Lufttransportgeschwader : Überraschender Vorstoß: Transall-Flugzeuge von Hohn nach Jagel

Sie fliegt und fliegt: Eine Transall-Maschine der Bundeswehr.
Sie fliegt und fliegt: Eine Transall-Maschine der Bundeswehr.

CDU-Wehrexperte Ingo Gädechens fürchtet, dass der jetzige Standort bei Rendsburg bald nicht mehr fürs Lufttransportgeschwader taugt.

shz.de von
07. Mai 2015, 16:16 Uhr

Hohn | Nicht mal zwei Jahre ist es her, da mussten die Transall-Flugzeuge der Bundeswehr aus Hohn bei Rendsburg nach Jagel bei Schleswig umziehen. Was damals nur ein drei Monate langes Gastspiel wegen Reparaturen an der Hohner Startbahn war, könnte nach Überzeugung des schleswig-holsteinischen CDU-Verteidigungspolitikers und Bundestagsabgeordneten Ingo Gädechens bald zu einem jahrelangen Dauerzustand werden: Gädechens regt an, die in Hohn stationierten 18 Transall-Maschinen des Lufttransportgeschwaders (LTG) 63 bald für ihren noch ausstehenden Restflugbetrieb an den nahe gelegenen Fliegerhorst Jagel zu verlegen.

Der Grund für den Vorstoß des CDU-Politikers: Während die über 40 Jahre alten Transall-Flugzeuge in Hohn entgegen ursprünglicher Planung nicht schon 2018 außer Dienst gestellt werden können, sondern nach Gädechens Einschätzung noch „bis weit in die 2020er Jahre“ gebraucht werden, wird die Bundeswehr in den Standort Hohn künftig nicht mehr investieren, da er grundsätzlich geschlossen werden soll. Deshalb könne bald der Zeitpunkt kommen, an dem ein reibungsloser Betrieb im Standort Hohn mit derzeit tausend Soldaten nicht mehr möglich ist, fürchtet Gädechens. „Jagel wäre dann eine vernünftige Lösung“, sagt er. Denn der Fliegerhorst dort wird dauerhaft weiter betrieben und stetig modernisiert, weil er auch einziger Bundeswehrstandort für Drohnen werden soll.

Der Jageler Geschwaderkommodore Michael Krah steht dem Vorstoß grundsätzlich offen gegenüber. „Platz haben wir ohne Ende“, sagt er. „Und was die Flugbewegungen betrifft, sind wir nicht ausgelastet.“ Allerdings müsste für die Transall-Maschinen kräftig in die Infrastruktur des Taktischen Luftwaffengeschwaders 51 investiert werden – in Hallen, Büros und Unterkünfte. „Ein einfaches Unterfangen wäre das bestimmt nicht“, meint Krah.

Sein Hohner Kollege Hartmut Zitzewitz glaubt ohnehin, dass sein eigener Standort auch nach 2018 noch truppentauglich wäre. Zwar müsse er derzeit davon ausgehen, dass Hohn „Ende 2018 geschlossen wird“, sagt der Kommodore des LTG 63. Aber: „Wenn eine Verlängerung der Transall über das Jahr 2018 hinaus erforderlich wird, ist eine Investition in die Infrastruktur des Flugplatzes nicht zwingend notwendig.“

Auch Verteidigungsministerin Ursula von der Leyen lässt den Vorschlag ihres Parteifreunds Gädechens zurückhaltend kommentieren. „Unsere Pläne für die Transall werden sich erst konkretisieren, wenn wir die Auslieferungsplanung für den neuen A400M bekommen“, sagt ein Sprecher von ihr.

Mitte August  zeigte sich  Ministerin Ursula von der Leyen in Hohn beim Start der Bundeswehr-Hilfsflüge in den Nordirak im Morgengrauen vor einer Transall-Maschine.
dpa
Ministerin Ursula von der Leyen vor einer Transall-Maschine.
 

Die Airbus-Maschinen vom Typ A400M sollen die Transall ersetzen und alle in Wunstorf bei Hannover stationiert werden. Allerdings hat Airbus große Probleme mit der Auslieferung: Bisher hat die Luftwaffe erst eine von 40 Maschinen erhalten. Schon jetzt zeichne sich daher ab, sagte der Sprecher, dass die alten Transall-Flugzeuge „über 2018 hinaus“ fliegen werden.

Eine andere Verlegung von Hohn nach Jagel ist übrigens bereits heute wahrscheinlich: Die Gesellschaft für Flugzieldarstellung (GFD) wird wohl mit ihren hundert Mitarbeitern und ihrem Dutzend Learjets umziehen. „Die ersten Gespräche sind geführt worden“, sagt der Jageler Kommodore Krah. Der Chartervertrag der GFD für Hohn läuft 2016 aus.

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