Konzept für SH : Tourismus: Spoorendonk kommt Kultur zu kurz

Treffpunkt für das kulturelle Leben in SH: das Schloss Gottorf in Schleswig.
Treffpunkt für das kulturelle Leben in SH: das Schloss Gottorf in Schleswig.

Fünf Zielgruppen spricht das neue Tourismuskonzept an - Kulturliebhaber sind nicht dabei. Wirtschaftsminister Meyer sagt: Die Touristen lieben Schleswig-Holstein vor allem wegen der Natur.

Avatar_shz von
08. März 2014, 09:21 Uhr

In Schleswig-Holsteins Landesregierung ist ein Streit über das neue Tourismuskonzept von Wirtschaftsminister Reinhard Meyer ausgebrochen. Kulturministerin Anke Spoorendonk vom SSW kritisiert, dass die Bedeutung von Museen und Musik für die Attraktivität des Landes in den Plänen des SPD-Manns Meyer zu kurz kommt. „Ich wünsche mir, dass das kulturelle Leben in Schleswig-Holstein deutlicher als Pluspunkt ins Tourismuskonzept aufgenommen wird“, fordert Spoorendonk im Gespräch mit unserer Zeitung.

Meyer will mit seiner neuen Strategie fünf Zielgruppen von Urlaubern besonders ansprechen – Kulturliebhaber sind nicht darunter. Vielmehr sind sie nur am Rande in der Gruppe der Städtereisenden erwähnt. Ministerin Spoorendonk hält das für einen Fehler: „Schleswig-Holstein hat vom Musikfestival über die großen Museen bis zur gesamten Kulturlandschaft sehr viel zu bieten – das sollten wir auch denjenigen klarmachen, die zu uns kommen.“ Schließlich bezahle sie aus ihrem Etat sogar jährlich 79.500 Euro für eine Kulturmarketing-Projektstelle in der Tourismusagentur des Landes. „Ich baue keine Drohkulisse auf“, sagt Spoorendonk. Aber wenn die Stelle dauerhaft von ihr finanziert werden solle, „dann muss sie auf jeden Fall dazu genutzt werden, um das kulturelle Potenzial von Schleswig-Holstein stärker hervorzuheben“. Daher solle Meyer „breiter für die Leuchttürme unserer Kulturlandschaft“ werben lassen – und nicht nur im Zusammenhang mit Städtereisen.

Ihr Kabinettskollege hält davon allerdings wenig. Eine neue Untersuchung der Fachhochschule Westküste habe vielmehr bestätigt, dass die Urlauber nicht wegen der Museen oder der Musik nach Schleswig-Holstein kommen, sondern aus anderen Gründen wie etwa der Natur, sagt Meyer: „Kultur steht nicht an erster Stelle, nicht an zweiter Stelle und auch nicht an dritter Stelle.“ So habe zum Beispiel die Insel Föhr das „sehr schöne“ Museum Kunst der Westküste – „aber niemand macht dort deshalb Urlaub“. Um Touristen über die Städtereisenden hinaus mit Kulturangeboten ins Land zu locken, wäre daher deutlich mehr Geld nötig, sagt Meyer – und spielt den Ball an Spoorendonk zurück: „Eine Stelle reicht dafür lange nicht.“

Bei einem Besuch auf der morgen zu Ende gehenden Reisemesse ITB in Berlin kritisierte Meyer zudem den Ostseebäderverband Ostsee-Holstein-Tourismus, weil der auf der weltgrößten Branchenschau dieses Jahr erstmals nicht vertreten ist. Wenn Schleswig-Holstein sich als Urlaubsland überzeugend präsentieren wolle, sagte Meyer, „dann müssen alle geschlossen auftreten.“

„Für uns ist die ITB inzwischen weniger interessant“, sagt Geschäftsführerin Katja Lauritzen gegenüber unserer Zeitung. Die Messe sei für den OHT mit Kosten von 8000 Euro sehr teuer, die Zahl der Besucher zudem gesunken. „Wir konzentrieren uns künftig auf Aktionen in unseren Haupt-Quellgebieten“, sagt Lauritzen – so nennen Touristiker die Regionen, aus denen Feriengäste vorwiegend stammen. Für Schleswig-Holsteins Ostseebäder seien das Nordrhein-Westfalen, Niedersachsen oder Süddänemark, aber nicht Berlin.

Lauritzen wehrt sich gegen Meyers Kritik: „Der Auftritt auf der ITB ist nicht von uns, sondern maßgeblich vom Land gewollt – dann muss man auch darüber nachdenken, ob ihn die Tourismusagentur des Landes künftig allein trägt.“ Zumal der OHT nicht der einzige der fünf regionalen Tourismusverbände im Land sei, der Zweifel am Sinn der teuren Messe  hat: Auch der kleinere Binnenlandverband ist seit letztem Jahr nicht mehr bei der ITB – „weil es finanziell einfach nicht zu machen ist“, sagt Sprecherin Rabea Stahl.
 

zur Startseite

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen


Nachrichtenticker