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Hilfsflüge für Kampf gegen IS : Transalls aus Hohn auf dem Weg in den Nordirak

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Vier Maschinen sind am Freitag mit leichter Verspätung gestartet. Im Morgengrauen hob die erste Transall ab. Verteidigungsministerin von der Leyen verabschiedete die Soldaten.

Hohn | Vier Transall-Maschinen sind heute mit leichter Verzögerung und je acht Tonnen Hilfsgütern für die Menschen im Nordirak vom Flugplatz Hohn aus in Richtung Türkei gestartet. Im Morgengrauen hob das erste Transport-Flugzeug um kurz vor 7 Uhr mit dem Sonnenaufgang im Rücken ab.

Verteidigungsministerin Ursula von der Leyen (CDU) verabschiedete die Soldaten. An der Seite von Oberstleutnant Thies Voigt, dem stellvertretenden Kommodore des in Hohn stationierten Lufttransportgeschwaders (LTG 63), verfolgte sie den Start. „Mir war wichtig, dass Deutschland zügig die erste Hilfslieferung auf den Weg bringt“, erklärte von der Leyen, die sich zuvor eine Transall zeigen ließ und ein kurzes Gespräch mit der fünfköpfigen Besatzung der ersten Maschine führte. Insgesamt liefern die Transalls rund 30 Tonnen Lebensmittel und sechs Tonnen Sanitätsmaterial – unter anderem Antibiotika, Decken und weitere Medikamente.

Von der Leyen dankte der Bundeswehr dafür, dass ein schnelles Handeln möglich gemacht wurde. LTG-Sprecher Thomas Bagemühl erklärte: „Wir haben hier einen ganz normalen Flugbetrieb. Die vier Flüge mit den Hilfsgütern sind doch recht kurzfristig reingekommen. Aber wir haben dann bei der Inspektion der Maschinen ein bisschen Gas gegeben.“ Zwei der vier Transalls stammen vom Schwestergeschwader des LTG 63 aus Wunstorf bei Hannover.

Rund acht Stunden dauert der Flug bis zur rund 3300 Kilometer entfernten türkischen Luftwaffenbasis Inçirlik. Dort übernehmen dann bereits am Vortag angekommene Besatzungen die Maschinen. Nach rund zwei Stunden soll es weitergehen ins 800 Kilometer entfernte Erbil, Hauptstadt der Kurden-Region im Nordirak. Die erste Maschine soll schon am späten Sonnabend zurück in Hohn sein, die letzte der vier Transalls wird dann am Montag zurückerwartet.

Die 36 Tonnen Hilfsgüter seien erst der Anfang und nicht das Ende der humanitären Hilfsleistungen, sagte von der Leyen. Die Bundesregierung werde weiter über Irakhilfen beraten. Die Frage nach Waffenlieferungen stelle sich indes akut nicht. „Die Kurden vor Ort sind auf russische Waffensysteme angewiesen. Auf die sind sie ausgebildet, mit denen kämpfen sie“, sagte von der Leyen. Derartige Waffen könne die Bundesrepublik ohnehin nicht liefern.

Bundeskanzlerin Angela Merkel sagte am Donnerstag der Hannoverschen Allgemeinen Zeitung: „Das Vorrücken dieser Extremisten zu stoppen und den Notleidenden zu helfen, ist eine Aufgabe für die gesamte internationale Gemeinschaft.“ Es sei entsetzlich, was Menschen im Nordirak - Jesiden, Christen und andere - durch die Terrorgruppe Islamischer Staat erleiden würden.

Nach Einschätzung des Nahost-Experten Udo Steinbach ist der Vormarsch der Islamisten im Irak auch Folge einer verfehlten westlichen Politik im benachbarten Syrien. „Heute wird man von der Fehlentscheidung eingeholt, in Syrien nicht eingegriffen zu haben“, sagte der Islamwissenschaftler.

Die Terrorgruppe Islamischer Staat (IS), deren Kerntruppe aus dem Irak stamme, habe in Syrien nur deshalb so stark werden können, weil dort durch das brutale Vorgehen des Regimes von Präsident Baschar al-Assad ein Machtvakuum entstanden sei. Von Syrien aus hätten die Terroristen ihren Machtbereich dann auf große Gebiete im Irak ausgedehnt. „Man wollte in Syrien nicht eingreifen, um Assad zu stürzen, und das war letztlich irrational“, kritisierte der ehemalige Leiter des Deutschen Orient-Instituts.

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erstellt am 15.08.2014 | 07:00 Uhr

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