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Tod mit 87 : Trauer um SSW-Politiker Karl Otto Meyer

vom
Aus der Onlineredaktion

Mit Karl Otto Meyer verliert Schleswig-Holstein einen der prägnantesten Politiker seiner Nachkriegsgeschichte.

shz.de von
erstellt am 08.Feb.2016 | 12:31 Uhr

Schafflund | Er war über Jahrzehnte eine der führenden Persönlichkeiten in der dänischen Minderheit und ein bedeutender Landespolitiker für Schleswig-Holstein obendrein: Der frühere SSW-Landtagsabgeordnete und Chefredakteur von Flensborg Avis, Karl Otto Meyer, ist im Alter von 87 Jahren verstorben.

Jahrelang war der fünffache Vater Meyer als alleiniger Abgeordneter des SSW im schleswig-holsteinischen Landtag ein gewiefter und gewichtiger Politiker um Dienste der dänischen Minderheit. Er wusste diese gewichtige Sonderrolle für sich und seine Partei medienwirksam zu nutzen. Bundesweite Bekanntheit erlangte der gebürtige Flensburger im Zuge der Barschel-Affäre 1987, deren Aufklärung er konsequent vorantrieb. Fortan galt er als „der Unbestechliche“. Und er glaubte bis zuletzt, dass Barschel in Genf ermordet wurde.

Als CDU und FDP im Zuge der Affäre 1987 nach Barschels Tod um die Stimme des SSW zur Neuwahl eines CDU-Ministerpräsidenten warben, enthielt sich Karl Otto Meyer der Stimme. Damit war der Weg frei für Neuwahlen, die Björn Engholm mit der SPD eindeutig entschied. Mit der absoluten Mehrheit der Wählerstimmen im Rücken wurde Engholm schließlich Ministerpräsident. In den den 90er Jahren bestimmte Meyer die Landespolitik maßgeblich mit, indem er die mit schmaler Einstimmenmehrheit regierende SPD zusätzlich absicherte.

Er galt als ein entschiedener Verfechter der Interessen der dänischen Minderheit in Schleswig-Holstein, machte sich aber auch immer stärker als Sachverwalter für den Landesteil Schleswig bemerkbar. In Dänemark war er bekannt - aber auch gefürchtet als ein entschiedener Gegner der Europäischen Union. Meyer bezeichnete sich selbst als „Däne mit deutschen Pass“. Für Verwirrung sorgte ein 2013 geführtes Interview, in dem er sich eine Volksabstimmung über ein „Dänemark bis zur Eider“ bis zur Eider wünschte.

Karl Otto Meyer lebte zuletzt in seinem Haus in Schafflund (Kreis Schleswig-Flensburg). Der „Grand Old Man“ der Partei der dänischen Minderheit und der nationalen Friesen wurde 1928 in Flensburg als Sohn eines Druckers geboren und war ausgebildeter Lehrer. Von 1960 bis 1975 war Neyer dazu SSW-Landesvorsitzender und von 1963 bis 1983 Chefredakteur von „Flensborg Avis“ und der „Südschleswigschen Heimatzeitung“. Sein Sohn Flemming Meyer ist heutiger Landesvorsitzender des SSW.

Foto: dpa
 

Zum Tod von Karl Otto Meyer sagen der Vorsitzende des SSW im Landtag, Lars Harms, und die Ministerin für Justiz, Kultur und Europa, Anke Spoorendonk: „Wir trauern mit unseren Landesvorsitzenden Flemming Meyer und seiner Familie um seinen Vater Karl Otto Meyer Er hat den SSW von Anfang an mit aufgebaut und in verschiedenen wichtigen Positionen geprägt. Karl Otto Meyer hat entscheidend dazu beigetragen, dass der SSW nicht nur als Minderheitenpartei, sondern auch als vollgültige Partei anerkannt ist, die zu allen politischen Themen Stellung bezieht. In seiner Ära wurde der Grundstein für die heutigen Wahlerfolge und die Regierungsteilnahme des SSW gelegt.“

Als aufrechten Demokraten hat Ministerpräsident Torsten Albig (SPD) den gestorbenen SSW-Politiker gewürdigt. Meyer sei viele Jahrzehnte lang das Gesicht der dänischen Minderheit in Schleswig-Holstein gewesen, erklärte Albig am Montag. „Er hat der Gleichstellung der dänischen Minderheit den Weg geebnet und den Keim dafür gelegt, dass die Partei der Minderheit heute ganz selbstverständlich Teil einer Landesregierung ist.“ Schleswig-Holstein sei ihm zu großem Dank verpflichtet.

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