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Vor Bürgerversammlung : Trotz Widerstand: Escheburg will Flüchtlinge aufnehmen

vom
Aus der Onlineredaktion

Heute ist Bürgerversammlung in Escheburg. Der Ort im Kreis Herzogtum Lauenburg will nach dem Anschlag vorwärts blicken.

shz.de von
erstellt am 23.Feb.2015 | 10:59 Uhr

Escheburg | Genau zwei Wochen nach dem mittlerweile aufgeklärten Brandanschlag auf ein Flüchtlingsheim in Escheburg (Kreis Herzogtum Lauenburg) lädt die Gemeinde für Montagabend zu einer Informationsveranstaltung ein. Motto ist „Auch in Escheburg sind Flüchtlinge willkommen“. Los geht es um 19.30 Uhr im Gemeindezentrum am Hofweg.

„Wir haben zu diesem Treffen auf Initiative des Helferkreises im Namen aller Fraktionen der Gemeindevertretung eingeladen“, sagte Escheburgs Bürgermeister Rainer Bork am Montag shz.de. Bork: „Dass wir in diesem Jahr in Escheburg 40 Flüchtlinge aufnehmen müssen, war ja mindestens seit Herbst bekannt. Und es ist doch klar, dass wir uns Unterkünfte suchen müssen.“

Doch mit dem Widerstand in der Siedlung zwischen Grundschule und Golfplatz hatte man nicht gerechnet. Am 9. Februar waren Anwohner erst in die Amtsverwaltung gestürmt, um ihren Unmut vorzutragen. Als das nichts brachte, flog mittags ein Brandsatz. Den hatte ein 38-Jähriger gebastelt, der direkt nebenan wohnt. Mittlerweile wurde gegen den Finanzbeamten Haftbefehl erlassen. „Dass das da so eskalieren würde, hat mich erschüttert“, sagt Bork. Die sechs Iraker, die in das vom Amt gekaufte Holzhaus einziehen sollten, wurden zunächst an einem anderen Ort untergebracht. Doch Escheburg wird trotz des Widerstands Asylbewerber aufnehmen müssen.

In dieser Siedlung flog der Brandsatz in das Holzhaus.
In dieser Siedlung flog der Brandsatz in das Holzhaus. Foto: Timo Jann

Und deshalb möchte man jetzt in Escheburg den Blick nach vorn richten. Ralf Meyer-Hansen, Pastor in der Nachbargemeinde Börnsen, wird die Informationsveranstaltung moderieren. Unter anderem wird die leitende Verwaltungsbeamte Brigitte Mirow berichten, wie das Amt die Unterbringung der Flüchtlinge organisiert. Außerdem wird der Helferkreis erklären, wie er sich um die Menschen kümmert. „In Deutschland und vielleicht besonders in Escheburg leben wir mit dem Privileg einer sicheren Umgebung, frei von Krieg und existentieller Not. Andere Menschen haben nicht so viel Glück“, sagt Bork.

Und genau diese Menschen möchte man in dem Ort mit 3400 Einwohnern besonders willkommen heißen. Bork: „Das, was vor zwei Wochen in Escheburg passiert ist, ist nicht das Escheburg, das es wirklich ist.“ Und tatsächlich ist es so, dass sich viele Escheburger für ihre Nachbarn und die Flüchtlinge engagieren. Die, die für die Missstimmung gesorgt hatten, sind öffentlich mittlerweile verstummt. „Das war ohnehin nur ein kleiner Kreis“, sagt der Bürgermeister.

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