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Radikaler Islamismus : Umgang mit Salafisten: Konzepte fehlen

vom
Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Warnungen vor Salafisten reichen nicht aus – der Staat muss handeln. Ein Kommentar von Eckard Gehm.

Die Warnung ist deutlich: Das höchste Gefährdungspotenzial geht von zurückgekehrten Salafisten aus, sagt Dieter Büddefeld, Leiter des Kieler Verfassungsschutzes. Sie seien ideologisch gefestigt und hätten eine militärische oder terroristische Ausbildung in Syrien genossen – womit das „Know-how“ zur Durchführung von Anschlägen vorhanden sei.

Leider ist das nicht die ganze Wahrheit. In Syrien werden ausländische Kämpfer offenbar dazu genötigt, Gefangenen die Kehle durchzuschneiden, um sich als vollwertige Dschihadisten zu beweisen. Darüber hat das Bundesamt für Verfassungsschutz bereits im März die Landesämter informiert. Der entsetzliche Mord an US-Reporter James Foley vor laufender Kamera ist keine Ausnahme. Islamistische Gruppen unterhalten im syrischen Bürgerkrieg offenbar sogenannte Schlachthäuser. Aus dem Ausland stammende Kämpfer sollen dorthin geführt worden sein, um sie ans Töten zu gewöhnen. Sogar 17- und 18-Jährige seien dazu angehalten worden, den Gefangenen feindlicher Kriegsparteien die Kehle durchzuschneiden. Die Rückkehrer dürften also nicht nur strategisch geschult, sondern auch vollkommen verroht sein. Bitter ist auch diese Erkenntnis des Hamburger Verfassungsschutzes: Ein Drittel der Ausgereisten sind Konvertiten. So stammt auch der maskierte ISIS-Terrorist, der Foley enthauptet hat, wohl aus London, ist gebürtiger Brite.

Konzepte, wie der Innenminister und sein Verfassungsschutzchef die Gefahr bannen wollen, sind sie bislang schuldig geblieben. Von lückenloser Überwachung oder dem Entzug des Passes wird gesprochen. Wer warnt, sollte aber klar sagen, welche konkreten Maßnahmen er ergreifen will. Das gilt nicht nur für den Kreis von Personen, der mit guten Argumenten nicht mehr zu erreichen ist. Was muss getan werden, damit junge Menschen gar nicht erst in die Radikalisierungsfalle tappen? Wenn eine rückwärtsgewandte Strömung wie der Salafismus Jugendliche anzieht, stellt sich die Frage, was an dieser islamischen Glaubensrichtung so reizvoll ist? Was hoffen junge Menschen im Salafismus zu finden, was sie anderswo zu suchen aufgegeben haben?

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erstellt am 22.Aug.2014 | 07:16 Uhr

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