturen und dem künftigen Lehrerbedarf bei sinkenden Schülerzahlen. Allein der Ausbau von Bibliotheken in den Geisteswissenschaften dürfte in Flensburg bis zu zehn Millionen Euro kosten, rechnete das Kieler Präsidium vor.

Bereits vor einigen Wochen hatte die Kieler Uni die in Flensburg entstehenden Mehrkosten auf jährlich mindestens 5,7 Millionen Euro allein in den vier Fächern Biologie, Physik, Chemie und Geographie geschätzt. Hinzu kämen Investitionen von mindestens 55 Millionen Euro. Man werde dem Landtag und der Landesregierung alle Berechnungen zur Verfügung stellen.

Der Sprecher des Bildungsministeriums, Thomas Schunck, wies die Kritik zurück. Die Zahlen im Gesetzentwurf seien solide. Schunck betonte, es werde demnächst ein Gespräch mit den Hochschulpräsidien im Ministerium geben. Im Juli soll der Landtag nach Anhörungen das Gesetz beschließen.

Fouquet sagte, sollte eine Expertenkommission eingesetzt werden, könne er sich nicht vorstellen, dass das Gesetz vor der Sommerpause verabschiedet werde. Kathrin Fischer, Sprecherin der Uni Flensburg, reagierte auf den Vorschlag einer Kommission reserviert: „Zunächst sollten die Experten beider Universitäten im parlamentarischen Verfahren angehört werden. Das hat noch nicht stattgefunden.“ 

Worum geht es? Die Lehrerausbildung im Norden soll reformiert werden. Strittig ist, welche Bereiche in Zukunft Flensburg übernimmt und welche Kiel. Bisher werden in Flensburg Primarstufenlehrer der Klassen eins bis vier sowie Lehrer der Sekundarstufe I (Klassen 5 bis 10) ausgebildet - in 19 Fächern. Nach einer einvernehmlichen Vereinbarung mit der Uni Kiel vom vergangenen Herbst sollten in Flensburg 7 der 19 Fächer auf Sekundarstufe-II-Niveau(Klasse 11 bis 13) angehoben werden. Sechs der Fächer werden künftig nur auf Primarstufenniveau angeboten.

Stein des Anstoßes sind geplante Änderungen: Demnach sollen in Flensburg künftig in 13 Fächern Sekundarstufenlehrer bis zur Klasse 13 ausgebildet werden. Die Universität Kiel sah den Konsens aufgekündigt, Fouquet sprach von Wort- und Vertrauensbruch. Die Uni-Kiel legte jede Zusammenarbeit mit der Uni Flensburg erst einmal auf Eis.

In Kiel werden bisher die Gymnasiallehrer ausgebildet. Die Uni Flensburg wiederum argumentiert, dass sich die Geschäftsgrundlage seit Herbst entscheidend geändert habe. Denn die ursprünglichen Pläne seien von den bisherigen Stufenlehrern I und II ausgegangen. Jetzt aber wolle Schleswig-Holstein das Sekundarstufenlehramt von Klasse 5 bis 13 einführen. Das würde bedeuten, dass Flensburg nur noch der Primarbereich bliebe und ein Angebot im Sekundarbereich in 7 Fächern. Dies sei aber eine zu geringe Zahl an Fächern und Fächerkombinationen. Die Uni Flensburg würde nach Schätzungen etwa 1000 Lehramtsstudenten verlieren und damit ihre Zukunftsfähigkeit in der Lehrerausbildung.

Die Uni Kiel legte bei dem gemeinsamen Gespräch am Freitag ein eigenes Kompromissmodell vor, das aber die Uni Flensburg abgelehnt habe. Danach würden Primarstufen- und Sekundarstufenlehrer I weiterhin in Flensburg ausgebildet werden sowie in einigen Fächern Sekundarlehrer (Klasse 5 bis 13). In Kiel würden Sekundarlehrer ausgebildet. Der Bachelor wäre in Flensburg und Kiel gleich, die Masterstudiengänge würden sich unterscheiden. Schunck wies den Vorschlag indirekt zurück. Kernpunkt des Gesetzentwurfs von Ministerin Wende sei eine gleichwertige Ausbildung zu Sekundarlehrern an beiden Standorten. „Wir wollen eine Lehrerausbildung aus einem Guss.“

Der CDU-Bildungsexperte Daniel Günther sprach von einer Farce, dass die Landesregierung die Vereinbarung mit den beiden Universitäten zunächst gebrochen und diese anschließend auf Grundlage der gebrochenen Vereinbarung in Vier-Augen-Gespräche zur Kompromissfindung geschickt habe. „Dieses Vorgehen war von Beginn an aussichtslos.“ Günther hielt der Landesregierung Versagen vor.

Unterdessen hat sich der Kieler Uni-Präsident Gerhard Fouquet für Äußerungen im Streit um die Lehrerausbildung entschuldigt. „Meine Wortwahl, was als Szenario eintreten könnte, war sehr drastisch. Wenn dies als Drohung in Flensburg aufgefasst wurde, tut es mir leid“, sagte Fouquet am Montag in Kiel. Dem „Flensburger Tageblatt“ hatte Flensburgs Uni-Präsident Werner Reinhart gesagt, sein Kieler Amtskollege Fouquet „hat uns wortwörtlich einen ‚blutigen Krieg und eine schmutzige Kampagne‘ angedroht, wenn wir ihm nicht folgen“. Die Äußerungen sollen bei dem gemeinsamen Gespräch der beiden Uni-Präsidien am vergangenen Freitag gefallen sein.

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erstellt am 05.Mai.2014 | 14:55 Uhr

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