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Holocaust-Gedenkstätte Yad Vashem : Torsten Albig warnt in Israel vor neuem Antisemitismus

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Mahnende Worte: Ministerpräsident Albig sieht den Antisemitismus in Europa wieder wuchern.

shz.de von
erstellt am 07.Apr.2016 | 11:05 Uhr

Jerusalem | Lehrer aus Schleswig-Holstein können künftig in der International School for Holocaust Studies in Yad Vashem in Israel Fortbildungsseminare machen. Ein Ziel einer gemeinsamen Vereinbarung des Landes Schleswig-Holstein mit Yad Vashem ist es, den Holocaust in den Schulen zu vermitteln und hierfür Unterrichtsmaterialien zu erarbeiten. In der israelischen Holocaust-Gedenkstätte warnte Schleswig-Holsteins Ministerpräsident Torsten Albig vor wachsendem Antisemitismus und religiösem Hass in Europa. Die Erinnerung an Deutschlands dunkle Vergangenheit sei gerade in unserer heutigen Welt unerlässlich, sagte der SPD-Politiker.

Vorurteile gegenüber andere Religionsgemeinschaften sind eine Herausforderung für die ganze Gesellschaft. Durch Bildung können Unwissen abgebaut und die Schüler angeregt werden, sich mit verschiedenen Glaubensmodellen auseinanderzusetzen.

Bereits mehrere Bundesländer haben mit der Holocaust-Gedenkstätte ein solches Kooperationsabkommen geschlossen. „Es war höchste Zeit, dass mein Land Schleswig-Holstein diesem Beispiel folgt“, sagte Albig. Es gelte in den Schulen und Hochschulen die Bedeutung von Wachsamkeit und Mut klar zu machen, um die Werte Toleranz, Dialogbereitschaft und gegenseitiges Verständnis zu verteidigen. Die Lehrer aus dem Norden, die künftig in Yad Vashem Fortbildungen absolvieren, stünden vor vielen Herausforderungen, ihr erworbenes Wissen in Kiel, Flensburg oder Lübeck zu vermitteln - nicht zuletzt, wie die Lehren der Vergangenheit einer zunehmend heterogenen, multi-ethnischen Schülerschaft nahegebracht werden können.

„Was hat uns Yad Vashem heute zu sagen? Die Bedeutung des Nichtvergessens der Vergangenheit, auch wenn es schmerzvoll sein dürfte“, sagte Albig. „Die Bedeutung, jüngeren Generationen die Konsequenzen zu lehren von hasserfüllten, rassischen und religiösen Vorurteilen.“ Als dritte Lehre nannte Albig die „absolute Notwendigkeit eines friedfertigen und respektvollen Miteinanders in schwierigen Zeiten“. Der Ministerpräsident schloss seine kurze Rede mit dem israelischen Gruß „Shalom“.

Albig legte in der Halle der Erinnerung einen Kranz nieder und entfachte das Mahnfeuer. In einer Schweigeminute gedachten der Ministerpräsident und seine Delegation der sechs Millionen europäischen Juden, die von den Nazis im Zweiten Weltkrieg ermordet worden waren. Zu dem Besuch gehörte auch eine sehr bewegende Führung durch das Holocaust-Museum.

Am Nachmittag läd Israels Staatspräsident Reuven Rivlin den deutschen Gast in seine Residenz in Jerusalem ein. Es sei eine große Ehre, vom israelischen Staatspräsidenten empfangen zu werden, sagte Albig vor dem Treffen. Die sei ein Ausdruck von Wertschätzung, aber auch der Besuch Rivlins im vergangenen Jahr in Kiel dürfte wohl in guter Erinnerung geblieben sein. Im Mai 2015 hatte Rivlin auch die Werft ThyssenKrupp Marine Systems besucht, die für Israel U-Boote und Korvetten baut.

Nicht nur als Ministerpräsident, sondern auch als stellvertretender Vorsitzender der Jerusalem Foundation Deutschland macht Albig seinen Antrittsbesuch in Jerusalem. Die 1966 gegründete Jerusalem Foundation mit Schwesterorganisationen in vielen Ländern hat nach eigenen Angaben bereits 2000 Projekte in der Stadt und setzt sich für eine pluralistische Gesellschaft ein.

Zum dichtgedrängten Tagesprogramm gehörten denn auch Besuche in der Max Rayne Hand in Hand Schule für bilinguale Erziehung von Juden und Arabern sowie der Schmidt Schule, einer im 19. Jahrhundert gegründeten katholischen Mädchenschule, die den Status einer deutschen Auslandsschule hat. Rund 85 Prozent der Schülerinnen sind Muslime, nur etwa 15 Prozent Christen. Nach Einschätzung Albigs lässt sich von diesen Projekten auch etwas darüber lernen, wie die Integrationsprobleme in Deutschland besser gelöst werden können.

Nach einem Rundgang durch die Jerusalemer Altstadt hatte am Abend der deutsche Botschafter Clemens von Goetze zu einem Essen eingeladen. Am Freitag will Albig zum Abschluss seiner dreitägigen Reise den Friedenskindergarten des YMCA und das Israel-Museum mit den legendären Qumran-Rollen, den ältesten erhaltenen biblischen Schriften, besuchen.

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